Social Media für den Katastrophenschutz nutzen


Bremen (rd.de) – Als Japan im März 2011 von einem Erdbeben mit anschließendem Tsunami heimgesucht wurde, stieg die Zahl der Twitter-Meldungen dort von 3.000 auf rund 11.000 Nachrichten pro Minute. In den USA luden Augenzeugen im Oktober 2012 während des Hurrikans „Sandy“ 1,3 Millionen Bilder ins Foto-Netzwerk Instagram. – Wissenschaftler gehen davon aus, dass Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter für den Katastrophenschutz wertvolle Dienste leisten können.

Mit der Frage, wie sich Web 2.0 und Social Media im Katastrophenschutz einsetzen lassen, beschäftigte sich im Oktober 2013 eine Tagung in Heidelberg. Experten aus Wissenschaft und Praxis stellten den aktuellen Stand, den Bedarf und das Potential internet-basierter Bürgerbeteiligung beim Schutz vor Naturkatastrophen vor.

Nicht nur vor dem Hintergrund des Sommer-Hochwassers 2013 wolle man der Frage nachgehen, „wie Freiwillige und Nicht-Fachkräfte mit Hilfe Sozialer Medien und moderner Web-basierter Methoden die Koordination und das Management von Hochwasser- und anderen Katastrophenfällen unterstützen können“, erklärt Prof. Dr. Alexander Zipf vom Geographischen Institut der Universität Heidelberg.

Ein Teil der Vorträge beschäftigte sich mit der Beschaffung und Analyse von Informationen aus dem Internet. Im Fokus stand hier zum Beispiel die Erstellung von Schadensberichten und Lagekarten durch das so genannte Crowd Sourcing. Im Zusammenhang mit der geeigneten Weitergabe von Informationen ging „es unter anderem darum, wie die Einsatzplanung freiwilliger Helfer und privater Hilfsgesuche im Internet durch Web 2.0-Methoden besser koordinieren (werden) kann, aber auch um mögliche Konflikte, die sich aus einer internet-basierten Stabsarbeit ergeben“, so Prof. Zipf.

Social Media im Katastrophenschutz 

Dass Soziale Netzwerke bei der Bewältigung von Katastrophenlagen ein hilfreiches Werkzeug sein können, steht demnach außer Frage. Bis zu acht Prozent aller Nachrichten, die unmittelbar vor, während oder nach einer Naturkatastrophe gepostet werden, dürften nach Ansicht von Experten Angaben enthalten, die Katastrophenschützern bei ihrer Arbeit helfen können.

Die Frage lautet aber: Wie lässt sich die immense Flut an Nachrichten schnellstens sichten, um an die wichtigen Informationen zu gelangen? Auch hier liegt die Lösung im Internet. Initiativen wie die „Standby Task Force“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, bei Großschadenslagen im Netz und in Sozialen Medien nach Informationen für den Katastrophenschutz zu suchen. Ein weltweites Netzwerk von über 1000 Freiwilligen aus über 70 Ländern steht hierfür nach eigenen Angaben zur Verfügung.

In den USA scheint man schon weiter zu sein. Hier organisieren und informieren sich Privatpersonen nach Wirbelstürmen via StormPin-App oder tauschen ihre Ideen sowie Erfahrungen in Blogs wie iRevolution.net oder „Social Media 4 Emergency Management“ aus.

Deutschland ist da noch nicht ganz so weit. Hier beschäftigt man sich noch mit der Frage, wie sich zum Beispiel Tweets für Lagebilder auswerten lassen und freiwillige Helfer sowie private Hilfsgesuche durch Web 2.0 besser koordiniert werden.

(28.11.2013; Symbolfoto: Nicolas Hefner/THW)

3 Responses to “Social Media für den Katastrophenschutz nutzen”

  1. Julian Zierhut on November 28th, 2013 15:34

    Hallo Zusammen,

    in Bayern sind wir schon einen Schritt weiter. Seit Anfang November hat das Bayerische Rote Kreuz zusammen mit dem Radiosender BAYERN3 das „TEAM BAYERN“ ins Leben gerufen. Das „TEAM BAYERN“ ist eine organisierte Helfertruppe aus der Bevölkerung nach österreichischen Vorbild (Team Österreich).

    Beim TEAM BAYERN kann sich jeder anmelden, der mindestens 16 Jahre alt ist und bereit ist mitanzupacken oder andere hilfreiche Talente, Fähigkeiten oder Maschinen zur Verfügung stellen will. Die Anmeldung erfolgt über http://www.teambayern.info oder auch über http://www.facebook/teambayern.info .

    Ist man einmal als Helfer registriert, so wird man via SMS alarmiert, wenn man für einen Einsatz gebraucht wird. Besteht aber gerade nicht die Möglichkeit bei dem Einsatz dabei zu sein, so kann man jeder Zeit den Einsatz ablehnen. Diese Freiheit lässt das TEAM BAYERN.

    Natürlich verwenden wir auch facebook, um Informationen über die Einsatzorte oder das Ausmaß einer Katastrophe zu bekommen, aber in erste Linie geht es darum die vielen Freiwilligen Helfer zu organisieren und so einzuetzen, dass sie den Hilfsorganisationen effektiv den Rücken freihalten können, indem das TEAM BAYERN die Arbeiten übernimmt, die nicht auch noch von den Rettenden geleistet werden können. Da reicht vom klassischen Sandsäcke schleppen, über Brote schmieren bis hin zur typischen Nachbarschaftshilfe.

    Mittlerweile haben sich schon über 2500 freiwillige Helfer beim TEAM BAYERN registriert. Bei dem Projektvorläufer „Bayern packt an!“ im Sommer 2013 haben sich kurzfristig sogar über 3000 Helfer bei BAYERN3 und dem Bayerischen Roten Kreuz gemeldet.

    Man sieht also: die Bereitschaft zu Helfen ist enorm, wenn man einen Kanal hat, über den man die Bereitschaft und die Helfer ansprechen und bündeln kann. Hierfür sind Internet und die sozialen Medien wirklich ideal. Aber auch über die klassischen Medien, wie z.B. das Radio lässt sich noch Einiges bewegen.

    Mit besten Grüßen
    Julian Zierhut
    Onlineredaktion TEAM BAYERN
    info@teambayern.info

  2. Hanseretter on November 29th, 2013 09:50

    Zu Julian Zierhut

    Haben Sie gar nicht gemerkt, dass es hier schon einen Artikel über dieses Projekt gibt?
    Da hat die Presseabteilung wohl schlampig gearbeitet!

  3. Julian Zierhut on November 29th, 2013 11:13

    Hallo Hanseretter,

    klar haben wir das schon mitbekommen. Der Artikel ist auch schon seit Anfang des Monats auf unserer Homepage verlinkt. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an die Redaktion von rettungsdienst.de.

    Deshalb schadet es trotzdem nicht, ergänzend zu dem schon veröffentlichten Artikel noch ein paar Zusatzinfos zu geben und erneut auf das Projekt hinzuweisen, gerade wenn der obrige Artikel thematisch sehr gut dazu passt.

    Es hat sich ja mittlerweile schon einiges getan, was in dem ersten Artikel so nicht berichtet wurde. Also kein Grund gleich unsachlich zu werden 😉 Wenn Ihnen aber der Querverweis zum TEAM BAYERN-Artikel auf rettungsdienst.de fehlt, kann ich Ihnen da Abhilfe schaffen:

    http://www.rettungsdienst.de/magazin/team-bayern-sucht-mitstreiter-39875#more-39875

    Mit freundlichen Grüßen
    Julian Zierhut
    Onlineredaktion TEAM BAYERN

    info@teambayern.info
    http://www.teambayern.info
    facebook.com/teambayern.info
    twitter: @TEAM_BAYERN

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