Schmerzpflaster: Risiko einer Intoxikation


ABDA-Arzneimittelpflaster_500Bremen (rd_de) – Schmerzpflaster können Wirkstoffe wie Fentanyl beinhalten. Werden sie unsachgemäß angewandt, besteht die Gefahr einer Opiat-Intoxikation. Der Rettungsdienst erfährt von dem Pflaster zum Teil erst im Rahmen der Untersuchung des Patienten.

Schmerzpflaster: Risiko einer Intoxikation

Neben oraler, subkutaner, intramuskulärer und intravenöser Opiat-Applikation findet die transdermale Anwendung als Schmerzpflaster immer häufiger Anwendung. Transdermales Fentanyl (Durogesic) ist seit 1995, Buprenorphin (Temgesic, Transtec) seit 2001 in Deutschland zugelassen. Die Pflaster enthalten eine große Menge an Substanz, die bei korrekter Anwendung über mehrere Tage abgegeben wird.

Bei Schmerzpflastern ist es wichtig, den Patienten vorab genau über die Handhabung aufzuklären: In der Literatur ist ein Fall beschrieben, bei dem sich ein Patient insgesamt fünf (!) Fentanyl-Pflaster auf die jeweils schmerzenden Körperregionen geklebt hatte.

Was einige Patienten nicht bedenken: Durch Zerschneiden derartiger Pflaster (Anpassung der Dosis) wird die Diffusionsmembran der Pflaster zerstört. Die Folge ist eine unkontrollierte Resorption mit entsprechender Intoxikationsgefahr.

Auch ein spontaner Gebrauch dieser Pflaster durch Partner des Patienten – Motto: „Mir hilft es auch…“ – führte in der Vergangenheit schon zu Intoxikationen. Ein weiterer Fallbericht beschreibt die nächtliche Translokation eines Opiatpflasters vom Patienten auf den im selben Bett liegenden Partner.

Opiat-Intoxikation: Zeichen erkennen

Eine Opiat-Intoxikation führt letztlich zu einer vitalen Gefährdung durch…

•    …Atemdepression bis zum Atemstillstand,
•    …Aspiration und
•    …Hypothermie.

Die Therapie im Rettungsdienst besteht folglich aus:

•    Sicherung der Oxygenierung (Maskenbeatmung),
•    Sicherung der Atemwege (Intubation) und
•    Antagonisierung der Opiat-Wirkung mit Naloxon.

Opiate: Was ist das?

Opiate sind natürliche und synthetisch hergestellte Substanzen, die vor allem eine starke Analgesie bewirken. Deshalb werden sie nicht zuletzt im Rettungsdienst bzw. in der Notfallmedizin eingesetzt.

Opiate haben aber auch einen sedierenden, angstlösenden, euphorisierenden und hustenstillenden Effekt. Ferner bewirken sie Miosis, Obstipation, Erbrechen, Bradykardie und Atemdepression. Je nach Dosis liegt mitunter eine so genannte Kommandoatmung vor.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommen Opiate unterschiedlicher Potenz bei Schmerzen, die mit nichtsteroidalen Medikamenten nicht mehr beherrschbar sind, zum Einsatz.

(Text: Jürgen Auerhammer, Anästhesist, Notarzt; Symbolfoto: ABDA 2014; zuletzt aktualisiert am 10.08.2017) [1691]

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