Sanitätsdienst: SMS als Genesungs-Indikator


Shepton Mellet (rd.de) – Bei der Betreuung großer Musikfestivals herrscht in Sanitätszelten Hochbetrieb. Das Mobiltelefon kann Ärzten helfen, die Liegezeiten zu verkürzen.

Die Meldung des British Medical Journal sorgte für Aufsehen. Dr. Mike Sinclair, ein Anästhesist im Ruhestand, der sich seit 25 Jahren zur Betreuung von Musikfestivals beim Sanitätsbetreuungsdienst „Festival Medical Service“ engagiert, hält die SMS für einen nutzbaren Genesungs-Indikator.

Die jungen Patienten die nach einer Synkope ins Betreuungszelt kommen, bedürfen so lange einer Aufsicht und eines Liegeplatzes, bis sie beginnen mit dem Mobiltelefon SMS zu versenden.

Die Beobachtung hatte Sinclair erstmals 2004 beim Green Day in Reading gemacht. Das Betreuungszelt wurde förmlich mit Patienten überflutet. Wie können die Ärzte im Trubel und Gedränge feststellen, welcher Patient weiterhin betreut werden muss und welcher Patient wieder entlassen werden kann? Man entschied es schließlich mit der SMS-Tätigkeit, berichtet die BBC.

Die Bedienung des Mobiltelefons und das Verfassen der SMS verlangt psychomotorische Fähigkeiten, beansprucht kognitive Kapazitäten und zeigt somit wenigstens eine ausreichende Blutzufuhr des Gehirns an. Die jungen Patienten melden ihren Freunden, dass sie wohlauf sind und machen neue Treffpunkte aus.

Eine Kontrolle der Sinnhaftigkeit der versendeten SMS findet aber nicht statt. Es wäre, so Sinclair, auch keine sonderlich geeignete Überprüfung: „SMS-Texte, die Jugendliche im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte verfassen, machen unter Umständen auch keinen Sinn.“

In den folgenden Jahren wurde der SMS-Test zum quasi Betreuungsstandard und die Behandlungszeiten verkürzten sich erheblich.

Originalquelle: British Medical Journal

Hinweis: Das Lesen des Volltextes beim BMJ ist kostenpflichtig.

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