Saar: Stroke Unit fährt zum Patienten


Homburg/Saar (rd.de) – Die Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) hat ab sofort eine „Mobile Stroke Unit“ im Einsatz. Dies ist ein neuer Rettungswagen speziell für Schlaganfall-Patienten. Der einzigartige Rettungswagen beherbergt einen Computertomographen und Laborgeräte, die für die Diagnostik des Schlaganfalls unentbehrlich sind.

In einer Pilotstudie an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) soll nun der Nutzen einer solchen „Mobilen Stroke Unit“ mit Diagnostik und Therapie vor Ort, im Vergleich zur bisherigen Akutbehandlung im Krankenhaus untersucht werden.

Das Saarland bietet sich hierfür als Versuchsparcours an. Laut Statistischem Bundesamt wurden in Deutschland im Jahr 2006 ca. 200.000 Betroffene gezählt. Die höchste Rate an Erkrankungen unter den Bundesländern findet sich im Saarland.

Mobile Stroke Unit: CT Diagnostik vor der Haustür.

Mobile Stroke Unit: CT Diagnostik vor der Haustür.

Die Mobile Stroke Unit fährt demnach zum Patienten damit noch vor Ort die Blutgase bestimmt und ein CT erstellt werden kann. In der Praxis, so haben wir in Gesprächen schon vorab erfahren, kann der Notarzt vor Ort die Mobile Stroke Unit anfordern. Das Fahrzeug, ein Lastwagen mit Minilabor und CT an Bord, wird von einem Rettungsassistenten gesteuert, der zudem für die schnelle Laboruntersuchung des Blutes verantwortlich ist. Mit an Bord sind zwei Fachärzte, nämlich ein Neurologe und ein Neuroradiologe.

Die Mission heißt Zeitgewinn. Schneller als zuvor, wird man Patienten für eine frühestmögliche Lysethearpie selektieren können: Die Infusion des Lysemedikaments stellt gegenwärtig die einzige zugelassene Therapie des akuten Schlaganfalls dar. Allerdings kann die Lyse nur dann zur Anwendung kommen, wenn ein Blutgerinnsel der Hirnarterie den Schlaganfall verursacht. Nicht geeignet ist die Lyse bei einer Hirnblutung. Hier würde die Lysetherapie die Krankheit verschlimmern.

Trotz der unumstrittenen Wirksamkeit der Lysetherapie kommt sie in den meisten Kliniken nur bei 1-2 % und selbst in Schlaganfall-Zentren nur bei 4-7 % der Schlaganfallpatienten zum Einsatz. Der häufigste Grund hierfür ist verspätetes Eintreffen der Patienten in der Klinik.

Mit dem Versuch kann wissenschaftlich festgestellt werden, welchen Krankheitsverlauf ein Schlaganfall nimmt, wenn innerhalb der ersten 60 Minuten eine Lyse durchdeführt wird. Um das herauszufinden, fährt man im Saarland mit großem Aufwand die Stroke-Unit mit Blaulicht bis auf wenige Meter ans Wohnzimmer des Patienten heran.

Geleitet wird die Studie von Prof. Dr. Klaus Fassbender, Direktor der Klinik für Neurologie des UKS, und Oberärztin Dr. Silke Walter.

Kooperationspartner sind die Kliniken für Neuroradiologie und Anästhesiologie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS), das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Kreisverband Homburg/Saar, und die Fa. Meytec GmbH, Werneuchen.

Die Studie, der neue Rettungswagen und die technische Ausstattung werden unterstützt durch die Stadt Homburg, die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung, die Rettungsstiftung/Saar, den Rettungsdienst Logistik und Service GmbH, Bexbach, die Fa. Daimler AG, Niederlassung Saarbrücken, und von der Karlsberg GmbH, Homburg/Saar.

4 Responses to “Saar: Stroke Unit fährt zum Patienten”

  1. campesino on November 25th, 2008 02:22

    Liegt die Zukunft der Schlaganfallversorgung in präklinischem CT und eventueller präklinischer Lyse?

    Für Patienten mit Hirninfarkt wird die präklinische CT-Diagnostik mit anschließender Lyse wahrscheinlich entscheidende Zeitvorteile bringen.
    Auch Patienten mit Hirnblutung werden von einem präklinischen CT profitieren: ermöglicht es doch die Auswahl einer geeigneten Zielklinik und eine gezielte Vorabinformation des zuständigen Ärzteteams.

    Es gibt jedoch auch andere Wege, das Outcome von Schlaganfallpatienten erheblich zu verbessern.

    Bereits in der Vergangenheit gab es einige Kampagnen, um die Allgemeinbevölkerung dafür zu sensibilisieren, dass der Schlaganfall ein zeitkritisches Geschehen und schnelles Handeln erforderlich ist.
    Leider ist diese Botschaft an unserer Ärzteschaft weitgehend vorbeigegangen. Dass Hausärzte Patienten mit eindeutiger Apoplexsymptomatik nur mit deutlicher Zeitverzögerung der klinischen Versorgung zuführen, ist keine Ausnahme, sondern die Regel.
    Während im Rettungsdienst von der „golden hour“ gesprochen wird, lassen Hausärzte ihre Patienten noch nach hause fahren, um eine Tasche zu packen und sich dann einen „Krankenwagen“ zu rufen. Die Diagnose „Verdacht TIA“ ist keine Seltenheit auf Einweisungen, die vor Stunden ausgestellt worden ist. Dass man von einer TIA erst dann sprechen kann, wenn sich Symptome zurückgebildet haben und dass aus der noch wenig ausgeprägten Fascialisparese binnen Sekunden ein schwerer Apoplex werden kann, leuchtet vielen niedergelassenen Ärzten einfach nicht ein.
    Auch fulminant verlaufende Schlaganfälle werden häufig nicht als „Notfall“ erkannt. So laufen immer wieder Einweisungen von Schlaganfallpatienten als Krankentransporte mit Vorlaufzeiten von i.d.R. mindestens dreißig Minuten.
    Im Saarland existieren Standard Operation Protocols zum Umgang mit Schlaganfallpatienten im Rettungsdienst. Dies ist eine sehr sinnvolle Einrichtung, jegliche Versorgung wird jedoch torpediert, wenn der Rettungsdienst nicht rechtzeitig alarmiert wird.

    In diesem Sinne wäre eine Fortbildung aller tätigen Hausärzte im Schlaganfallmanagement vielleicht ein Weg, welcher mit wahrscheinlich geringeren Kosten mehr Benefit bringen würde als eine MSU.
    Anders gesprochen: Erst die Basics, dann alles Andere!

    Eine Studie über den Informationsstand der Hausärzteschaft zum Thema Schlaganfall und ein dementsprechend aufgelegtes Informationsprogramm wäre vielleicht ein erster Schritt in eine flächendeckend bessere Versorgung von Schlaganfallpatienten. Schließlich hat jeder Patient das Recht auf eine gute Versorgung. Und die flächendeckende Einführung von MSU´s steht, wenn überhaupt, höchstens in ferner Zukunft im Raum.

    M. Bauer, Saarbrücken

  2. sam on Januar 31st, 2011 22:35

    Nun ja.
    Die Idee ist sicherlich nicht schlecht.
    Aber sehen wir uns doch die zunehmendem Kosten und auch den Ärztemangel an. Somit ist diese Form der präklinischen Apoplexversorgung sicher unsinnig. Schließlich muss auch dieses Fahrzeug angefordert werden, zum Patienten fahren und das CT klar machen. Hier sind dann ganz schnell 3 RA’s (NEF, MSU, RTW), 1 RS und u.U. 2 Ärzte vor Ort und warten auf das Ergebnis des CT’s. Diese sind alle blockiert und der RTW kann auch für weitere Folgeeinsätze nicht genutzt werden. Da wäre der 10-minütige Transport auf die nächste Stroke-Unit sinnvoller, günstiger und schneller.

  3. Johannes on Februar 1st, 2011 13:49

    Bitte beachten, es ist eine Studie. Diese hat einen definierten Start und ein Ende.

    Wer weiß, in ca 20 Jahren gibt es vielleicht ja das transportable CT Gerät, nicht größer als ein EKG Gerät. Im Ultraschallbereich ist das ja schon vorhanden.

    Vor 20 Jahren hat auch jeder über Mobilfunkgeräte gelacht und gestaunt. Ich könnte mir eine Kombination aus tragbarem CT für den NAW und einem Telenotarzt schon gut vorstellen. In ländlichen Gebieten vielleicht nur noch ein Telenotarzt weil nicht genügend NA´s.

  4. Adams 51/2 on März 22nd, 2011 19:45

    Für Großstädte deren Kliniken Stroke units vorhalten und auch das notwendige Personal haben ist dieses System vielleicht nicht unbedingt sinnvoll, jedoch bin ich der Meinung, dass solche Fahrzeuge bei „Landnotarztwachen“ stationiert werden sollten, da bereits „on the go“
    die Diagnose gestellt werden, und gegebenenfalls frühzeitig Ein Hubschrauber angefordert werden kann. Dies würde meiner Meinung nach Das outcome manches Patienten mit schlaganfall verbessern.

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