Rettungsdienst zu langsam, Berliner Polizei unzufrieden


Berlin (rd.de) – Bisher hatte die Polizeigewerkschaft die Berliner Feuerwehr unterstützt, wenn es darum ging, den Rettungsdienst besser auszustatten. Nachdem ein niedergestochener Polizeibeamter aber 15 Minuten auf Rettung warten musste, hat sich das Klima zwischen den beiden Parteien deutlich verschlechtert.

Die Gewerkschaft der Polizei in Berlin wünscht sich einen leistungsfähigeren Rettungsdienst. Die vereinbarten Schutzziele wurden auch 2008 nicht erreicht, meldet die Polizei. Jetzt, im Haushaltsentwurf des Senats fünf zusätzlich geplante RTW zu streichen und den Notfallrettungsdienst nicht mehr um die erforderlichen rund 130 Einsatzkräfte zu verstärken, bezeichnete Klaus Krzizanowski von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in einer Pressekonferenz als geradezu skandalös. „Wir werden nach der Sommerpause in den Haushaltsberatungen die Abgeordneten auffordern, den Haushaltsentwurf des Senats entsprechend zu korrigieren“, so Krzizanowski.

Dienstags langsamer

Die wünschenswerte Eintreffzeit von acht Minuten wird nicht nur bei einem Herzinfarkt verfehlt. Manchmal trifft es auch einen Polizisten in Not!

Die Bild-Zeitung berichtete über einen Zivilfahnder, der an einem Dienstag von einem Autodieb niedergestochen wurde und 15 Minuten auf Rettung warten musste. Eine Not-OP rettete dem Mann das Leben. Die Zeitung will erfahren haben, dass immer dienstags das Leitstellensystem heruntergefahren werde. Die ganze Einsatzdisposition werde dann über Stunden komplett manuell mit Zettel und Steckbrett bewältigt. Dieses Verfahren sei von Michael Schombel, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, dem Blatt gegenüber so beschrieben worden.

Nach Angaben der Zeitung hätten sich zahlreiche Feuerwehrleute gegen die manuelle Einsatzführung gewendet, weil sie eine mangelhafte Einsatzdisposition befürchteten. Unter Insidern kursiert angeblich offenbar schon der Spruch: „Dienstags ist in Berlin ein guter Tag zum Sterben…“

Übung muss sein

Aus Übungsgründen werde das Arbeiten auf der Rückfallebene trainiert, so verteidigt sich die Berliner Feuerwehr. Zudem werde die Zeit für Softwareupdates und Systemwartungsarbeiten genutzt.

Die Feuerwehr erklärt, es würde eine besonders einsatzschwache Zeit am Dienstagmittag ausgewählt, um auf der Rückfallebene zu arbeiten. Den erhobenen Vorwurf, dass es hierdurch zu nennenswerten Qualitätsverlusten bei der Einsatzdisposition kommt, weist die Feuerwehr jedoch zurück. Trotz erhöhter Personalbesetzung – so räumt die Berliner Feuerwehr in ihrer Pressemitteilung ein – könne man im „Handbetrieb“ allerdings nicht die Bearbeitungszeiten erreichen, die das elektronische Einsatzsystem IGNIS biete.

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