Retter übersehen Schwerverletzten


(Foto: Rettungssani / CC)Köln (BF/ots) – Vermutlich hat jeder Retter so seine eigenen Horrorvorstellungen von dem, was sich nach Möglichkeit nie zutragen möge. Bei einem schweren Verkehrsunfall einen Schwerverletzten zu übersehen, gehört sicher mit dazu. Für Kollegen in Köln wurde diese Schreckensvorstellung nun traurige Wahrheit.

In der Nacht auf Sonntag ereignete sich kurz nach Mitternacht ein schwerer Verkehrsunfall an der Autobahnabfahrt Köln-Brück/Ecke Hans-Schulten-Straße. Bei dem Verkehrsunfall wurden offensichtlich zwei junge Männer im Alter von 25 bis 30 Jahre schwer verletzt und eine weitere Person getötet.

Ein Notarztteam aus Bergisch Gladbach kam unmittelbar nach dem Unfall zufällig auf der Rückfahrt vom Krankenhaus an der Einsatzstelle vorbei und leitete die ersten Rettungsmaßnahmen ein.

Aufwändiger und anspruchsvoller Einsatz

Den zuerst eintreffenden Einsatzkräften bot sich ein schreckliches Bild, da die tödlich verletzte Person mit dem Oberkörper aus dem Seitenfenster heraus hing und schwerste Kopfverletzungen aufwies. Fahrer und Beifahrer waren im Fahrzeug eingeklemmt und mussten mit Hilfe von mehreren parallel eingesetzten hydraulischen Rettungsgeräten befreit werden. Nachdem die Schwerverletzten von zwei Notärzten noch im Fahrzeug medizinisch versorgt und stabilisiert worden waren, wurde das Dach des Autos abgetrennt. Anschließend wurden die Patienten einzeln mit Rettungskorsetts und Wirbelsäulenbrettern aus dem Wrack gehoben, um einen möglichst schonenden Transport ins Krankenhaus zu ermöglichen.

Die sehr aufwändige Rettung stellte hohe Anforderungen an die eingesetzten Kräfte, da gleich zwei Schwerverletzte auf engstem Raum medizinisch versorgt und befreit werden mussten. Nach etwa einer Stunde konnte die Unfallstelle zur weiteren Unfalluntersuchung und Sicherung an die Polizei übergeben werden. Die Feuerwehr unterstützte die Polizei noch bis etwa 3 Uhr.

An der Einsatzstelle waren eine Notärztin, ein Notarzt, acht Rettungsassistenten, der Rüstzug der Feuerwache Weidenpesch, der Löschzug Ostheim sowie zwei Führungsdienste der Feuerwachen Deutz und Weidenpesch eingesetzt.

Alarmstufe rot: Vier Personen in Fahrzeug

Als der Fahrer am Sonntagnachmittag von den Ermittlern des Verkehrskommissariates zum Unfallgeschehen befragt werden konnte, gab der Fahrer im Rahmen seiner Vernehmung an, dass sich zum Unfallzeitpunkt insgesamt vier Personen im Fahrzeug befunden hätten.

Sofort wurden von den Ermittlern erneut Rettungskräfte und Polizei zur Unfallstelle entsandt, um nach der vierten Person zu suchen. Gegen 17.50 Uhr wurde in der Nähe des Unfallortes zwischen Schutzplanke und Lärmschutzwand verdeckt ein weiterer Mann in einer Bodensenke tot aufgefunden. Ob der Mann aufgrund der Verletzungen sofort getötet wurde oder zu einem späteren Zeitpunkt starb, muss nun eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion klären.

Nachtrag:

Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass das erst am Sonntagnachmittag (22. Mai) in Köln-Neubrück gefundene Unfallopfer sofort tot war. Dies hat die gestern durchgeführte Obduktion ergeben.

Die Unfallspuren lassen darauf schließen, dass der hinten sitzende Insasse durch die Wucht des Aufpralls durch die Seitenscheibe geschleudert wurde.

5 Responses to “Retter übersehen Schwerverletzten”

  1. NovemberW on Mai 23rd, 2011 16:47

    „Ob der Mann aufgrund der Verletzungen sofort getötet wurde oder zu einem späteren Zeitpunkt starb, muss nun eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion klären.“

    Die Überschrift ist etwas zu reißerisch. Wie wäre es mit mehr Fakten und weniger Spekulation?

    Wir sind doch hier nicht bei der Bild-„Zeitung“!

  2. Elendil on Mai 24th, 2011 13:32

    Verdammt, das ist wirklich eine absolute Horror-Vorstellung. -.-
    Aber ich habe Respekt und glaube kaum, dass man den Einsazkräften einen Vorwurf machen kann.

  3. Olaf on Mai 24th, 2011 15:36

    Klassisch. Umfangreiche Einsatzstelle, Lärm, viele Kräfte, viel Arbeit wenig Zeit und Dunkelheit !!
    Keiner kann sich pauschal davon Freisprechen an einer größeren EST die Erkundung immer komplett und allumfassend in kurzer Zeit abzuarbeiten.Zumal wenn es in der ersten Phase keine Hinweise auf weitere Betroffene gibt.
    Mir ist ähnliches auf der Autobahn widerfahren. Dunkelheit, Ersthelfer, Polytrauma und dann taucht irgendwann die Pol auf und fragt was mit den beiden Mädels am Straßenrand ist. Die waren zwar nicht Verletzt aber gehörten in den Kreis der Betroffenen.Klasse Gefühl….

  4. Chris on Mai 25th, 2011 17:08

    Hmm da stellt sich mir die Frage, ob der Insasse angeschnallt war wenn er so „rausfliegt“. Das wäre vllt nochmal interessant gewesen zu erfahren.

  5. andreas hasselmann on Juni 1st, 2011 13:57

    ich schätze mal die beiden hinteren insassen waren“natürlich“nicht angegurtet….kommentar überflüssig ! wer´s heute noch nicht „geschnallt“ hat dem ist echt nicht mehr zu helfen
    die kollegen vom rd tun mir natürlich leid, denn auch wenn im nachhinein der obduktionsbefund den sofortigen tod feststellte…es bleibt einem immer diev frage im hinterkopf was wäre wenn er stundenlang dort schwer verletzt gelegen hätte….

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?