Retter stellen sich gegen geplantes Rettungsdienstgesetz


Dresden (pm/rd.de) – Mitarbeiter der Rettungsdienste in Sachsen haben sich zu einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen, um einen „Crash des Rettungsdienstes“ abzuwenden. Die Mitglieder der Aktionsgruppe wenden sich gegen Ausschreibungen, die auf dem Rücken der Retter ausgetragen werden. Am Mittwoch, 9. Mai, ziehen die Kollegen vor den Landtag, um gegen die Pläne zur Umgestaltung des Rettungsdienstes in Sachsen zu demonstrieren.

Mitarbeiter im Rettungsdienst haben sich als „Gruppe der Mitarbeiter Rettungsdienst“ (GdMR) organisiert, um ihr Gewicht bei den Verhandlungen um ein neues sächsisches Rettungsdienstgesetz in die Waagschale zu werfen. Derzeit werden Rettungsdienstbereiche in einer europaweiten Ausschreibung vergeben. Damit die Bewerber, darunter ASB, Malteser, DRK und die Johanniter, den Zuschlag bei der Ausschreibung erhalten zu können, werden sie gezwungen sein, sich gegenseitig zu unterbieten. Dieser Finanzkampf wird jedoch auf den Schultern und Löhnen der Mitarbeiter im Rettungsdienst ausgetragen.

Nach Ansicht der „Gruppe der Mitarbeiter Rettungsdienst“ sieht der Gesetzentwurf von CDU/FDP vor, die Privatisierung des Rettungsdienstes weiter voran zu treiben und zu verschärfen. So sollen die Rettungswagen nicht mehr von den Kommunen/Städten beschafft werden, sondern von den Bewerbern, welche den Zuschlag für einen Rettungsdienstbereich erhalten haben. Dies wird zu einem qualitativen Verfall führen, da die Bewerber in jedem Bereich ansetzen müssten, um die Kosten weiter zu senken. Zudem wird an der Ausschreibung im Europaraum festgehalten. Dies heizt die Kommerzialisierung des Rettungsdienstes weiter an.

Schon jetzt, so berichtet die Retterinitiative, werden die Verträge der Mitarbeiter angepasst, indem die Zahl der Urlaubstage gekürzt, Zuschläge gekürzt und ausgebildete Rettungsassistenten in der niedrigsten Qualifikation als Rettungshelfer vertraglich angestellt werden. „Dies führt dazu, dass Mitmenschen, die diesen schweren Beruf ausüben, teilweise mit 900 Euro netto nach Hause gehen“, beklagt Rettungsassistent Lutz Bigalke. „Viele sind Pendler und Familienväter! Was dann noch übrig bleibt, muss man niemandem erklären. Zu dieser finanziellen Belastung kommen die schweren Schläge im Beruf, wenn man ein totes Kind im Arm hält, Schwerverletzte rettet und in die tiefsten Abgründe der menschlichen Existenz eintaucht. Ausgelacht wird man nicht selten, wenn man mit diesen Verträgen zur Kreditbeantragung für ein Haus oder Auto zur Bank geht.“

Es ist erst wenige Wochen her, als sich Rettungsdienstmitarbeiter aus allen großen Hilfsorganisationen trafen und in Dresden die „Gruppe der Mitarbeiter Rettungsdienst“ gründeten. Initiator der GdMR, Mathias Körner, berichtet, dass auf einige Kollegen Druck von Seiten des Arbeitgebers ausgeübt wurde. Die Gründung der GdMR zeige, „wie sehr es bei den Mitarbeitern im Rettungsdienst brodelt und wie sehr man auf dem Zahnfleisch geht“. In den letzten Wochen gingen die Mitglieder der GdMR in die einzelnen Fraktionen des Sächsischen Landtags und leisteten Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit.

Die GdMR favorisiert einstimmig die Kommunalisierung des Rettungsdienstes, wie es auch bei Feuerwehren der Fall ist. So müsste man den Rettungsdienst nicht ausschreiben. Da sich hierfür jedoch politisch keine Mehrheit finden lässt, tritt die GdMR für die Vergabe nach dem Konzessionsmodell ein. Bei der Konzessionsvergabe lassen sich Bedingungen in Bezug auf die qualitative Ausstattung der Fahrzeuge oder der Tarifgestaltung der Mitarbeiter im Rettungsdienst aufstellen. So könnte auch der Missbrauch von Rettungshelfer-Verträgen und eine Vergabe an privatwirtschaftlich orientierte Privatunternehmen unterbunden werden. „Jedoch ist noch immer nicht zu erkennen, dass von dem kommerzorientierten Submissionsmodell auf das Qualitäts- und sozialverträglichere Konzessionsmodell, welches bereits viele andere Bundesländer bevorzugen, umgeschwenkt wird“, beobachtet Rettungsassistentin Susann Strößner. „Daher rufen wir die Kameraden der Feuerwehr, die Blaulichtkollegen der Polizei, unsere älteren Kollegen aus SMH-Zeiten und die heutigen Kollegen im Rettungsdienst mit auf, sich am besten mit Rettungsdienstkleidung am 9. Mai 2012, von 17 bis 18.30 Uhr zur Demo vor dem Sächsischen Landtag zu versammeln und gegen den Crash des Rettungsdienstes zu protestieren.“

(Foto: GdMR)

10 Responses to “Retter stellen sich gegen geplantes Rettungsdienstgesetz”

  1. Heiko Mager via Facebook on Mai 7th, 2012 15:34

    irgendwann kommt der vorschlag das die hilforganisationen nur noch von 7:00 bis 17:00 uhr arbeiten.. für den rest der zeit muss jeder selber sehen wie er sich helfen kann… oder vielleicht günstige “fach”kräfte aus den europäischen mitgliedsstaaten..

  2. Heiko Mager via Facebook on Mai 7th, 2012 15:34

    irgendwann kommt der vorschlag das die hilforganisationen nur noch von 7:00 bis 17:00 uhr arbeiten.. für den rest der zeit muss jeder selber sehen wie er sich helfen kann… oder vielleicht günstige “fach”kräfte aus den europäischen mitgliedsstaaten..

  3. Stefan on Mai 7th, 2012 16:52

    Bravo liebe Kolleginen und Kollegen!!!

    Nur so gehts. Geht auf die Straße und zeigt denen wo es lang geht!!!
    Und vergesst nicht Ver.di mit einzubinden! Auch schon alleine um euch selbst den Rücken frei zu halten.
    Solidarische Grüße aus dem Südwesten!!!

  4. Legiold on Mai 7th, 2012 16:54

    Liebe HiOrgs,
    jahrelang habt ihr die dicken Rosinen aus dem Kuchen gepuht.
    Jahrelang habt IHR leute als ehrenamtliche Helfer stundenlang auf Sanitätsdiensten usw. laufen lassen und das OHNE einen Cent vergütung.
    Einer euer größten Vertreter das DRK fällt immer wieder dadurch auf das sie bei Abrechnung betrügen und trotzdem darf das DRK weiter machen.
    Das was in Sachsen passiert ist Europa-Recht und somit ist NICHT die sächsische Landesregierung damit zu belästigen.
    Ihr solltet mal darüber nachdenken welchen Hintergrund EURE Organisationen hatten und eigentlich mmer noch haben.
    Ihr wart mal dazu gegründet worden um bei Katastropenfällen medizinische Unterstützung zu leisten.
    Durch die “falsche” Vergabe der nach dem 2. Weltkrieg herrschenden Besetzungsmacht seit ihr an die Rettung gekommen.
    Alleine der Krieg ist daran schuld das ihr überhaupt daran gekommen seit.
    IHR meint ihr seit das “beste” unter der Sonne.
    Dabei ist eure Ausstattung schlecht und eure Organisationen sind EXTREM schwerfällig wenn es um Neuerungen geht da der “Wasserkopf” größer ist als bei den privaten wo nur eine Handvoll die Entscheidungen fällen.
    IHR wart so von euch überzeugt das Ihr fest davon überzeugt wart das in Hamburg die kassenärztliche Vereinigung NUR zu euch kommen darf als es um den ärztlichen Notdienst in der Hansestadt ging.
    Liebe HiOrgs,
    wacht endlich auf und fangt an den “A…” an die Wand zu bekommen und heult nicht rum!
    So kommt ihr NIE auf beagten grünen Zweig.

    LG
    Legiold

  5. Daniel on Mai 7th, 2012 17:05

    “Zu dieser finanziellen Belastung kommen die schweren Schläge im Beruf, wenn man ein totes Kind im Arm hält, Schwerverletzte rettet und in die tiefsten Abgründe der menschlichen Existenz eintaucht” (…)

    Ein bischen weniger Emotionalität würde hier sicherlich nicht schaden!
    Und wer für 900,- Euro netto Vollzeit im Rettungsdienst arbeitet ist selber Schuld! Der “Arbeitsmarkt” ist ein “Markt” – Märkte regulieren sich durch Angebot und Nachfrage!

  6. KaRo on Mai 7th, 2012 17:41

    @ Legiold:

    Dank den HiOrgs ist das Gesundheitssystem auf dem stand wo wir heute sind, andere Länder beneiden uns um unser ehrenamt. Natürlich ist es nicht gut, hauptamtliche Stellen durch ehrenamtliche zu ersetzen.
    Aber HiOrgs einzusetzen oder den Kreis dies selbst durchführen zu lassen ist in vielen Gegenden besser als die Feuerwehr zu nutzen. Ich selber bekomme es häufig mit, unmotivierte und leider hier auch z.T. Fachlich inkompetente hauptamtlichen Feuerwehrmänner müssen leider unser leben versuchen zu retten.

    Mit der Abrechnung ist es tatsächlich vorgekommen. Aber wenn in einer föderal-organisierten Org. sowas passiert ist es nicht richtig, dass auf eine HiOrg abzustempeln, geschweige denn das allen in die Schuhe zu schieben. In anderen HiOrgs ist dies auch passiert, nicht nur das. In anderen Bereichen der freien Wirtschaft geschieht dies andauernd. Vergleicht man die vorkommnisse in der Branche mit anderen Branchen, wirt man sich fragen müssen, wo man zuerst den Hammer draufhällt und das wird bestimmt nicht der RD sein.

    Warum soll der RD nach dem 2 WK “falsch” vergeben worden sein? Die Organisationen wurden durch die damaligen Besatzungsmächte dazu beauftragt, das war damaliges Recht, heutzutage ist es nichts anderes, nur das die Gesetze fest verankert sind und es mehr hürden zu meistern gilt. Deine Aussage, dass die HiOrgs nur so an den RD gekommen sind, stimmt doch nicht, erkundige dich doch vorher lieber bevor du einen solchen blödsinn postest. Die ehem. Amerik. Besatzungsmacht beauftragte z.B. in Bremerhaven die Feuerwehr damit, die HiOrgs sind erst 1990 hinzugekommen. Das ist kein einzelfall. Klar ist es europarecht, aber die Landesregierung kann durch bestimmte Vergabe voraussetzung das so knüpfen, dass der Zuschuss nicht an Dumping-Privatunternehmen geht, wie in anderen Bundesländern durch entsprechende Gesetzesänderungen doch auch gemacht wird.
    Fazit: Erst denken, dann schreiben…

    Natürlich werden Sanitätsdienste ehrenamtlich gemacht, wie sollte das auch finanziert werden? Viele Helfer bekommen aber eine Aufwandsentschädigung und eine Verpflegungspauschale und das ist auch okay so. Jeder muss das doch selbst wissen und würden Löhne dafür gezahlt werden, würde so manch tolle Veranstaltung gar nicht mehr durchgeführt werden können und dürfen.

    Schlechtere Ausstattung ist auch nicht so, klar sind einige RTWs und KTWs in den SEGn ältere Modelle. Von den Fahrzeugen, die im Regelrettungsdienst fahren, kann man dies überhaupt nicht behaupten, ich habe

    von schwerfälliger Organisation kann auch nicht gesprochen werden, ich habe auf einer Rettungswache hauptamtlich bei einer HiOrg gearbeitet, welche für den gesamten Landkreis Testversuche durchgeführt hat, bevor diese Methoden oder materialien in den Regelbetrieb kamen.

    Bevor du also solche bösen äußerungen Tätigst, erkundige dich doch bitte richtig. Natürlich ist es in einigen gegenden so, aber dies betrifft GENAUSO die Feuerwehr und den LK/ Kreisfreie Stadt. Also bitte nicht pauschalisieren und blödsinn posten.

    Danke

  7. Lars on Mai 7th, 2012 19:16

    Liebe Kollegen

    Ein Hamburger Unternehmen kam nach Dresden und hat gerade das abgeschafft das RA’s als RS’s bezahlt worden sind !!!!! Also Hiog’s hin oder her sowas geht garnicht. In wievielen Kreisverbänden fahren ehrenamtliche Kollegen Rettung. Rettung soll qualifiziert sein und qualifiziert bezahlt bewerden.

    Mfg

    Lars

    Stell. Vorsitzender eines Betriebsrates im Rettungsdienst

  8. Stefan on Mai 7th, 2012 21:14

    @Legiold

    Ich bin mir jetzt wirklich nicht ganz sicher ob dein Beitrag ernst gemeint oder Satire ist.
    Falls es ernst gemeint ist möchte ich folgendes dazu sagen. Mit den historischen Hintergründen zu den Hiorgs, falsch eigentlich trifft das nur auf das DRK zu, hast du ja recht. Aber desshalb ist nicht alles schlecht was die Hiorgs seither gemacht haben. Ich bin auch dafür daß bei Neueinrichtungen selbstverständlich auch Unternehmen zum Zuge kommen sollten wenn sie die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.
    Was du aber total zu verkennen scheinst ist die drohende Sozialkatastrophe für viele Beschäftigte bei einer Ausschreibung nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Wer hat den Beitrag im Ersten gesehen am 5.5.12 über den RD in Hamburg? Was sagte da der Kollege? Durch Tarifflucht seines Arbeitgebers hat er 800€ Brutto weniger !!!!

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=10400650

    Und das obwohl Hamburg das Konzessionsmodell gewählt hat!!!

    Ich bin überzeugt daß es den meisten Kollegen vom Prinzip egal ist für wen sie arbeiten, aber sie alle wollen gerechte Löhne, faire Arbeitszeiten und angemessenes Material. Und vor allem auch Zukunftssicherheit.
    Und dafür! wollen sich vorrangig die Kollegen einsetzen.
    Ich befürchte dass sich viele der Kollegen durch deinen Beitrag in ihren Befürchtungen verunglimpft fühlen da du darauf überhaupt nicht eingegangen bist.

    Viele solidarische Grüße aus dem Südwesten!!

  9. Sepp Daxberger on Mai 14th, 2012 08:43

    Liebe Mitarbeiter der Rettungsdienste

    Ich möchte zu eurer Angst um eure Zukunft im Falle von Ausschreibungen nur eines Sagen, richtet euren Blick auf die Eisenbahner, hier wird in Deutschland, insbesondere im Osten schon seit Jahren ausgeschrieben und diese Mitarbeiter leben überwiegend gut mit den Ausschreibungen so alle 10-12 Jahre. Was diese von euch unterscheidet, ist:
    1. Sie haben keine Konkurrenten in Form von “ehrenamtlichen” Eisenbahnern
    2. Sie sind überwiegend Gewerkschaftlich organisiert
    3. Sie jammern nicht dauernd, sondern
    4. Sie streiken wenn es angebracht ist

    Vielleicht könnt ihr euch mal Gedanken machen und kommt dann auf die Ursache für die Zustände im bundesdeutschen Rettungsdienst!
    Aus meiner Sicht ist das Hauptübel im größten Verband, nämlich dem Deutschen Roten Kreuz zu suchen, der momentan wieder hintenrum versucht die Novellierung des RAG zu torpedieren, denn sollte auch in Deutschland der Beruf des Rettungsdienstlers endlich ein 3-jähriger Ausbildungsberuf werden wie in anderen Gewerken üblich, dann könnte das Rote Plus seine billig Arbeiter jeglicher Form nicht mehr so wie gewollt – gewinnbringend – einsetzen.
    Dies heißt für die Berufssanitäter an aller erster Stelle, dass ihr froh sein solltet über jeden Privaten, der eine Ausschreibung gewinnt, denn je mehr Private Rettungsdienste tätig sind, desto mehr Arbeitsplätze für Berufssanitäter werden geschaffen und somit langfristig auch die Löhne nach oben getrieben. Denkt mal darüber nach, es ist eigentlich ganz einfach – Mehr Ausschreibungen, mehr Private, mehr Arbeitsplätze, mehr Einsatz für ein Berufsbild, langfristig höherer Lohn – im Umkehrschluss – weniger DRK, weniger Ehrenamtliche, weniger Blockade in der Entwicklung des RD, weniger Ärger mit Ehrenamtlichen, weniger Lohndumping, usw.!

  10. Marc on Mai 16th, 2012 22:23

    @Lars:

    Ich weiß ja nicht, wo du das her hast, dass besagtes Hamburger Unternehmen die RS-Bezahlung für RA´s abgeschafft hat. Ich kann dir nur folgendes sagen: Ich war vorher schon beim DRK und jetzt beim neuen Unternehmen. Ich hatte damals schon als RA eine Sanistelle mit RH-Entlohnung. Und daran hat sich auch jetzt nix geändert!!! Also kein Gedanke dran zu verschwenden, RA-Vergütung zu bekommen.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?