Retter aus Grenchen dürfen nicht helfen


Grenchen, SchweizGrenchen / Schweiz (rd.de) – Die Berner Kantonsregierung untersagt dem Grencher Ambulanz-Rettungsdienst (ARD) die Einfahrt ins Kantonalgebiet. Stattdessen werden Einsatzfahrzeuge aus dem entfernten Biel eingesetzt. Die Bürger der betroffenen Gemeinden sind schlicht entsetzt.

Bislang retteten die Helfer der Grenchen Ambulanz auch im benachbarten Kanton, namentlich in den Orten Arch, Leuzigen, Rüti bei Büren, Lengnau und Romont des Kontons Bern. Das war auch keine Rettungspiraterie, sondern erfolgte auf Anweisung der Leitstelle. Rund 100 Einsatze wickelte der Rettungsdienst aus Grenchen jenseits der eigenen Kantonsgrenze ab. Der Grund war plausibel, während der benachbarte Rettungsdienst in Grenchen diese Ortschaften binnen 5 Minuten erreichen kann, braucht der eigentlich zuständige Rettungsdienst aus Biel gerne 20 Minuten zu solchen Einsatzstellen.

Doch die Kantonsregierung schob schon im Februar 2008 per Verordnung einen Riegel vor dieses Treiben. Keine Fremdretter auf unserem Territorium, entschied man. Und so müssen die Bewohner des Bürenamt, wie die betroffene Region heißt, nach einem Notruf Geduld beweisen. Bürger wie Bürgermeister bezeichnen diese Entscheidung als Unfug, ja als einen Skandal; doch alles Intervenieren bewegte die Regierung nicht zum Einlenken.

Über die Beweggründe, die zu der Entscheidung führten, liest man in der Presse fast nichts. Es wird vermutet, dass die Einsatzzahlen der zuständigen Rettungsdienste in Biel schwach sind und man mit den zusätzlich anlaufenden Einsätzen des entlegenen Versorgungsgebiets die Wirtschaftlichkeit des Rettungsdienstes verbessern möchte. Träfe diese Vermutung zu, wäre es ein zynisches Spiel, die Sicherheit der Bevölkerung einer Verbesserung von Einsatzzahlen zu opfern.

(Bild: Grenchen (roter Punkt) ist von Gebieten des Kantons Bern fast umschlossen. Quelle: Tschubby / GNU)

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