RettAssG: Jetzt auch Kritik vom DRK


Berlin (rd.de) – Nach den Maltesern äußert jetzt auch das DRK Kritik an der geplanten Novellierung des Rettungsassistentengesetzes (RettAssG). In einem Rundschreiben des DRK-Generalsekretariats an die Landesverbände der Organisation wird Unverständnis über den Sinneswandel des Bundesgesundheitsministeriums zur Kompetenzerweiterung der Rettungsassistenten und über Äußerungen aus Reihen der Ärzteschaft deutlich.

 

In dem Schreiben vom 19. Februar 2009 berichtet das DRK-Generalsekretariat über den Inhalt einer Expertenrunde vom 19. Januar dieses Jahres. Das Gespräch fand damals unter Federführung des Bundesministeriums für Gesundheit in Berlin statt.

Das DRK zeigt sich in seinem internen Rundschreiben sehr befremdet darüber, dass seitens des Ministeriums bisherige, gemeinsam erarbeitete Positionen zur eigenständigen Tätigkeit des Rettungsassistenten „bei dem Treffen unberücksichtigt“ blieben. Stattdessen sei ein interner Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums vorgelegt worden, der inhaltlich „weit hinter der mit der Novellierung intendierten Kompetenzerweiterung des Rettungsassistenten“ zurückbliebe. Laut DRK werde in dem Entwurf vorgesehen, dass ein RA zum Beispiel erst die telefonische Erlaubnis des Notarztes einzuholen habe, bevor er bestimmte Maßnahmen durchführen dürfe.

Dem DRK-Schreiben ist zu entnehmen, dass von ärztlicher Seite der Referentenentwurf gestützt werde. Ärztliche Standesvertreter hätten ausgeführt, dass eine Kompetenzerweiterung für RA nicht erforderlich sei, dennoch eine dreijährige Ausbildung kommen müsse. Grund: Jeder Notfallpatient könne in Deutschland von einem Notarzt versorgt werden, aber die fachliche Kompetenz der RA mit der derzeitigen Ausbildung und den aktuellen Anforderungen sei nicht adäquat.

„Die DRK-Vertreter haben diese pauschale, durch keine Studie belegte Aussage in Frage gestellt“, heißt es in dem Rundschreiben. In einem weiteren Gespräch, das das DRK am 2. März 2009 mit dem Bundesministerium für Gesundheit führen wird, soll ausgelotet werden, welche Chancen bestehen, bisherige, gemeinsam erarbeitete Positionen in ein novelliertes RettAssG doch noch einzubringen.

„Sollte der Paradigmenwechsel des BMG (keine Kompetenzerweiterung) aufrecht erhalten werden, stellt sich für das DRK die Frage der Sinnhaftigkeit einer Novellierung, zumal Kostenfragen, die sich hierdurch ergeben könnten, zum jetzigen Zeitpunkt – und im Gegensatz zu früheren Papieren – völlig ausgeblendet wurden“, so das DRK. Das bedeute jedoch nicht, dass eine dreijährige Ausbildung „generell in Frage gestellt“ würde.

5 Responses to “RettAssG: Jetzt auch Kritik vom DRK”

  1. Mario Ludwecht on Februar 20th, 2009 14:49

    Jetzt sind es schon 2 Organisationen wie sich endlich teilweise dagegen aussprechen.
    Ich finde das gut.
    Ich meine, was ist so schwer daran das RettAssG in eine gute Schiene zu schieben?

    – Mehr rechtliche Sicherheit (Das man sogesehen nicht mehr mit einem Bein im Knast steht als RA/RS)

    – Mehr Kompetenzen (Ohne NA)

    – Fahren der Einsatzfahrzeuge auch mit Klasse B-Führerschein + Fahrsicherheitstraining.

    Aber stattdessen wird wieder alles mögliche nur unnötig komplizierter gemacht.
    Wat soll denn der Schwachsinn den NA Telefonisch zu kontaktieren!? Wah? Ich versteh es echt nicht. Totales Hirngespinnst.
    Auch die Auslegung der Ausbildung auf 3 Jahre. Wozu das ganze??
    Funktioniert doch bestens mit der 2 Jährigen RA Ausbildung (inkl. Anerkennungsjahr).
    Schlecht sind wir dadurch ja nicht gerade oder???
    Wir erzielen gute Leistungen mit dem bisherigen System.
    Außerdem, alle wollen sie was ändern, aber das Finanzielle blenden sie alle aus. Anstatt mal bei den grundlegenden Sachen zu bleiben (siehe oben).
    Neeeiiiinnn… lasset uns alles schwerer gestalten…. Ja ne, ist klar…

    Mal schaun wie sich das ganze so weiter entwickelt. Hoffentlich ziehen die anderen Hilfsorganisationen auch noch nach wie das DRK.

    Gruß Mario

  2. thomaswagner on Februar 21st, 2009 14:34

    Es ist traurig zu sehen, wie sich fachfremde Personen (gemeint sind die Referenten und Politiker des BMG), sich dermaßen von den ärztlichen Standesvertretungen unter Druck setzen lassen.
    Im arbeitsrechtlichen Sinne gibt es permanent Schwierigkeiten bei Umschulungen oder Weiterbildungen, weil die Agenturen für Arbeit die Ausbildung zum RettAss aufgrund ihrer Zweijährigkeit nicht als Berufsausbildung anerkennen. Schliesslich sind alle anderen Berufe ja auch mit einer dreijährigen Ausbildungszeit verbunden, so die Argumentation.
    Auch die Diskussion um die fachlichen Inhalte sowie die finanziellen Aspekte ist meines Erachtens ein Armutszeugnis für unsere Politik. Dabei wäre es so einfach…
    Die Gleichwertigkeit mit anderen Medizinalfachberufen liesse sich durch eine gemiensame Grundlagenausbildung problemlos schaffen. Dies bedeutet, dass alle medizinischen Assistenzberufe gemeinsam die grundlegenden Kenntnisse in Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie, Krankheitslehre und Hygiene beigebracht bekommen. Nach dem ersten Jahr kann sich jeder Schüler entscheiden, ob er in die Pflege, Kinderpflege oder den Rettungsdienst einsteigen will.
    Im zweiten und dritten Jahr werden dann die fachspezifischen Grundlagen unterrichtet, idealerweise im Block-System, mit der Möglichkeit von Hospitationen bzw. Praktika in den fachverwandten Berufszweigen.
    Die Vorteile bestünden darin, dass zum einen der Wechsel in andere Medizinalfachberufe erleichtert würde, weil nur noch das fachspezifische Wissen erworben werden muss, zum anderen würde damit auch die Diskussion um Ausbildungszeiten und die Vergütung vom Tisch sein, da alle gleich behandelt würden. Aber anscheinend wäre das wohl zu einfach…
    Weiterhin würde sich damit auch die Möglichkeit ergeben, im Rahmen eines Kurs- oder Modulsystems die Kompetenzen eines RA ähnlich wie die von Fachkrankenpflegepersonal zu steigern, siehe hier speziell die Tätigkeiten von ITS-Pflegekräften. Dort gibt es auch keine Reibereien zwischen den Ärzten und den Pflegekräften, wer denn nun was tun soll, kann, darf.
    Wie gesagt, wahrscheinlich alles zu einfach und gewisse Referenten im BMG bangen wohl um ihren Job, wenn sie nichts mehr in der Richtung RettAssG nachschiessen.
    Ich hoffe nur dass, sich die Berufsverbände, vor allem aber die HiOrg´s, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese fachfremde Bevormundung durch andere Berufs- und Standesgruppen sowie nicht sachkundigen Politikern zur Wehr setzen.

  3. FireLion on Februar 22nd, 2009 12:11

    Ich denke es ist sicherlich richtig, einem Rettas. höhere Kompentenzen zu gewähren, nach dem er eine qualitivere Ausbildung bekommen hat.

    Jedoch sollte auch ein Finanzierungskonzept auft,gebaut werden, da die Rettung vielfach durch ehrenamtler erledigt wird, es wäre vieleicht sinnvoll, noch mehr Hauptamtler dafür ein zu setzten…

    Was den Führerschein angeht, so ist die Führerschein Klasse C sinnvoll,
    es darf keine Ausnahmen geben, das gehört schon zu einer Qualitativen Ausbildung, da es nunmal kein PKW ist!!!!!

  4. ChemnitzerSani on Februar 28th, 2009 19:46

    @ FireLion:

    Die Dinger fahren sich aber wie PKW’s, Mann!

    Bis du dir bewusst, dass sich viele junge Leute nen C-Führerschein schlichtweg nicht leisten können und den auch keiner bezahlt?!

    Mensch, eine gut vergütete 3-jährige Ausbildung ist doch bei so einem komplexen Aufgaben- und Fachgebiet lebenswichtig für die Patienten!

    Das es bis heute keine geregelte, duale 3-jährige Ausbildung im Rettungsdienst gibt, IST SCHLICHTWEG EIN SKANDAL!

    Da hat auch die Politik wieder einmal versagt, denke ich.

    Gesundheit und Leben sind die höchsten Güter in unserem Land, sagt man.
    Aber die werden bisher MIT FÜSSEN GETRETEN!!

    Tolles Deutschland, wo der Rettungsdienst so schlecht dasteht ….

    Sehr schade.

    Dirk @ C

  5. thomaswagner on März 2nd, 2009 10:02

    Die Problematik mit der Führerscheinregelung in Deutschland sowie die versuchten Sonder- und Ausnahmeregelungen entsprechen wieder einmal dem Naturell der deutschen Politik mit ihrer schier grenzenlosen Reglementierungswut. Ich halte es auch für sinnvoller, an dem Führerschein der Klasse C1 für RD-Fahrzeuge festzuhalten, und zwar ausnahmslos.
    Aber auch hier liesse sich bei einer dreijährigen Ausbildung das Problem der Finanzierung leicht lösen, denn es bestünde genügend Zeit, die FS-Ausbildung zu integrieren. Natürlich immer unter der Vorraussetzung eines einheitlichen, klar strukturierten Ausbildungsgesetzes und einer entsprechenden Vergütung, wie es sie z. B. auch in der Pflegeausbildung gibt (s. a. meinen Kommentar oben).

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