Reanimationsgespräche: 10 Thesen für 10.000 Leben


Bad Boll (DGAI) – 52 Notfallmediziner und Rettungsdienst-Experten aus ganz Deutschland diskutierten am 10. und 11. Januar 2014 in Bad Boll, wie sich die Reanimationsversorgung verbessern lassen könnte. Angesichts von täglich bis zu 155 Wiederbelebungen durch den Rettungsdienst bzw. mehr als 75.000 Wiederbelebungsversuche pro Jahr, kommt dieser Frage eine große Bedeutung zu. Am Ende der Veranstaltung wurden zehn Thesen vorgelegt.

„Wir bündeln die Kräfte der Notfallmedizin, um zehn Thesen zu erarbeiten, mit deren Hilfe jedes Jahr 10.000 Leben gerettet werden können“, sagte im Vorfeld Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Ärztlicher Leiter Notfallmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel. Unter der Schirmherrschaft des Deutschen Rates für Wiederbelebung, dem Berufsverband der Anästhesisten, der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und dem Deutschen Reanimationsregister kamen Experten verschiedener medizinsicher Fachgesellschaften, Vertreter von Rettungsdienstorganisationen, Deutscher Herzstiftung, Krankenkassenvertreter sowie weitere an der Behandlung von Reanimationspatienten beteiligte Fachgruppen nach Bad Boll. Erstmalig trafen sich in Deutschland somit alle an der gesamten Versorgungskette beteiligten Fächer zu einer Expertenrunde.
 
Mit Umsetzung der Thesen sollen künftig möglichst 10.000 Patienten nach einer Reanimation das Krankenhaus wieder gesund verlassen können. Die Thesen beinhalten fundierte Aufträge, die das Erreichen dieser Ziele ermöglichen sollen. Eine Folgeveranstaltung im nächsten Jahr wird dann die neuen Erkenntnisse zusammenführen.

Während der Tagung in Bad Boll wurde nochmals auf die immense Bedeutung der Ersten Hilfe durch Laien hingewiesen. „Im internationalen und europäischen Vergleich ist der Anteil dieser Erste-Hilfe-Maßnahmen durch Laien in Deutschland eher ernüchternd“, sagte Dr. Gräsner. Daten aus dem von Kiel aus geleiteten Deutschen Reanimationsregister, welches bundesweit Wiederbelebungsmaßnahmen erfasst und analysiert, belegten, dass mit 17 Prozent begonnener Maßnahmen ein erheblicher Unterschied zu Ländern wie den Niederlanden (60 Prozent) oder Skandinavien (bis zu 70 Prozent) besteht.

Die „10 Thesen für 10.000 Leben“ sind hier nachzulesen: 10 Thesen fuer 10.000 Leben

(Symbolfoto: Markus Brändli)

2 Responses to “Reanimationsgespräche: 10 Thesen für 10.000 Leben”

  1. Sascha Steingrobe on Januar 15th, 2014 00:51

    Alles nichts neues. Ein bundesweites reanimationsregister das mit Daten gefüttert würde, wäre ein Anfang. Auch zeigen die TOPCAT 2 Studie und resus Academy wie man Ressourcen für Reanimationen bereithält. Was dort diskutiert wird ist existent, aber bis heute nicht umgesetzt. Deutschland erfindet wieder das RAd neu. Applaus? Nein danke.

  2. Max on Januar 22nd, 2014 13:31

    Alles schön und gut, aber um echte Erfolge zu erzielen werden diese 10 Thesen wohl kaum ausreichen. Entscheidend (für das primäre und sekundäre Qutcome) ist doch die möglichst frühzeitige und adäquate Laienhilfe. Das ist das wichtigste Glied, noch vor Rettungsdienst und Krankenhaus.
    Wie wäre es mit:
    – verpflichtendem LSM-Kurs für Autofahrer alle 5 oder 10 Jahre
    – maximal einfache und verständliche LSM-Kurs, damit von dem wenigen möglichst viel hängen bleibt
    – ergo eine HLW für Laien (= LSM) ohne Beatmung, da einfacher und weniger Hemmend
    – EH-Kurs und EH-Training alle 2 Jahre für Ersthelfer weiterhin mit Beatmung

    Darüber könnten echte Hemmschwellen in der Bevölkerung abgebaut werden und die Zeit für den Patienten bis zum Eintreffen und RD und NA vernünftig überbrückt werden.

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