Reanimation außerhalb des Dienstes


foto_herrmann_rdBremen (rd.de) – Matthias Herrmann ist Werkfeuerwehrmann in Münster und freiwilliger Feuerwehrmann in Menden. Außerhalb seiner Dienstzeit musste er als Ersthelfer einen Passanten reanimieren. Anlässlich der „Woche der Wiederbelebung“ berichtet er im Gespräch mit rettungsdienst.de von seinen Erfahrungen.

rettungsdienst.de: Sie haben außerhalb Ihres Dienstes einen Mann reanimiert. Was genau war passiert?

Matthias Herrmann: Wir sind privat mit FF-Kameraden auf dem Weg zu einer Veranstaltung bei einer Löschgruppe aus dem Stadtgebiet gewesen. Auf dem Weg sind wir dann auf eine Unfallstelle zugefahren. Zuerst dachten wir uns nicht viel dabei, gingen aber natürlich zum Unfallort. Dort sahen wir einen Mann liegen. Eine Ersthelferin hatte gerade ihren Verbandkasten geholt und wollte beginnen, den Verletzten zu versorgen. Die Frau hatte allerdings nicht erkannt, dass der Mann bereits an Schnappatmung litt – und da muss man schließlich reanimieren.

Wir begannen also sofort mit der Reanimation. Ich führte die Herz-Druck-Massage aus, ein Kollege beatmete die Person mit einem Lifekey-Beatmungstuch. Das führten wir durch, bis die Kollegen vom Rettungsdienst vor Ort waren. Auch diese unterstützten wir dann weiterhin. Nach rund 30 Minuten war die Person weitgehend stabil.

rettungsdienst.de: War die Reanimation für Sie trotzdem “Rettungsdienst-Routine”?

Matthias Herrmann: Zu Anfang haben wir noch nicht realisiert, was genau vorgefallen war. Doch dann wurde aus der Situation ganz schnell Ernst, als die Schnappatmung erkannt wurde. Sofort schalteten wir um und führten die Standard-Abläufe aus. Es fehlte uns zwar Equipment, allerdings braucht man ja auch gar nicht unbedingt viel Ausrüstung für eine Reanimation.

rettungsdienst.de: Haben Sie Hilfe von außerhalb erhalten?

Matthias Herrmann: Die anderen Unfallbeteiligten wurden von den Kameraden versorgt. Anfangs waren auch noch viele Schaulustige vor Ort. Das hatte sich dann aber recht schnell aufgelöst. Der Kollege und ich hatten uns aber nur auf den zu reanimierenden Patienten konzentriert. Den Rest haben wir komplett ausgeblendet.

rettungsdienst.de: Einer Statistik nach reanimieren nur 17% der Laien im Ernstfall. Woran liegt das?

Matthias Herrmann: Viele trauen sich nicht, den ersten Schritt zu machen. Wenn jemand zur Unfallstelle kommt und ihnen sagt: Macht dies, macht das (stellt das Warndreieck auf, setzt einen Notruf ab usw.), dann machen die das auch. Allerdings haben die Leute viel zu viel Angst, etwas falsch zu machen. Sie trauen sich nicht, den ersten Schritt zu machen.

(Foto: Matthias Herrmann)

21 Responses to “Reanimation außerhalb des Dienstes”

  1. Wouter on September 20th, 2013 16:34

    Warum diese Profilierungs“sucht“ und der Drang nach Darstellung der eigenen Person? Bescheidenheit ist eine Tugend, bei vielen Angehörigen der FWn scheinbar nicht.

  2. Matze on September 20th, 2013 19:09

    Hier ging es nicht um eine Selbstdarstellung, sondern um die Aktion „EinLEBENreTTen“.

    Um die Leute dazu zu motivieren, nicht wegzuschauen, sondern aktiv und sicherer im Umgang mit Notfallsituationen zu werden.

    Und das kann man nur erreichen, wenn man regelmäßig aktuelle Erste Hilfe Standards trainiert.

  3. tangotango on September 20th, 2013 20:06

    Ahhhja.. gibt es eigentlich eine Stelle, wo man sich melden kann, wenn man außerhalb des Dienstes mal mit anpackt? Ich habe auch schon 4 mal bei VUs die Erstversorgung übernommen. Keine Heldengeschichten über mich und auch kein Interview, ich bin empört! 😀

  4. Jupp Schmitz us Kölle on September 23rd, 2013 09:48

    @ tangotango: Dein posting gefällt mir… Wenn Du da jemanden gefunden hast… Ich hätte da auch noch ein paar Taten, die unbedingt in die Presse und hier zu „rettungsdienst.de“ müssen… Aber ob es 4 oder mehrmals war, dies hab ich leider nicht gezählt… Ich bin halt kein Held… Ich helfe, so wie Du… still und ohne großes Aufsehen…

    @ all: Übrigens wird sich „Otto-Normal-Mensch“ sagen, „Betriebsfeuerwehr? = Feuerwehr, der macht dies beruflich“ und lehnt sich wieder gemütlich zurück… Es werden durch das Interview sicherlich keine Leute vermehrt in EH-Kurse „wandern“… Dies müsste man mir da als Skeptiker mal jemand belegen…

    Es grüsst us Kölle
    Jupp Schmitz

  5. Hanseretter on September 23rd, 2013 13:49

    Bevor die Schnappatmung erkannt wurde, war es also noch kein ernst?

  6. Wouter on September 24th, 2013 08:15

    @Matze:

    Verstehe,…. keine Selbstdarstellung…. vielleicht habe ich beim Lesen des Textes Wahrnehmungsstörungen gehabt. Ich lese im Bericht u.a. nur: frw. Feuerwehr, Freizeit, Übung, perfekte Tausendsasserei, Selbstlob.
    Reife und Lebenserfahrung : Fehlanzeige ……. Die Aktion muss so spektakulär gewesen sein , das die Fachjournalien sicher sofort ein Interview wollten…. wohl kaum .

    Einfach abstossend

  7. thomaswagner on September 24th, 2013 18:00

    Werkfeuermann UND freiwillige Feuerwehr… also immer im Dienst… *Ironie aus*
    Ich kann wie die meisten Vorposter auch nicht nachvollziehen was daran jetzt so toll, großartig, besonders war, weil jemand in seiner Freizeit etwas getan hat was er was er als hauptamtlicher und ehrenamtlicher Feuerwehrmann sowieso ständig macht!
    Dieser Logik folgend müsste dann ständig über jeden Ehrenamtler, der in seinem Dienst reanimiert, geschrieben und interviewt werden…
    Ich finde so eine Profilneurose wie in diesem Beitrag weder sachdienlich noch menschlich ausgereift. Mit anderen Worten: einfach nur daneben.

  8. Lars Schmitz-Eggen on September 25th, 2013 11:08

    Anmerkung der Redaktion:

    Das Interview fand im Rahmen der „Woche der Wiederbelebung“ statt. Die Redaktion hatte deshalb Herrn Herrmann gebeten, über seine Erfahrungen zu berichten. Herr Herrmann ist also nicht von sich aus auf die Redaktion zugegangen. Von „Profilneurose“ o.Ä. kann demnach keine Rede sein.

  9. tangotango on September 25th, 2013 14:04

    Derartige Interviews machen trotzdem überhaupt keinen guten Eindruck. Was soll auch damit erreicht werden?! Privatpersonen ohne großen Bezug zur Rettung o.ä. werden das so sehen, wie es „Jupp Schmitz us Kölle“ bereits schrieb: „Der Typ ist vom Fach, der hat das zu können.“

    Davon mal abgesehen.. was ist eine Schnappatmung? Wieso wird es dann ernst? Wieso reanimiert man dann, obwohl die Person „noch atmet?!“ Was ist ein Lifekey-Beatmungstuch? Wo kriegen interessierte Personen das her?
    Dann erklärt auch die Sachen, denn so ist der Text nur für Fachpersonal verständlich. Damit gewinnt man keinen Blumenstrauß und motiviert niemanden.

    Sucht lieber Privatpersonen, die ihre Eindrücke und Erlebnisse schildern und damit anderen Mut zu machen.

  10. Mathias Duschl on Oktober 1st, 2013 23:24
  11. Daniel on Oktober 2nd, 2013 02:16

    Lob und Respekt an Matthias Herrmann. Als freiwilliger Feuerwehrmann ist die Reanimation sicher alles andere als Routine!
    Einen Großteil der Kommentatoren äußert sich leider in beschämender Weise zu dem Vorfall. Zwischen ihren Zeilen lese ich leider Neid und Missgunst. Darf Matthias nicht zu Recht stolz auf seine Leistung sein? Wieso wird ihm stattdessen ein Interview zum Vorwurf gemacht?
    Ähnlich wie die Kommentatoren kenne auch ich weder Matthias noch die genauen Hintergründe des Einsatzes. Daher möche ich mir keine charakterkichen Diagnosen wie „Profilneurose“ o.ä. anmaßen. Aber ich rate allen Kommentatoren zu mehr Gelassenheit, einem gesunderen beruflichen Selbstwertgefühl und deutlich weniger Neid!

    Daniel.

  12. Romans on Oktober 2nd, 2013 09:07

    Äußerungen, wie sie in den Kommentaren zu lesen sind, zeigen die Problematik des deutschen Rettungsassistenten: einerseits um Anerkennung bettelnd, andererseits macht man Kollegen „runter“, die über ihre Arbeit berichten.
    In unseren Nachbarländern, z.B. in den Niederlanden, der Schweiz oder auch Dänemark vertritt man mit Stolz seinen Beruf und hat sich eine hohe Anerkennung in der Bevölkerung geschaffen.
    Genau Kommentare dieser Art sind dafür verantwortlich, dass der Rettungsassistent und wahrscheinlich auch der künftige Notfallsanitäter weiterhin „nur“ ein Krankenwagenfahrer bleiben wird.
    @ Matthias Herrmann: mach bitte weiter so, vertrete dein Handeln mit Stolz in der Öffentlichkeit, damit die helfenden Berufe auch in der Bevölkerung das Image erhalten, was ihnen eigentlich zustehen würde.

  13. Mathias Duschl on Oktober 2nd, 2013 10:40

    „Dafür bekam er nun von Oberstleutnant Andreas Petry, stellvertretender Bataillonskommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons Germersheim, das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber mit rotem Rand. Diese Auszeichnung wird für außergewöhnliche Leistungen verliehen, insbesondere für „hervorragende Einzeltaten soldatischer Pflichterfüllung“.“

    http://www.pfalz-express.de/germersheimer-soldat-rettet-schiedsrichter-in-sondernheim-das-leben/

  14. Peter on Oktober 2nd, 2013 10:44

    Vielen Dank für die tolle Leistung und das Engagement. Das ist nicht selbstverständlich und dafür muss man sich nicht verstecken!

  15. Stephanie Schmidt on Oktober 2nd, 2013 12:51

    Vielen Dank an Roman, Daniel und Mathias und Peter für die intelligenten Kommentare. Alle Anderen sollten sich in Grund und Boden schämen!!!

  16. Benjamin on Oktober 2nd, 2013 13:20

    Ich persönlich kenne genügend „Berfufsretter“ die an der Unfallstelle vorbei gefahren wären mit der Begründund „Ich hab keinen Dienst – die kommen schon klar“. Traurig aber wahr. Wir sollten unseren „Job“ nicht als „Job“ sehen sondern als Berufung – alle anderen sollten sich überlegen ob sie wirklich das richtige machen.

    Ich bin seit mehreren Jahren als RettAss im Rettungsdienst tätig und ganz ehrlich nervt es mich wenn alles runtergemacht wird. Sobald man mal etwas mehr macht als nötig wird man von Kollegen heruntergemacht. Ich hab damals in meinen Anfangsmonaten als Rettungshelfer Einsätze erlebt wo ich nur den Kopf schütteln kann. Somnolente Patienten werden einfach in den Wagen gepackt und gefahren weil der HA ja einen Einweisungsschein geschrieben hat mit der Diagnose „schlechter AZ“, das der Patient einen BZ von 30 hatte ist nicht nur dem HA entgangen sondern auch ein Kollegen und wurde erst im Krankenhaus festgestellt – warum auch Vitalwerte nehmen wenn der HA da war und es ja eh nur als Krankentransport deklariert war.

    Hätte der Kollege im Wagen aber Vitalwerte erhoben und der BZ wäre in Ordnung gewesen hätte er sich von anderen Kollegen vorwerfen lassen müssen dass er übereifrig und nen Rettungsrambo ist. „Warum Vitalwerte nehmen wenn doch der HA da war“.

    Die Qualität des RD leider unter dem gegenseitigen runtermachen der Kollegen.

    Ja ich habe auch ein Stethoskop dabei (nein nicht um den Hals hängend aber in der Hosentasche).

    Ja ich messe die Vitalwerte bei Patienten denen es schlecht geht – auch wenn es „nur“ ein Krankentransport war und der Hausarzt einen Einweisungsschein vorgelegt hat.

    Ja auch ich halte privat an um zu helfen wenn was passiert ist.

    Ich erwarte dafür keine Medallie aber zumindest den Respekt der Kollegen – und vor allem erwarte ich dafür nicht heruntergemacht zu werden so wie der Herr in dem es in den Beitrag oben geht.

    Wir sollten alle mehr Respekt und Akzeptanz für einander zeigen.

  17. Michael Endres on Oktober 2nd, 2013 13:57

    Ein Leben zu retten ist eine Ehre. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies einem im Dienst gelingt oder als Ersthelfer. Wenn menschliches Leben zu retten zur, wie oben so oft genannten, Routine und Selbstverständlichkeit abstumpft, wird es höchste Zeit über seine moralische Berufsethik nachzudenken.

    Die besten Gratulationswünsche und höchste Anerkennung an Matthias Herrmann, für seinen Mut und Professionalität, aus Australien. Ein Land in dem Leben retten zum höchsten Gut zählt und als Privileg angesehen wird. Daher dürfen Paramedics hier auch den Status des „most trusted profession“ tragen und das nun bereits 10 Jahre hintereinander. Darauf sind wir mit Recht stolz.

  18. Timo Karbach on Oktober 2nd, 2013 18:12

    Es wurde alles getan um zu helfen. Großes Lob an die Helfer.

    Schlecht in diesem Onlinebericht sind die negativen Kommentare. Was gibt es gegen diesen Bericht einzuwenden? Es ist ein Bericht. Mehr nicht. Man darf doch mal aus seinem Leben erzählen. Das ist abseits der Routine…. Privat, ohne Material.

    Ich klopfe den Helfern aus der Ferne anerkennend auf die Schulter und sage „Gut gemacht…“

  19. Susanne on Oktober 3rd, 2013 00:59

    Ich schließe mich meinen (unmittelbaren) Komentatoren an. Peinliche Äußerungen im oberen Teil… Hier stellt jemand einen Fall dar – ohne Selbstbeweihräucherung.
    Das ist positiv, das kann mehr Menschen motivieren – gerade weil darauf hingewiesen wird, dass kein technisches Equipment zum Beginn der Reanimation erforderlich war.
    Mir ist nicht klar, was es daran auszusetzen gibt.
    Kann es sein, dass hier diejenigen kommentieren, deren Erlebnisumfang noch sehr dürftig ist?
    IMHO ist unser Beruf einer der schönsten, die ich mir vorstellen kann – und das Letzte, was wir intern gebrauchen können, sind pseudo-Moralapostel.
    @tanotango: Hier bei uns (im Norden Deutschlands) kennen viele Ersthelfer den Lifekey. Warum kommentierst Du diesen Artikel, wenn Dir selbst die Basics fehlen? Oder habe ich da etwas mißverstanden?

  20. Frank Bittner on Oktober 3rd, 2013 01:09

    Mache Kommentare sind hier einfach nur peinlich! Ich kann in dem Beitrag keinen Anflug von Profilneurose feststellen und anstatt sich mit ihm zu freuen, daß hier offensichtlich ein Leben gerettet wurde wird er niedergemacht! Oh Mann!

    Danke an Mathias und Benjamin, dem schließ ich mich an!

  21. Max on Oktober 10th, 2013 00:04

    Lob und Anerkennung dem Lebensretter! Ich kann an der Berichterstattung nichts verwerfliches erkennen. Ein Leben zu retten ist ein höchst rühmlicher Akt und niemals Routine.

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