„Qualität braucht einheitliche Standards“


Foto: privatKöln (rd.de) – Seit zehn Jahren sind die Malteser die erste und einzige Hilfsorganisation, die ein bundesweit einheitliches Qualitätsmanagementsystem im Rettungsdienst integriert hat. Das Zertifikat allein sagt heute aber wenig über die tatsächliche Qualität der rettungsdienstlichen Versorgung aus, findet Professor Dr. Klaus Runggaldier, Leiter Rettungsdienst der Malteser in Deutschland, und sieht weiteren Handlungsbedarf.

rd.de: Als die Malteser 1996 begannen, ein QM-System nach ISO 9001 für den Rettungsdienst zu schaffen, war das ein Stück Pionierarbeit. Schließlich war die Qualitätsnorm für das produzierende Gewerbe gedacht.

Dr. Runggaldier: Eine spannende Herausforderung war das allemal, aber die ISO 9001 war und ist sehr gut geeignet, um auf den Rettungsdienst übertragen zu werden. Externe Berater haben uns auf typische Denkfehler und Stolperfallen hingewiesen. Heute ist das Qualitätsmanagement bei den Maltesern auf allen 191 Rettungswachen umgesetzt und wird von unseren 5.000 Rettungsdienstmitarbeitern bei allen 600.000 jährlichen Einsätzen gelebt, um die notwendige hohe Qualität täglich sicherzustellen und weiter zu verbessern.

rd.de: Die Weiterentwicklung von Qualitätsstandards im Rettungsdienst hängt künftig von Faktoren ab, die von den Maltesern selbst nicht zu beeinflussen sind. Die unterschiedlichen Landesrettungsdienstgesetze mit unterschiedlich stark ausgeprägten Qualitätsklauseln dürften dem Prozess entgegenstehen. Brauchen wir ein bundeseinheitliches Rettungsdienstgesetz?

Dr. Runggaldier: Ein bundeseinheitliches Rettungsdienstgesetz werden wir wohl nicht bekommen. Trotzdem müssen wir Mindeststandards für den Rettungsdienst definieren. Wir brauchen bundesweit einheitliche Standards, zum Beispiel die flächendeckende Einführung eines Ärztlichen Leiter Rettungsdienst oder festgelegte Behandlungsstandards wie Algorithmen, die überall Gültigkeit haben. Ein deutsches QM-Handbuch Rettungsdienst wäre dabei sicherlich ein besonders geeignetes Hilfsmittel und Instrument, um die maximal heterogenen Strukturen zu vereinheitlichen.

rd.de: Das kann man über das eigene QM nicht lösen?

Dr. Runggaldier: Nein. Wir Malteser sind zwar der größte Rettungsdienst mit einem einheitlichen QM-System, aber unser Marktanteil beträgt nur ca. 10 Prozent. (Foto: Malteser)Entsprechend können wir und auch andere Rettungsdienstanbieter mit QM-Systemen nur etwas bewegen, wenn es gemeinsame und großflächige organisationsübergreifende Initiativen diesbezüglich gibt. Zu klein gedacht, beispielsweise auf Kreisebenen, bringt es das Gesamtsystem Rettungsdienst nicht wirklich weiter. Es geht hier nicht um die zumeist leicht zu erreichende Sicherstellung einer guten Prozess- und Strukturqualität, wie beim Medizinproduktegesetz, dem Betäubungsmittelgesetz oder ähnlichem, sondern insbesondere auch um die dokumentierte und belegbare Verbesserung der Ergebnisqualität am Patienten.

rd.de: Bei Ausschreibungen wird ein QM nach ISO in der Regel vorausgesetzt.

Dr. Runggaldier: Es ist nicht mehr schwierig, ein QM-Zertifikat für seinen Rettungsdienst zu bekommen. Das zertifizierte Unternehmen ist heute kein Garant für Qualität. Qualität muss in den Betrieben vielmehr gelebt werden, und das muss auch kontinuierlich belegt und nachgewiesen werden können.

rd.de: Nicht wenige glauben, Qualität im Rettungsdienst ist teuer. Im Zeitalter der Rettungsdienst-Ausschreibungen ist „teuer“ aber nicht von Vorteil.

Dr. Runggaldier: QM erzeugt durchaus einen Aufwand in der Startzeit. Wenn ein Qualitätsmanagement aber erst einmal erfolgreich läuft, erzeugt es keine Mehrkosten, sondern hilft sogar, Kosten einzusparen: weniger Reparaturen, günstigere Beschaffungen, weniger Krankheitstage der Mitarbeiter, weniger Folgekosten bedingt durch weniger fehlerhafte Prozesse. Wenn beim Aufbau und der Umsetzung eines QM-Systems neue oder höhere Kosten entstehen, weil zum Beispiel Mitarbeiter entsprechend den Vorschriften der Unfallversicherungsträger geimpft werden, sind dass korrekterweise ja keine Kosten des QM-Systems, sondern „nur“ Kosten zur Sicherstellung eines ordentlichen, Gesetzes- und Regelkonformen Rettungsdienstes.

Bei den Ausschreibungen und Vergaben im Rettungsdienst kann man nur deutlich dafür plädieren, überprüfbare Qualitätskriterien in die Ausschreibungen mit aufzunehmen. Eine handwerklich gut gemachte Ausschreibung eröffnet hier neue Chancen: Hygiene und Desinfektion, Impfungen, Gesundheitszeugnisse, Fortbildungsnachweise, Kompetenztests – all das lässt sich abbilden. Nicht zu vergessen, die Altersstruktur der Mitarbeiter: Ausschreibungen, die nur auf die Kosten abzielen, kann man heute nur mit ganz jungen Mitarbeitern gewinnen. Die Erfahrung und die Routine der älteren Mitarbeiter muss auch einen Wert darstellen. Hier gibt es noch viel zu tun. Wenn ausgeschrieben wird, kann es nicht nur um billig gehen, sondern vielmehr um eine hohe und nachgewiesene Qualität zu einem günstigen Preis.

2 Responses to “„Qualität braucht einheitliche Standards“”

  1. knatterchris on April 18th, 2010 10:52

    Wann hört dieser Prof. Dr. von und zu endlich auf von seinem Alibi-QM System zu schreiben?
    Als langjähriger QM-Beauftragter des MHD kann ich eines absolut bezeugen.
    QM zählt nur vor einem Audit. Da wird dann Beschönigt, fleisig Zettel nachträglich ausgefüllt damit halt alles paßt.
    In der übrigen Zeit hat QM im Tagesgeschäft nichts verloren. Angestellte denen wirklich an einer Qualitätsverbesserung gelegen ist, da diese mal den RD aus Überzeugung gewählt haben, werden von den Geschäftsführern „gebossed“ und sobald möglich entsorgt.
    Jede kl. Lösung des BRK, DRK oder wie alle anderen heißen, sind deutlich effektiver und ehrlicher!

  2. Retter104 on April 26th, 2010 07:38

    Das kann ich nicht bestätigen. Fast überall wird Landauf und Landab bei den Maltesern das QM System gelebt und mit großem Aufwand betrieben. Wenn ein Geschäftsführer vor Ort nicht korrekt damit umgeht, dann gibt es Mittel und Wege dies auch sichtbar zu machen und wird nicht ohne Konsequenzen bleiben. Man kann nicht ein ganzes System diesen Ausmaßes schlechtreden nur weil einer nicht spurt. Immerhin gibt es 50 Geschäftsführer und nicht nur einen. Vielleicht sollte sich der Kollege mal bei den QM Vorgesetzen melden und nicht anonym Kommentare schreiben.

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