Problemkeime unter Kontrolle bringen


Bremen (rd.de) – Rund 500.000 Patienten ziehen sich im Rahmen einer stationären oder ambulanten medizinischen Behandlung eine Infektion zu. Aggressive Keime, denen auch mit Antibiotika nicht beizukommen ist, erfordern auch im Krankentransport besondere Aufmerksamkeit.

Methicillin-Resistente Staphylococcus-Aureus (MRSA) werden besonders immungeschwächten Patienten gefährlich und stellen somit eine Gefahrenquelle für nahezu alle Patienten im Krankentransport und in der Notfallrettung dar. Die Übermittlung des Infektionsstatus ist deshalb unverzichtbar, um eine Keimverschleppung zu vermeiden.

Die Gesetzgeber haben mit dem Infektionsschutzgesetz und der Einführung von Krankenhaus-Hygieneverordnungen auf Länderebene reagiert. Lokale MRSA-Netzwerke regeln das Vorgehen im Umgang mit Patienten, bei denen antibiotikaresistente Keimen nachgewiesen wurden. Deren wichtigste Errungenschaft ist der MRSA-Überleitbogen. Er stellt dem Transport- und Pflegepersonal relevante Informationen zur Art der Infektion bereit.

Im Landkreis Rottal-Inn steht das Thema “Problemkeime” seit sieben Jahren auf dem Arbeitsprogramm des „Runden Tisches Pflege“, berichtet Maximilian Lang vom Sozialdienst der Rottal-Inn-Kliniken Eggenfelden. Der dort geführte Pflegebericht erfasst nicht nur die populären MRSA-Infektionen, sondern auch Feststellungen zu weitere resistenten Keimen, zum Beispiel Enterobakterien wie Escherichina Coli oder Klebsiella pneumoniae.

Rettungsdienste folgen RKI-Empfehlungen

Die Zeiten, in denen Krankenhäuser MRSA-Infektionen bei Verlegungs- und Entlassungstransporten der Leitstelle verschwiegen haben, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Noch vor wenigen Jahren rückten die Fahrzeuge erst nach Stunden mit vermummten Personal im Vollschutzoverall an. Nach dem Transport nahm man eine zeitaufwendige Scheuer-Wischdesinfektion vor – das Einsatzfahrzeug stand den Disponenten der Leitstelle so nicht mehr zur Verfügung. Heute folgt man weitgehend den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, wonach der Transport von vorbereiteten MRSA-Patienten keine besonderen Maßnahmen erfordert. Eine ausführliche Desinfektion wird nur dann fällig, wenn besiedelte Wunden nicht frisch abgedeckt wurden oder während des Transport invasive Maßnahmen erforderlich wurden.

Bereits im Jahre 2006 hat der Rettungsdienst in Braunschweig ein übersichtliches Ablaufschema entwickelt, wie der Transport eines MRSA-Patienten abzuwickeln ist und unter welchen Umständen sich noch die Notwendigkeit zu einer Desinfektion ergeben kann. Darin wird auch auf die Verantwortung der entlassenden oder verlegenden Einrichtung für die Transportvorbereitung hingewiesen. Bei Wund-, Atemwegs- und Hautbesiedelungen entscheiden die Vorbereitungsmaßnahmen wie Verbandwechsel, Mund-Nase-Schutz oder antiseptische Körperwaschung darüber, ob ein Transport als normaler qualifizierter Krankentransport ohne abschließende Desinfektion durchgeführt werden kann.

In der Praxis klappt die Informationsübermittlung zwischen Krankenhäusern und Rettungsdienst recht gut, berichtet Dr. Ulrich Heister, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst der Stadt Bonn. „In weit über 90 Prozent informieren die Krankenhäuser vor dem Transport über eine MRSA-Infektion.“ Es kommt hinzu, dass die Rettungsdienstmitarbeiter für das Thema heute längst sensibilisiert sind: Wenn im Patientenzimmer Kittel und Mundschutz bereit liegen, fragen die RTW- und KTW-Besatzungen gezielt nach vorliegenden Infektionen.

Keine generelle Meldepflicht

Eine generelle Meldepflicht für MRSA-Infektionen gibt es nicht. Seit Juli 2009 sind über eine Blutkultur oder durch eine Liquorprobe festgestellte MRSA-Infektionen zu melden, während das positive Ergebnis des üblicherweise durchgeführten Nasenabstrichs nicht gemeldet werden muss.

(Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)

2 Responses to “Problemkeime unter Kontrolle bringen”

  1. Frank Troitzsch via Facebook on Mai 26th, 2012 10:24

    …Die Zeiten, in denen Krankenhäuser MRSA-Infektionen bei Verlegungs- und Entlassungstransporten der Leitstelle verschwiegen haben, scheinen der Vergangenheit anzugehören…. DAS ICH NICHT LACHE…SCHÖN DAS ES EIN NEUES INFEKTIONSSCHUTZGESETZ GIBT! LEIDER SCHEINT DAS HIER IN LEIPZIG KEINEN AUßER UNS RDler ZU INTERESSIEREN…

  2. M. on Mai 27th, 2012 10:53

    Diese Probleme gibt es nicht nur bei euch! ich finde es eine —*Zensiert*— dass man diesbezüglich auch keine rechtliche Handhabung besitzt. 3-5 Stunden später bekommt man mitgeteilt dass der vor-vor-vorletzte Patient positiv gewesen sei. Und nun? Es werden mit sicherheit nicht alle anderen Patienten angerufen. Wenn wir glück haben bekommt der RD bescheid.

    Sehen wir mal in anderen Ländern. Zum Beispiel England / Irland. JEDER Europäer explizit Deutscher wird erst in Quarantäne gesteckt weil diese genau wissen dass -Wir- es nicht so genau nehmen. In diesen Land/Ländern ist es gängig erst in Quarantäne zu kommen. Somit haben Sie den MRSA gut unter Kontrolle (unter 20%) laut einem Kollegen der da oben Urlaub gemacht hat.

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