Posttraumatische Belastungsstörung: bessere Begutachtungsstandards gefordert


Berlin (DGPPN) – Bessere Standards bei der Begutachtung von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) fordert die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) im Vorfeld ihrer Jahrestagung. Die Fachgesellschaft empfindet die inflationäre Ausweitung des Trauma-Begriffs als problematisch. Gerade die leichtfertige Verwendung der Begrifflichkeit PTBS könne zu einer unkritischen Diagnostik führen.

Dies sei, so die DGPPN, umso bedauerlicher, da die Diagnose PTBS im Kontext von psychiatrischen und psychologischen Begutachtungen eine zunehmende Bedeutung unter anderem auch für Einsatzkräfte des Rettungsdienstes gewinne. Immer wieder klagen Einsatzkräfte nach psychisch besonders belastenden Einsätzen unter Symptomen, die auf eine PTBS hinweisen könnten.

Mit Nachdruck setzt sich die DGPPN als wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft für Qualitätskriterien bei den Begutachtungsstandards von posttraumatischen Belastungsstörungen ein. Es gebe, so die DGPPN, inzwischen zunehmend kommerzielle Angebote von selbst ernannten Spezialgutachtern. Diese würden vorgeben, dass für eine Begutachtung solcher Störungen die Absolvierung eines Ausbildungscurriculums in Psychotraumatologie oder eine spezielle Ausbildung in Psychotraumatherapie erforderlich sei.

Die DGPPN widerspricht solchen Behauptungen und Forderungen mit Nachdruck und weist darauf hin, dass der kompetenteste Ansprechpartner für Gutachten im Kontext psychotraumatischer Störungen der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sei.

Weiterhin weist die DGPPN darauf hin, dass zu den besten Voraussetzungen für eine sachgerechte Beurteilung psychotraumatischer Störungen eine gründliche psychiatrisch-psychotherapeutische Ausbildung gehört. In dieser wird die Befähigung erworben, um einen umfassenden psychopathologischen Befund erstellen zu können. Gerade in der PTBS-Diagnose stellt die Erhebung dieses Befundes eine wichtige Grundlage dar. Selbstverständlich sei es, dass ein Gutachter den aktuellen wissenschaftlichen Diskussionsstand in der Psychotraumatologie kennen müsse, damit er die Befunde auf dem aktuellen wissenschaftlichen Hintergrund einordnen könne. Dazu bedürfe es aber laut DGPPN keiner speziellen psychotraumatologischen Weiterbildung.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?