Polizeinotruf – Bitte legen Sie nicht auf!


Lübeck (rd.de/ots) – Große Regionalleitstellen sind auf dem Vormarsch. Der Planung der notwendigen Kapazitäten zur Abdeckung von Anrufspitzen kommt dabei ganz offensichtlich große Bedeutung zu, wie ein aktuelles Beispiel aus Lübeck zeigt: Die Polizei erklärte dort öffentlich, weshalb längst nicht alle Notrufe innerhalb der geplanten Zeitspanne von nur neun Sekunden angenommen werden können. 15 Prozent der Anrufer brauchen Geduld. Schlimmstenfalls müssen Anrufer bis zu 120 Sekunden warten. In der Zwischenzeit hören sie eine Bandansage, die darum bittet, nicht aufzulegen.

Seit März 2011 ist die neue polizeiliche Regionalleitstelle „Südwind“ mit Sitz in Lübeck in Betrieb. Sie ist zuständig für die Bereiche Stormarn, Herzogtum Lauenburg, Ostholstein und Lübeck. Von hier aus werden alle polizeilichen Einsätze gelenkt und hier laufen auch alle 110-Notrufe ein. Die teilweise auftretenden Wartezeiten bewog die Polizei nun dazu, die Gründe für verzögerte Notrufannahmen zu erläutern.

Jetzt, nachdem die Regionalleitstelle seit gut einem halben Jahr arbeitet, lässt sich eine verlässliche Aussage über die Arbeitslast treffen. So klingelt täglich etwa 500 Mal das Notruftelefon und es werden 560 polizeiliche Einsätze koordiniert.

Als die Leitstelle mit 52 Mitarbeitern ihren Betrieb aufnahm, setzte man sich zum Ziel, dass jeder Notruf innerhalb von neun Sekunden angenommen werden sollte. Dieses Ziel erreicht man bislang nur zu 60 Prozent. 85 Prozent aller Notrufe werden innerhalb von 20 Sekunden angenommen. Nun wurde aber festgestellt, dass bei 15 Prozent der Notrufe die Anrufer länger warten müssen – bis zu 120 Sekunden.

Zu wenig Personal

Die eingehenden Notrufe, so erklärt die Polizei, müssten stets vollständig abgearbeitet werden. Meldet ein Anrufer beispielsweise einen Unfall oder eine Straftat, so nimmt der Mitarbeiter der Regionalleitstelle die Daten auf, damit an die eingesetzten Polizeibeamten vor Ort alle wichtigen Fakten und Daten weitergegeben werden können. Ein solches Telefonat könne in Einzelfällen mehrere Minuten in Anspruch nehmen.

Die Erklärung kann als Eingeständnis gewertet werden, dass nicht genügend Personal und Abfrageplätze zur Verfügung stehen. In der Konsequenz wird nach 20 Sekunden eine Bandansage geschaltet. Notrufe landen so in einer Warteschleife. Die Polizei kündigt an, die Regionalleitstelle personell zu verstärken, um die Annahmezeiten zu verkürzen. Aber auch trotz dieser Verstärkung dürfte es künftig vorkommen, dass in Einzelfällen die Bandansage ertönt.

Handys mit „langer Leitung“

Hinzu kommen technische Probleme, die für längere Wartezeiten sorgen. Handyanrufe müssen zunächst über den Mobilfunkanbieter zur Regionalleitstelle weitergeleitet werden. Dieser Vorgang kann allein schon bis zu zehn Sekunden dauern. Das bedeutet, dass der Anrufer schon zehn Sekunden wartet, bevor das Telefon überhaupt in der Leitstelle klingelt.

Die Polizei bitte die Bevölkerung daher um Geduld. Auch wenn die Ansage „Polizeinotruf – Bitte legen Sie nicht auf!“ ertöne, könne man sicher sein, dass der Notruf schnellstmöglich bearbeitet werde.

12 Responses to “Polizeinotruf – Bitte legen Sie nicht auf!”

  1. Jörn on Dezember 6th, 2011 15:56

    Zitat: „Hinzu kommen technische Probleme, die für längere Wartezeiten sorgen. Handyanrufe müssen zunächst über den Mobilfunkanbieter zur Regionalleitstelle weitergeleitet werden. Dieser Vorgang kann allein schon bis zu zehn Sekunden dauern. Das bedeutet, dass der Anrufer schon zehn Sekunden wartet, bevor das Telefon überhaupt in der Leitstelle klingelt“.

    Das KANN und das DARF nicht sein! Wenn hier von „technischen Problemen“ die Rede ist, dann müssten diese zu lösen sein. Oder handelt es sich gar um einen so genannten „systemischen Fehler“? Das wäre mir neu! Hier wären die Netzanbieter gefordert, ihren vertraglichen Verpflichtungen (vgl. TNotrufV bzw. TKG) nachzukommen. Und falls dies nicht der Fall ist, müssten diese Sanktionen seitens der Bundesnetzagentur befürchten!

  2. Jörg Riedel on Dezember 6th, 2011 16:51

    Da läuft´s mir eiskalt den Buckel runter. Irgentwann heißt es vielleicht:
    „Guten Tag. Hier ist Ihr örtlicher Feuerwehrnotruf. Zurzeit sind alle Telefonleitungen belegt. Wir sind gleich wieder persönlich für Sie da. Bitte halten Sie solange durch, bzw. legen Sie nochmal nach…!

  3. Sebastian on Dezember 6th, 2011 19:03

    Zumindest im Bereich Nürnberg sind Warteschleifen bei ILS und Polizei nichts unnormales. Ich habe sowohl bei der 110, als auch bei der 112 schon öfters mehrere Minuten gewartet. Besonders schlimm ist es bei der 112, wenn es z.B. aufgrund von Wetterlagen zu einem erhöhten Aufkommen kommt. Da kann man auch mal 10 Minuten warten. Nicht schlimm bei einem vollgelaufenen Keller, aber bei einer Reanimation……
    http://www.nordbayern.de/region/erlangen/der-neunte-anrufer-hort-nur-das-besetztzeichen-1.1402064?searched=true

  4. Daniel on Dezember 7th, 2011 02:22

    Hier kann man der Polizei nur zu einer gelungenen Kommunikation gratulieren. Sicherlich soll dieses hier nicht die langen Annahmezeiten entschuldigen jedoch ein guter Schritt die Probleme offen zu kommunizieren.

  5. 110 – bei Notruf zwei Minuten Wartezeit – Hamburger Abendblatt | Ostholstein Chat on Dezember 7th, 2011 06:42

    […] Rettungsdienst.de […]

  6. Mario Gongolsky on Dezember 7th, 2011 09:05

    Nach einem Bericht der Lübecker Nachrichten ist die Wartezeit zur Notrufannahme in Lübeck kein Einzelfall.
    http://www.ln-online.de/lokales/luebeck/3309663/notruf-problem-kiel-verspricht-hilfe

  7. Benny on Dezember 8th, 2011 18:55

    es geht am Ende immer nur ums Geld, zum k******

    Mal eine kleine Vision der Zukunft (unbedingt als Phantasie á la Orwell nehmen)

    Rettungsdienst: Wozu noch Leitstellen, die Anrufe könnten auch gleich direkt auf ein freies Einsatzmittel weitergeschaltet und der Auftrag direkt von der Besatzung aufgenommen werden. Dann zunächst die Klärung, wo man versichert ist, GKV oder privat, entsprechende Dringlichkeit evaluieren in einem abgestimmten Vorgehen mit dem ÄLRD und 2 unabhängigen Sachverständigen. Nach Vorliegen aller erforderlichen Daten die Entscheidung in den Kreisausschuss verweisen um die Entscheidung auf eine breite politische Basis zu stellen.

    Polizei: Bei akuten Bedrohungen eines Menschenlebens wird der volkswirtschaftliche Nutzen des Anrufers bewertet und danach entschieden, wer den Einsatz fährt, Polizeischüler zu Ausbildungszwecken, erfahrene Beamte oder SEK. Ist jemand verletzt, siehe zuvor RD.

    Feuerwehr: Bei einem Hausbrand wird in Echtzeit auf einem Internetportal das Gebäude vorgestellt und auf diese Weise Investoren zum Kauf angeboten. Ist der Zuschlag erteilt, drehen die Löschzüge ab. Findet sich kein Investor, das Haus kontrolliert abfackeln und die auftretende Wärme in das örtliche System über Wärmetauscher einspeisen, Das spart wertvolle Energie und trägt somit zum Klimaschutz bei.
    ****************************

    Alles nur Fiktion!! Aber in ein paar Jahrzehnten……… wer weiß das schon.

    Und das alles bei ca. 250 Krankenkassen in D, die alle Vorstände mit hohen 6-stelligen Gehältern haben, sich oppulente Verwlatungsgebäude leisten und nicht 48 Std Wochen haben, 12 Stunden Schichten schrubben, kein Risiko haben, geregelte Arbeitszeit, warmes Mittagessen, 13. Gehalt, etc.

    um es mit den Prinzen zu sagen: „Das alles ist Deutschland……“

  8. Roland on Dezember 9th, 2011 09:30

    @Benny: Wieso Fiktion? So oder so ähnlich läuft es derzeit schon in Lateinamerika bzw. vereinzelt in den VSA. Dort werden Haziendas bzw. geschlossene Wohnquartiere von privaten Wachschutzgesellschaften mit eigenen Video*-gestützten Leitständen geschützt und sind für die Policia Municipal sowie Normalos wie wir NO-GO-Aeras! Und die dort Lebenden haben natürlich das Anrecht auf Privatkliniken und private ärztliche Versorgung.. Ja nicht mit dem Pöbel zusammenkommen!!!!

    * wortwörtlich: „ich sehe“

  9. Thomas on Dezember 14th, 2011 14:51

    soviel zum Thema Regionalleitstellen !!! Hätte man die einzelnen Bereiche gelassen mit ihren Leitstellen, würden die Beamten sich auch besser in der Region auskennen und man müsste nicht Stundenlang Erklärungen abgeben in welchen Gebiet man sich denn befindet. Auch bestimmte Objekte und Probleme von bestimmten Gegenden oder Personen wären bereits beim Anruf derselben bekannt. Eine Regionalleitstelle weiß nichts aus der einzelnen Region, nur der Computer weiß etwas. Nicht sehr Bürgernah. Das gleiche Problem gibt es auch bei großen Leitstellen des Rettungsdienstes und der Feuerwehr. Keiner kennt sich mehr aus, wenig Personal für viel zu viele Notrufe. Ohne Rechner läuft nichts mehr. Schade für den Hilfesuchenden Bürger.

  10. Peter on Dezember 14th, 2011 15:22

    Bis zu 120 Sekunden Wartezeit?!? Das geht noch…. Wenn es bei einigen Rettungsleitstellen regelmäßig dazu kommt, daß man noch länger warten muß, und nicht selten länger als 5 Minuten bis zu ca. 10 Minuten!!!

    Dieses Problem kann man ganz einfach lösen bzw. die Wartezeiten in Spitzenzeiten drastisch reduzieren, indem Anrufe ggf. von einer Nachbarleitstelle abgearbeitet werden!!!
    Heute können Leitstellen i.d.R. nur die Fahrzeuge alarmieren, die im Zuständigskeitsbereich der Lst. gehören, wird Hilfe von Auswärts benötigt, muß dann die jeweilige Lst. telefonisch kontaktiert werden und auch hier weiß man im Vorfeld nicht, ob das gewünschte Fahrzeug verfügbar ist (gerade bei RTWs/NEFs)!

    Die Lösung: Es muß eingerichtet werden, daß jede Leitstelle grundsätzlich die Fahrzeuge Ihre Nachbarleitstellen mitalarmieren kann und auch direkt ersehen kann,ob das Fahrzeug verfügbar ist. Dies würde die Hilfsfristen insbesondere in Randbezirken verkürzen und nicht selten ist es hilfreich von z.B. 2 Leitstellen Hilfe anzufordern und dann spart man sich die Zeit, extra dort anzurufen…

    Somit muß es auch sein, daß wenn in einer Leistelle alle Abfrageplätze belegt sind, der Anruf eben an einen freien Platz in einer Nachbarleistelle umgeleitet wird, und der Disponent in der Leistellte könnte direkt Hilfe entsenden!

  11. doggi on Dezember 14th, 2011 15:47

    Hätte Edison nicht das elektische Licht erfunden, gingen wir heute noch um 19:00 ins Bett, oder anders wernicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit…..

  12. Rolf Kopfschmerz on Dezember 21st, 2011 01:40

    Tja …
    vor wenigen Stunden hatte ich dieses Erlebnis. Ein Verkehrsunfall von meiner Nase. Die beteiligten hatten versucht den Notruf abzusetzen – kein Durchkommen. Als freundlicher Mitbürger bot ich meine Hilfe an und fragte u.a. nach dem erfolgen Notruf. Also versuchte ich es auch … gefühlte 2 min. empfand ich als etwas lang. Was nun … Ich fand die Durchwahl der zuständigen Rettungsleitstelle und wählte. Der Disponent half schnell und kompetent. Durch die Nichterreichbarkeit der Polizei sind einige Minuten verstrichen … Zum Glück war der Vorfall nicht so dramatisch – wie er hätte sein können.

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