Petition: Ehrenamt von Wochenarbeitszeit ausnehmen


Neuss (rd.de) – Die Nachricht von der Zurechnung ehrenamtlicher Arbeit zur Wochenarbeitszeit, wie sie durch die geplante EU-Arbeitszeitregelung zur Debatte steht, erregt auch auf rettungsdienst.de die Gemüter. Marcel Kübel aus Neuss hat jetzt eine Petition formuliert, um die Europäische Union aufzufordern, das Ehrenamt aus der Wochenarbeitszeit herauszuhalten.

Die auf Openpetition veröffentlichte Forderung hat bereits nach einer Woche über 1.000 Mitzeichner gewonnen und läuft noch bis zum 20. Juni 2012. Rettungsdienst.de sprach mit dem Initiator Marcel Kübel über dessen Motivation und die Chancen seiner Petition.

rd.de: Sie wollen die Europäische Union davon abhalten, ehrenamtliche Arbeit in die Berechnung der Wochenarbeitszeit mit einzubeziehen. Wären Sie selbst von einer solchen Regelung betroffen?

Kübel: Ja, ich arbeite sowohl haupt- als auch ehrenamtlich bei einer Hilfsorganisation. Eigentlich sind es drei Leute, die hinter der Petition stehen, und alle arbeiten ehrenamtlich.

rd.de: Die Petition kommt aber von Ihnen als Privatperson?

Kübel: Das ist richtig.

rd.de: Dass so viel ehrenamtliche Arbeit bei uns in Deutschland zur Sicherstellung staatlicher Aufgaben herhalten muss, ist EU-weit nicht die Regel. Könnte das Ehrenamt durch entsprechende Schichtlängengestaltung nicht auch mit der geplanten Neuregelung aufrechterhalten werden?

Kübel: Das halte ich für sehr fraglich. Es ist ja nicht nur der übernommene Dienst oder der absolvierte Einsatz. Da kommen ja noch die Ausbildungs-, Fortbildungs- und Übungszeiten mit hinzu. So gesehen bleibt nach der Neuregelung nicht mehr viel übrig. Ich finde die Entwicklung in letzter Zeit gefährlich; die Folgen sollten klar abgeschätzt werden. Nehmen Sie zum Beispiel die Abschaffung des Zivildienstes und seine Auswirkung auf die Arbeit der Hilfsorganisationen. Ob hier die Folgen richtig eingeschätzt wurden?

rd.de: Ist Ehrenamt Arbeit?

Kübel: Ehrenamt ist mehr: Ehrenamt ist Ausgleich, Hobby und schafft neue soziale Kontakte. Nicht jede Betätigung muss als Arbeit empfunden werden.

rd.de: Über 1.000 Mitzeichner binnen einer Woche sind ein guter Start. Hatten Sie das erwartet?

Kübel: Nein, dass ging jetzt viel schneller als erwartet. Wir hoffen, dass es so weiter geht, damit wir die Petition mit einem starken Ergebnis abgeben können. Wir wollen erreichen, dass Brüssel ehrenamtliche Tätigkeiten von der Arbeitszeitregelung komplett ausnimmt. Das betrifft ja nicht nur Feuerwehr, Hilfsorganisationen und THW, sondern auch Sportvereine, Betreuungseinrichtungen und so fort. Wir wollen mit unserer Petition alle potenziell Betroffenen ansprechen.

rd.de: Die Mitzeichnungsfrist endet erst am 20. Juni. Stimmt da Ihr Timing, wann will die EU den Beschluss fassen?

Kübel: Im Februar begannen die Verhandlungen und laufen sechs Monate. Wir liegen also noch gut in der Zeit, um unseren Einwand geltend zu machen.

rd.de: Wer reicht die Petition bei der EU ein? Hilft die Plattform Openpetition dabei?

Kübel: Openpetition hilft uns nur dabei, die Mitzeichner zu gewinnen. Die eigentliche Petition müssen wir dann selbst einreichen. Openpetition haben wir gewählt, weil dort schnell freigeschaltet wird – wir wollten da jetzt keine Zeit verlieren.

rd.de: Bleibt uns nur, der Petition viele Mitzeichner und Wirkung zu wünschen.

Die Petition steht unter http://openpetition.de/petition/online/arbeitszeit-ein-ehrenamt-darf-nicht-zur-arbeitszeit-gehoeren noch bis 20. Juni 2012 zur Mitzeichnung bereit.

(Das Gespräch führte Mario Gongolsky)

Mehr zum Thema EU-Arbeitszeitregelung:

(29.03.2012)

2 Responses to “Petition: Ehrenamt von Wochenarbeitszeit ausnehmen”

  1. Dr. Kögel, Wieland on April 17th, 2012 06:24

    Dieses geplante Gesetz verstösst gegen meine Grundrechte als BRD-Bürger. Mir scheint, dass damit deutsche Tugenden in Europa kaputt gemacht werden sollen. man könnte fast zum Europagegner werden.

  2. Karin Becker on April 24th, 2012 16:11

    Wenn das Ehrenamt zur Wochenarbeitszeit hinzugenommen wird und gleichzeitig auch die Sozialversicherungen (Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegenversicherungsbeiträge dafür gelten) – und später sozusagen 1/3 Erwerbs-, 1/3 Ehrenamt und 1/3 Familienarbeit als einmal NORMAL GELTEN werden, dann bin ich für diese EU-Regelung. Ehrenamt ist – zumindest für mich – auch Arbeit; ebenso die Hausarbeit (Kochen, Waschen, Putzen, Kinder/Enkel erziehen/hüten, Eltern pflegen)!!!

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