Patienten vernetzen sich zur Datenwolke


Köln (idw/rd.de) – Zur besseren Beherrschung eines Massenanfalls von Verletzten, sollen künftig selbständig vernetzende Sensoren eingesetzt werden. Das MANET-Forschungsprogramm, unter Führung des FZI Karlsruhe und in Zusammenarbeit mit der FH Köln sowie zahlreichen Partnern aus der Industrie, unterzog das System in Köln erstmals einem Praxistest.

Seit 2008 wird im Forschungsprojekt MANET (Disaster Management using Autonomous Sensor Networks / Katastrophenmanagement mit Autonomen Vernetzten Sensoren) untersucht, wie extreme Einsatzlagen im Rahmen eines Massenanfalls von Verletzten (MANV) besser bewältigt werden können. Eigenständig per Funk kommunizierende Sensoren stehen im Mittelpunkt des dreijährigen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts, an dem die Fachhochschule Köln, die Firmen Vomatec, Kontron und Amber Wireless, sowie das Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe als Projektkoordinator beteiligt sind.

Erste Übung für den Ernstfall

Zum ersten Mal wurde jetzt die Sensortechnik und das von der Fachhochschule Köln erdachte Standard-Übungs-System (SÜS) bei einer Evaluierungsübung von MANET getestet. Dazu wurden zwei äußerst realistische Übungsdurchläufe zum Unglückszenario „Verkehrsunfall mit jeweils 15 Verletzten“ durchgeführt. Das Standard-Übungs-System ermöglicht, Übungen nach vorher definierten Parametern wissenschaftlich zu analysieren. Zusätzlich wurde eine Übungsbeobachtung mit Foto- und Videodokumentation erprobt.

Im Rahmen der Übung konnten die Wissenschaftler und Forscher viele Daten und aufschlussreiche Parameter für die weitere Projektarbeit erheben.

„Hier wurde ein Meilenstein des Projekts erreicht und gleichzeitig der Kick-Off für weitere Forschung im Feld der Gefahrenabwehr gefunden“, betonte Prof. Dr. Dr. Alex Lechleuthner, Leiter Studiengang Rettungsingenieurwesen der Fachhochschule Köln und Leiter des Instituts für Notfallmedizin der Berufsfeuerwehr der Stadt Köln. „Die Sensortechnologie mit sich selbst vernetzenden Sensoren“, so Lechleuthner weiter, „ist ein riesiger Fortschritt in der frühen Phase von Massenanfällen von Verletzen, bei denen es wichtig ist, schnell über Anzahl der Patienten und deren Verletzungsmuster informiert zu sein.“ Die Funktechnologie, die insbesondere auch auf die außerordentlichen Anforderungen im Umfeld eines Realeinsatzes ausgerichtet ist, liefert die Firma Amber Wireless. Hierbei vernetzen sich alle am Patienten befindlichen Knoten selbstständig mit vorher definierten Knoten und den Rettungsdienstgeräten der Firma Kontron Embedded Systems.

Schnelle und robuste Datenerhebung

„Im Gegensatz zu klassischen Kommunikationstechnologien wie dem Mobilfunknetz sind Sensornetzwerke sehr robust, da sie nicht auf eine zentrale Infrastruktur angewiesen sind“, erklärt Projektleiter Dr. Christopher Kunze vom FZI Forschungszentrum Informatik. „Im weiteren Projektverlauf kommen noch Technologien zur Lokalisierung der Patienten sowie ein Softwaresystem zur Lageerfassung und -Visualisierung hinzu“, so Dr. Kunze weiter.

Ziel ist es, die traditionelle Verletztenanhängekarte aus Papier gegen ein Funketikett (RFID) auszutauschen. Taugen herkömmliche RFID-Etiketten nur zu einer Datenauslesung mit einem in unmittelbarer Nähe betriebenen Auslesegerät, sollen sich die MANET-Funksensoren der Patienten an einer Verletztenablage autonom vernetzten, um so einen schnellen Überblick der Einsatzlage zu vermitteln, ohne hierbei auf eine öffentliche Telekommunikationsinfrastruktur angewiesen zu sein.

Die Übung wurde von der Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr der Stadt Köln, der freiwilligen Kräfte der Hilfsorganisationen sowie der hauptamtlichen Mitarbeiter und Ärzten des Rettungsdienstes tatkräftig unterstützt. Daneben sorgte nicht zuletzt das täuschend echte Szenario und eine schauspielreife Leistung für die Hektik und den Stress, der für die Messungen der Prototypen von Sensorknoten und Rettungsdienstgeräten erforderlich waren.

Kernaufgabe der Fachhochschule Köln bei MANET ist, den Technologiepartnern die Anwendungsexpertise im Bereich Rettungsmedizin und Katastrophenschutz zur Verfügung zu stellen.

Mehr Information:
http://www.fzi.de/
http://www.fh-koeln.de/

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