Österreich: Rettungsgasse funktioniert noch nicht
Wien (rd.de) – Was in Deutschland schon jahrzehntelang einigermaßen gut funktioniert, ist für Österreich Neuland. Die erst Anfang dieses Jahres eingeführte Rettungsgasse funktioniert ein gutes halbes Jahr nach ihrer Einführung noch nicht. Jetzt fordern die ersten Retterskräfte deren Abschaffung.
Mit der 24. Novelle zur Straßenverkehrsordnung hatte der österreichische Gesetzgeber die Einführung der Rettungsgasse zum 1. Januar 2012 beschlossen. Damit wurde ein langjähriger Wunsch der Einsatzorganisationen und Autoclubs erfüllt. Damit gilt in Österreich das gleiche Prinzip wie zum Beispiel in Deutschland (seit 1982), Tschechien (seit 2005), Schweiz und Slowenien (jeweils freiwillig).
Bisher mussten Einsatzfahrzeuge für ein schnelles Vorankommen den Pannenstreifen benutzen. Oft entstanden dadurch jedoch gefährliche Situationen, weil beispielsweise auf dem Pannenstreifen Fahrzeuge abgestellt waren oder es an Abfahrten zu Rückstaus kam. Wichtig: Die Rettungsgasse muss gebildet werden, sobald sich ein Stau bildet, nicht erst wenn sich Einsatzfahrzeuge nähern. Also auch dann, wenn man als Ortskundiger um die Staugefahr an einer Ampel weiß.
Doch dieses Prinzip haben noch nicht alle Autofahrer in Österreich verinnerlicht. Im Gegenteil – viele setzen sich für einen Widerruf des Rettungsgassengesetzes ein. So klagt Oberst Josef Binder von der Wiener Verkehrspolizei im „Kurier“, dass die Rettungsgasse trotz Sanktionen der Polizei nur selten bis gar nicht funktioniere.
Auch Hermann Dominik, Leiter der Sanitätsstaffel des Österreichischen Rettungsdienstes, wird in dem Artikel mit den Worten zitiert: „Wir sind seit 27 Jahren einsatzmäßig im Staubereich unterwegs. Es gab keinerlei Notwendigkeit für die Rettungsgasse. Sie wird auch niemals funktionieren.“
Während sich vor einigen Monaten die Chefs der großen “Blaulichtorganisationen” bei der Verkehrsministerin für die Einführung der Rettungsgasse bedankten, scheint jetzt die Stimmung zu kippen. Das österreichische Verkehrsministerium will sich des Problems annehmen und eine wissenschaftliche Untersuchung durchführen lassen.
Die Missachtung der Rettungsgasse kann in Deutschland mit 20 Euro bestraft werden, in Österreich drohen im Extremfall bis zu 2.180 Euro Strafe.
(Foto: LosHawlos, wikipedia.de)
17 Responses to “Österreich: Rettungsgasse funktioniert noch nicht”
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“Was in Deutschland schon jahrzehntelang einigermaßen gut funktioniert, ist für Österreich Neuland.”
Man beachte die Ergänzung “einigermaßen” *schmunzel*
Eine derartige Änderung erfordert selbstverständlich einiges an Zeit bis sie funktioniert. Sofort deren Abschaffung zu fordern zeugt von mangelnder Voraussicht. Die Rettungsgasse ist sehr sehr sinnvoll und alternativlos. Auch wenn ich mir wünschen würde, dass auch in Deutschland stärker dafür “Werbung” gemacht werden würde.
Meine Erfahrung ist, dass die Gasse in Deutschland nur dann funktioniert, wenn man die Autofahrer “akustisch” daran erinnert … Und dann gibt es noch genügend Querdenker, die spontan quer lenken
Ohne Kommentar – immer gut, wenn sich Orgs zu einem Thema äussern und in Österreich nicht mal einen Rettungsdienst betreiben (ausser Staubetreuung) …
Korrektur Vorposting – RD wohl doch in einem Ort in Tirol
Was haben die den gemacht als es noch keine Rettungsgasse gab.
Gibt es in Ö tatsächlich an allen Autobahnen Pannenstreifen? Oder anders gefragt was passiert wenn es keinen Pannenstreifen gibt?
Meines Erachtens ist, auch hier in D, viel mehr Aufklärungsarbeit erforderlich. Strafen erreichen immer nur einen verschwindend geringen Bruchteil der Verkehsteilnehmer, so daß mit Bußgeldern allein sicherlich kein Umdenken zu erwarten ist.
Es ist absolut erschreckend wie wenige Kursteilnehmer in Erste Hilfe Kursen wissen wie die Rettungsgasse zu bilden ist.
die aussage des herr dominik beweist mal wieder das einige ihren job schon zu lange machen.. kenn ich irgendwie von meiner lehrzeit, da sagte mein alter meister auch immer: das machen wir seit 30 jahren schon so xD
Die österr. Rettungsgasse bringt man schnell zum Funktionieren: Einfahc bei Stau sofort dioe Polizei losschicken und die kassiert dann auch gleich mal vor Ort und in bar. Leider funktioniert es heutzutage in vielen Lebensbereichen nur mit drastischen Einschnitten dort, wo es weh tut – beim Geld!
Vor ca einer Stunde auf SWR 3 Verkehrsmeldung: “Unfall auf der A 8 Bitte halten Sie eine Gasse für die Rettungsfahrzeuge frei!”
Scheint bei
!
uns nicht besser zu sein
Geht doch hier auch nicht !
@all: Ich habe in D die Erfahrung gemacht, dass es dann recht gut funktioniert, wenn man sich selbst schon beim ersten Anzeichen eines Staus richtig hinstellt bzw. einordnet (auf der linken Spur also weit links, auf der mittleren und/oder rechten Spur also weit rechts sowie mit ausreichendem Platz zum Vordermann/zur Vorderfrau) und beim Erkennen des von hinten nahenden Rettungsmittels die Verkehrsteilnehmer vor einem mit Lichtzeichen und ggf. Hupe auf die drohende Gefahr hinweist. Rechtlich zulässig das Ganze – und in aller Regel sehr effektiv!
Sonnige Grüße aus dem Südwesten
“einigermaßen” ist ein guter Ausspruch. Das Problem der schlechten bis fehlenden Rettungsgassen sind zu einem Großteil wir (sämtliche BOS). Ich habe vor kurzem erst wieder erleben dürfen, wie ein Streifenwagen eine sich bildende Rettungsgasse auf einer BAB bei moderater Geschwindigkeit durchfahren und somit auch für Großfahrzeuge “verbreitert” hat und kurze Zeit später ein Fahrzeug des RD die ganze Geschichte durch Befahren des Standstreifen zusammengeschoben hat und somit die komplette Autobahn dicht war. Vielleicht sollten wir erstmal unsere Kollegen vernünftig schulen, bevor der gemeine Autofahrer grundsätzlich Schuld ist.
Die spinnen, die Öschis!
Gestern, am 14. August, auf der A1 Lübeck Richtung Hamburg. Der Verkehr stockt, Warnblinker sind zu sehen, ich bin auf der linken von 3 Spuren, fahre ganz links am Mittelstreifen als Einziger, von hinten nähert sich ein RTW, durch den Verkehrsfluss, schafft er es gut durch die Gasse, die entsteht, gleich danach auf dem Standstreifen ein Polizeiwagen, der schon mehr Schwierigkeiten hat, insbesondere wegen dem Parkplatz und dem dadurch fehlenden Standstreifen.
Dann ca. 400m vor mir Vollsperrung. Einige Fahrzeuge haben die Gasse gehalten, andere sind schön wieder in die Mitte ihrer Spur gefahren, LKW sind auf die mittlere Spur und engen die Gasse ein und ein Schulbus steht mitten in der Gasse.
2 weitere Streifenwagen, die wohl für die Verkehrslenkung um die Eisatzstelle herum benötigt werden, brauchen ewig, wenn man der Dauer des Martinshorn folgt. Im Verkehrsstudio und sogar im Videotext im Fernsehen wird aufgefordert, eine Rettungsgasse zu bilden. Zuletzt brausen mehrere Motorradfahrer durch die Gasse.
Vielleicht wäre ja so eine automatische Ansage als Erinnerungshilfe für unachtsame Fahrer dies- und jenseits des Mehlspeisäquators eine Idee, wie sie bei japanischen Rettungsdienstfahrzeugen üblich ist: “Achtung! Bitte Rettungsgasse bilden!”
http://youtu.be/KF95ZKnScIA
http://kurier.at/nachrichten/4509032-strafe-fuer-bildung-der-rettungsgasse.php vom 21.08.2012
Wie man es macht, macht man’s falsch! Hm, vielleicht sollten Österreichs Polizisten mal wieder die Schulbank drücken…
Weiterhin hochsommerlich-sonnige Grüße aus dem Südwesten der B-Republik D