Optimierung der Schlaganfallbehandlung


Biberach – „Time is brain“ – Diese Schlagzeile bezeichnet prägnant einen der wichtigsten Faktoren in der Schlaganfallbehandlung: Die Zeit. Etwas jünger ist die ebenso zutreffende Parole: „Competence is brain“. Sie bezeichnet den ebenso wichtigen Faktor „Kompetenz“, also Wissen.

Wie kann dieses Wissen so eingesetzt werden, dass die Schlaganfalltherapie ohne Zeitverluste zur Anwendung kommt? Wo geht die meiste Zeit verloren? Während sich die intrahospitale Versorgung sowohl hinsichtlich zeitkritischer Abläufe als auch hinsichtlich eines kompetenten Schlaganfall-Managements durch die Einrichtung von über 180 Stroke Units in Deutschland und durch die Entwicklung effektiver Behandlungsmethoden wie der Thrombolyse in den vergangenen zehn Jahren dramatisch gebessert hat, geht in der Prähospitalphase auch heute noch die meiste Zeit verloren. Hier erlangt ein neuer Aspekt von „Wissenstransfer“ große Bedeutung.

Wer ist das erste „Glied der Versorgungskette“ im Notfallmanagement des Schlaganfalls? Es ist die Bevölkerung, also Betroffene selbst oder deren Angehörige, Freunde oder Menschen in ihrer Umgebung. In mehreren deutschlandweiten Aktionen hat die Firma Boehringer Ingelheim zusammen mit den an der Schlaganfallversorgung beteiligten Kliniken genau dieses Ziel ins Visier genommen. Die Bevölkerung soll fit gemacht werden, damit Symptome eines Schlaganfalls schnellstmöglich erkannt werden und darauf die richtige Reaktion erfolgt: der Griff zum Telefon und das Wählen der Notfallnummer 112. Dieser Wissenstransfer wurde zuletzt in der größten Aktion dieser Art in Hamburg unter dem Titel „Hamburg gegen den Schlaganfall“ multimedial in einer halbjährigen Kampagne umgesetzt. Große „Blow-up“-Poster, Info-Screens in öffentlichen Verkehrsmitteln, Beiträge in Zeitung, Radio und Fernsehen, Fortbildungs- und Öffentlichkeitsveranstaltungen und vieles mehr waren Bestandteil der Aktion, die am 11. April 2008 mit einer Pressekonferenz und einem ersten Ergebnisbericht im Hamburger Rathaus enden wird. Die gesamte Kampagne ist ein prototypisches Beispiel für eine erfolgreiche „Private Public Partnership“ und damit zukunftsweisend.

Vorläufige Analysen im Universitätsklinikum Hamburg zeigen, dass die Zahl der Patienten, die im kritischen Zeitfenster (idealerweise bis drei Stunden nach Symptombeginn) zugewiesen werden, im Verlauf der
Kampagne „Hamburg gegen den Schlaganfall“ von 41% auf 53% gestiegen ist. Die größte Steigerung war bei dem Anteil der Patienten zu verzeichnen, die innerhalb von zwei Stunden nach Symptombeginn eingewiesen wurden (von 13% auf 19%). Insgesamt wurde die Anzahl der Patienten, die prinzipiell von einer Thrombolyse profitieren können, um knapp ein Drittel gesteigert. Diese ersten Daten belegen, wie wichtig und effektiv Wissens-transfer von den Spezialisten auf die Bevölkerung selbst ist. In Zukunft werden sicherlich einige der Erkenntnisse, die durch intensive Forschung auf dem Gebiet des Schlaganfalls gewonnen wurden, den Weg in die Behandlung finden.

Daher gilt gerade beim Schlaganfall: „Forschung ist die beste Therapie“. Folgerichtig wachsen integrierte, interdisziplinär arbeitende universitäre Zentren (u. a. in Hamburg, Heidelberg, Berlin, Erlangen und München), in denen von molekularer Forschung über klinische Studien, moderne Bildgebung, systemische Neurowissenschaften, Akutversorgung bis hin zu Frührehabilitation und Versorgungsforschung alle relevanten Aspekte der Schlaganfallbehandlung konzentriert und vorangebracht werden. In diesen Zentren spielt eine andere Form des Wissenstransfers eine große Rolle, nämlich die optimale Vernetzung zwischen Wissenschaftlern, Ärzten, Pflege- und Therapeuten-Teams („Bench-to-Bedside“-Forschung). Der
Faktor „Zeit“ wird aber immer im Mittelpunkt der Schlaganfall-Akutversorgung stehen und den letztlich entscheidenden Wissenstransfer, nämlich vom Spezialisten auf die Bevölkerung, zum kritischen Element in der Versorgungskette und im Wettlauf gegen die Zeit machen.

Quelle: Prof. Dr. Christian Gerloff: Wettlauf mit der Zeit – Optimierung der Schlaganfallbehandlung durch Wissenstransfer, Pressegespräch „Biopharmazeutische Kompetenzen von Böehringer Ingelheim“

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?