Öffentliche Anhörung zum NotSanG-Entwurf


Berlin (rd.de) – Wenn sich heute um 15.45 Uhr im Deutschen Bundestag die Mitglieder des Gesundheitsausschusses zur öffentlichen Anhörung versammeln, wird es eine der letzten Möglichkeiten sein, entscheidend auf den Entwurf des Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters (NotSanG) Einfluss zu nehmen. Die beteiligten Institutionen haben daher im Vorfeld ihre Stellungnahmen eingereicht und werden versuchen, die eigenen Interessen durchzubringen.

Malteser und ASB kritisieren zum Beispiel, dass die Finanzierung der neuen Ausbildung nicht geklärt sei. „Ein unhaltbarer Zustand“, heißt es in der Stellungnahme des Malteser Hilfsdienstes wörtlich. Auch die Frage, welche Kosten durch eine Höherqualifizierung (vom RA zum NotSan) entstehen und wer sie zu tragen hat, ist nach Meinung der beiden Organisationen nicht geregelt.

Der ASB spricht sich dafür aus, angehende NotSan nach einer gewissen Einarbeitungszeit als vollwertige Besatzungsmitglieder im Rettungsdienst einzusetzen. Könnten die künftigen Notfallsanitäter während ihrer Ausbildung nur als Praktikanten eingesetzt werden, würde dies den Ausbildungseffekt schmälern und für die Wachen immense Zusatzkosten bedeuten.

„Bauchschmerzen“ mit invasiven Maßnahmen

Der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften Notärzte Deutschlands (BAND) bereitet wiederum die im Entwurf erwähnte Regelung zur Durchführung invasiver Maßnahmen durch Notfallsanitäter „Bauchschmerzen“. Die Notärzte vergleichen diese mit den Kompetenzen des Intensivpflegepersonals im klinischen Bereich. Diese hätten eine zweijährige Zusatzausbildung zu absolvieren und würden anschließend nicht so weitreichende Befugnisse haben wie Notfallsanitäter nach dem derzeitigen Planungsstand. Insofern gehörten die beschriebenen Maßnahmen nach Meinung der BAND in die Hände von Ärzten.

Eine gemeinsame Stellungnahme haben der Deutsche Feuerwehr-Verband (DFV) und die Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren (AGBF) vorgelegt. Sie kritisieren zum Beispiel, dass dem Thema „Eigenschutz“ zu wenig Aufmerksamkeit im Gesetzentwurf geschenkt werde. Eine Akademisierung der Lehrkräfte sei verfrüht und die Anrechnung gleichwertiger Ausbildungen drohe bundesweit uneinheitlich gehandhabt zu werden. Bemängelt wird neben zahlreichen weiteren Punkten auch das Fehlen des Aspekts „Fahrerlaubnis“. Nach Ansicht der Feuerwehren sei die Ausbildung am Fahrzeug sehr wichtig und würde im aktuellen Gesetzentwurf nicht ausreichend berücksichtigt.

Das Parlamentsfernsehen des Deutschen Bundestags sendet am Donnerstag, 30. Januar 2013, ab 21.30 Uhr auf Kanal 1 eine Aufzeichnung der öffentlichen Anhörung. Im Internet ist die zirka zweistündige Sendung frei zu empfangen. Eine Umfrage zur aktuellen Situation von Rettungsassistenten finden Sie hier.

(Foto: Julia Nowak-Katz/Deutscher Bundestag)

5 Responses to “Öffentliche Anhörung zum NotSanG-Entwurf”

  1. Maik Bauschke on Januar 30th, 2013 09:47

    „Bauchschmerzen“ wenn ich das schon wieder lese … das IPS-Personal fährt auch nich raus zum Patienten und kann regelmäßig innert kürzester Zeit auf ärztlichen Support zurückgreifen wohingegen in vielen ländlichen Regionen das RD-Personal auch in kritischen Situationen längere Zeit auf sich allein gestellt ist … aber „Standesgedöns“ macht sich natürlich wieder super in der Presse und vorm Volk (der Arzt ist unverzichtbar!!!) … Leute setzt Notärzte da sinnvoll ein, wo sie auch sicher gebraucht werden und die dringlichste Voraussetzung ist dann aber auch dass der NA dann auch für seine Aufgabe qualifiziert ist und nich einer mit Birkenstockschuhen und weissem Kittel auf Platz erscheint, der in seinem Notarztvorbereitungskurs geschlafen hat und seinem praktischen Ausbildungsteil 99% NACA III Einsätze abgearbeitet hat

  2. Olf on Januar 30th, 2013 17:08

    @Maik: Dem kann ich nur beipflichten. Ich frage mich immer wer Thoraxdrainage usw. ins Rennen gebracht hat?
    So etwas will ich gar nicht!! Unfug für den NotSan. Ein Großteil der NA kann das entweder gar nicht oder ist schlicht ungeübt. Also auf dem Teppich der Realität bleiben.

    Zu den Kosten: Die Organisationen hatten lange Zeit sich einen Kopf zu machen!! Die neue „Spielergruppe“ wird sich auch nicht (hoffentlich) mit TVöD 5, AVR-J 7 oder irgendeinem anderen Niedriglohn-Tarifgruppen abgeben.
    Wenn die NotSan an den Start gehen haben sie eine „richtige“ Ausbildung, man könnte sagen ein Handwerk gelernt.

    Die ganze Ausbildungszeit als Nummer drei auf dem Auto sehe ich allerdings auch als unzweckmäßig. Wieder auf das Handwerk bezogen, dort sind die Lehrlinge auch nicht die ganze Zeit die Hiwi´s sonder werden voll mit in die Prozesse einbezogen. So habe ich das jedenfalls mal kennen gelernt. Wie soll man als, je nach Motivation aller Beteiligten, als Dritter (Klotz am Bein) auch das eigenverantwortliche Arbeiten lernen?

  3. tangotango on Januar 31st, 2013 12:22

    „Die ganze Ausbildungszeit als Nummer drei auf dem Auto sehe ich allerdings auch als unzweckmäßig. Wieder auf das Handwerk bezogen, dort sind die Lehrlinge auch nicht die ganze Zeit die Hiwi´s sonder werden voll mit in die Prozesse einbezogen. So habe ich das jedenfalls mal kennen gelernt. Wie soll man als, je nach Motivation aller Beteiligten, als Dritter (Klotz am Bein) auch das eigenverantwortliche Arbeiten lernen?“

    Wenn der Azubi #3 auf dem Auto ist, heißt dies ja nicht automatisch, dass er nicht voll einbezogen wird. Der Azubi kann ja durchaus, wenn er weiter fortgeschritten ist in der Ausbildung, als #2 agieren und einer der Ausbilder, welcher sich immer noch mit auf dem Fahrzeug befindet, hält sich primär aus dem Geschehen raus. Er steht im Falle des Falles aber immer noch zur Verfügung.
    Wird der Azubi aber wirklich nur an der Leine hinterher geschlürt und als „Klotz am Bein“ angesehen kann das natürlich nichts werden.

    Ein Vergleich mit handwerklichen bzw. anderen Berufen greift da nicht wirklich. Klar, der KFZ-Lehrling kann mal am KAT basteln 😉 oder sonst was an einem Kundenfahrzeug machen.. wenn da was nicht hinhaut kann er den Meister rufen und in Ruhe das Problem lösen.

    Mit einer dynamischen Notfallsituation lässt sich dies aber schwerlich vergleichen. Es ist doch auch für die jetzigen RAs nicht schön, wenn das Team in eine brenzlige Situation kommt (schwerer VU?), und er nicht nur „ein Auge auf die Situation“, sondern auch noch auf seinen Azubi-RS (o.ä.) werfen muss. Das ist mit absoluter Sicherheit _kein Vorteil_ für den Patienten.

    Jetzt gäbe es eine Möglichkeit dieses zu ändern. Ich bin mir auch sicher, dass es die Ausbildung wesentlich verbessern würde.

    Ein anderer Vorteil dieser „3.-Mann-Regelung“ ist es doch aber, dass ein Azubi nicht mehr als billige Arbeitskraft verwendet werden kann. Zumindest wäre dies so mit dem heutigen System ( Azubi ist nach _3 Monaten_ RS und kann voll auf dem RTW eingesetzt werden).
    Wie das letztendlich bei den neuen Notfallsanitätern aussieht, wird man dann ja noch sehen.. ohne „Zwischenausbildung“ wie RS hat dieser bis zur Abschlussprüfung gewissermaßen keine Qualifikation und diese 3.Mann Regelung würde automatisch greifen, da im LandesRD-Gesetz ja eine Mindestqualifikation vorgeschrieben wird. (Zumindest gehe ich da jetzt von aus, man möge mich korrigieren)

  4. Jörn on Februar 27th, 2013 16:17

    BRANDAKTUELL:

    Der NotfallSanG-Entwurf wurde am heutigen Mittwoch, den 27. Februar vom zuständigen Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen bei Enthaltung der Oppositionsfraktionen angenommen. Die acht Änderungsanträge von CDU/CSU und FDP fanden mit Ausnahme der Linken, die sich der Stimme enthielt, die Zustimmung aller Fraktionen im Ausschuss. Die vier Änderungsanträge der SPD wurden abgelehnt.
    Am Donnerstag entscheidet dann letztendlich das Parlament über den längst überfälligen Entwurf. Der TOP 16 ist für 20:10 Uhr vorgesehen – just zu einem Zeitpunkt, an dem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt per TV erklären wird!!!

    Winterliche Grüße aus dem Südwesten

  5. tangotango on Februar 28th, 2013 14:48

    Ich lese immer nur von „8 Änderungsanträgen“, kann aber nichts genaues dazu finden. Lediglich, dass es den Azubis jetzt doch möglich sein soll, als „zweiter Mann“ auf einem Rettungsmittel eingesetzt zu werden.

    Und die anderen Anträge?!

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