NotSanG: Entwurf der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung liegt vor


Bremen (rd.de) – Seit Wochen wurde er gespannt erwartet, jetzt liegt er vor: der erste Entwurf einer Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (NotSan-APrV). Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass der Gesetzgeber die wachsende Bedeutung des Berufsbildes für die Gesellschaft erkannt zu haben scheint.

Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung stellt eine Ergänzung des Notfallsanitätergesetzes (NotSanG) dar, das am 1. Januar 2014 in Kraft tritt. Die Ausbildung des neuen Berufsbildes wird insgesamt 4600 Stunden umfassen und drei Jahre dauern. 1920 Stunden entfallen auf den theoretischen und praktischen Unterricht, 2680 Stunden auf die praktische Ausbildung an einer Lehrrettungswache sowie in einer Klinik.

Neu wird auch sein, dass es künftig keinen Fächerkatalog mehr geben wird. Der Lehrstoff soll übergreifend nach Themenbereichen vermittelt werden. Dadurch verspricht man sich eine bessere Verknüpfung von Theorie und Praxis. Praxisanleiter bzw. -begleiter sollen sicherstellen, dass der Theorie-Praxis-Transfer auch funktioniert.

Im ersten Halbjahr der Ausbildung erhält die angehende Notfallsanitäterin bzw. der Notfallsanitäter eine Mindestqualifikation für den Einsatz im Rettungsdienst. Im zweiten Halbjahr schließen sich Kenntnisse für Durchführung sowie Organisation des Krankentransports an. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr übernimmt der Auszubildende Tätigkeiten im Krankentransport und wird an die Notfallrettung stärker herangeführt. Das dritte und letzte Jahr dient dann dazu, die Kenntnisse zu vertiefen, ihn bzw. sie an eigenverantwortliches Arbeiten heranzuführen und besondere Einsatzbereiche kennenzulernen. Die staatliche Prüfung erfolgt am Ende der dreijährigen Ausbildung. Sie setzt sich aus einem schriftlichen, praktischen und mündlichen Teil zusammen.

Ergänzungsprüfung: zwei Falbeispiele

Die staatliche Ergänzungsprüfung für Rettungsassistenten, die Notfallsanitäter werden möchten, unterteilt sich nach dem aktuellen APrV-Entwurf in einen mündlichen und praktischen Teil. Die mündliche Prüfung dauert zwischen 20 und 40 Minuten. Inhalt sind Kommunikation mit Hilfsbedürftigen, erweiterte Diagnose und Therapie, lebensrettende Maßnahmen sowie Teamarbeit. Im praktischen Teil muss der Prüfling zwei Fallbeispiele bewältigen. Es handelt sich um einen traumatologischen Notfall sowie eine Reanimation.

Der Entwurf lehnt sich an die Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen der vom Bund geregelten nichtärztlichen Heilberufe an. Die beteiligten Institutionen (unter anderem Hilfsorganisationen, Ärzteschaft, Krankenkassen) haben jetzt bis zum 12. Juli 2013 Gelegenheit, Stellungnahmen abzugeben. Der Deutsche Bundesrat muss abschließend der NotSan-APrV zustimmen.

Den Entwurf zur NotSan-APrV finden Sie hier als pdf-Datei.

(Foto: Markus Brändli)

10 Responses to “NotSanG: Entwurf der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung liegt vor”

  1. tangotango on Juni 18th, 2013 11:51

    Habe ich was übersehen oder wo kann man den Entwurf anschauen? Oder ist dieser Geheim?!

  2. Mar Cel via Facebook on Juni 18th, 2013 12:35

    So lang wir nicht besser bezahlt werden, kann mir der NotSan gestohlen bleiben. Außerdem ist das NotSan Gesetz genauso schwammig wie das derzeitige RettAss Gesetz.

  3. tangotango on Juni 18th, 2013 12:51

    Bezüglich der Bezahlung musst du dich mit deinem Arbeitgeber auseinander setzen..

    Der Beruf selbst hat damit nichts, aber auch gar nichts zu tun. Insofern ist das schlecht-reden des NFS grober Unfug und zur Weiterbildung wird ja auch keiner gezwungen.

  4. Björn on Juni 18th, 2013 13:48

    Juhuu! Willkommen im Jahr 1989! Und der Rettungssanitäter heißt jetzt Rettungsassistent. Damals war zur Anerkennung ne Briefmarke nötig, jetzt sind es zwei Stunden Anwesenheit mit nem Fachgespräch, ner Rea und nem traumatologischen Fallbeispiel… Na da nehmen wir doch am besten ne geschlossene Unterarmfraktur. Drücken und pusten sollte selbst für den schlechtesten RettAss kein Problem sein. Und: ach ja, die „mündliche Ergänzungsprüfung“… Wie wenig muss man denn da wissen um ein „nicht bestanden“ zu bekommen? Reicht Anwesenheit? Argh. Das kotzt mich schon wieder an….

  5. Stefan on Juni 18th, 2013 13:59

    @tangotango

    Lass es gut sein, bringt nichts, manche wollen es nicht verstehen. Traurig genug ist es allemal dass immer weniger Kollegen Äpfel und Birnen trennen können.

  6. Florian Tenkmann via Facebook on Juni 18th, 2013 14:14

    Heist das jetzt das wirklich alles zum Thema „Notfallsanitäter“ klar ist also auch mit den Ausbildungsinhalt und wie das abläuft mit den Bewerbungen an den Rettungswachen ?

  7. Sascha on Juni 20th, 2013 09:32

    Anbei für die Anwesenden und vielleicht auch die Redaktion der Link zum Entwurf der Ausbilduns- und Prüfungsverordnung:

    http://www.rettungsdienst.de/news/wp-content/uploads/2013/06/EntwurfNotSanAPrVStand1306.pdf

    Weiterhin ist interessant zu wissen, das es noch ein Entwurf ist (die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung) während das NotSanG ja schon verabschiedet und rechtskräftig ist (ab 2014).

    Vergleiche: Staatsexmanen zum NotSanG
    schriftlich: 3 Prüfungen zu 150, 150 und 90 min = 390 min. Aufsichtsarbeit
    praktisch: 4 Fallsimulationen (hoffentlich noch geändert, so dass mind. 1 Fall pädiatrisch sein muss)
    mündlich: mind. 20 maximal 40 min. Prüfung

    Dazu die Ergänzungsprüfung:
    schriftlich: derzeit nicht in Planung, wird hoffentlich noch als notwendig mit aufgenommen
    praktisch: 2 Fälle: 1 Trauma, 1 Intern mit anschließender Reanimation
    mündlich: min. 20 maximal 40 min. Prüfung

    Wichtig wäre mir, das die Prüfungskommission für die Überleitungsprüfung nicht aus dem Haus des Bildungsinstitutes kommt, da man sonst Befangenheit vorwerfen könnte. (HiOrg oder BF Bildungsinstitut und eigene Mitarbeiter prüfen, führt nicht zur Transparenz und legt den Verdacht einer fraglich tiefen Prüfung nahe)

    Die Prüfungskommission für das Staatsexamen besteht diesmal aus 2 Fachprüfern die von der Schule vorgeschlagen werden und sich aus dem Pool der unterrichtenden Kräfte ergeben soll, einen Arzt mit Fachkundenachweis RD, einem Prüfungsvorsitzenden und einem Mentor/Praxisanleiter von der RD an der die praktische Ausbildung absolviert wurde.

    Da es erstmal nur ein Entwurf ist, ist mir Änderungen noch zu rechnen. Auch ist diesmal etwas genauer der Inhalt niedergelegt, der Unterrichtet werden muss.

  8. thomaswagner on Juni 23rd, 2013 09:52

    Irgendwie kann ich beim besten Willen keinen Sinn in diesem Vorschlag für die Ergänzungsprüfung sehen. Wozu sollen Fallbeispiele aus der RettAss-Ausbildung wiederholt werden? Das NotSanG sollte eigentlich mal dem künftigen NFS mehr Kompetenzen zugestehen, herausgekommen ist jedoch dass jeder ÄLRD wieder sein eigens Süppchen für den RD kochen kann. Also wieder alles auf Anfang und das gleiche machen was schon seit 1989 jeder RA-Schüler geprüft wird. Und für die Reanimation stellt sich der Sinnfrage umso mehr da es eine jährliche Rezertifizierung in Sachen Mega-Code gibt….
    Wo ist also der Nutzen, die Weiterentwicklung, der erweiterte Kompetenznachweis? Richtig: Nirgends!
    Schade dass hier die große Chance einer echten Reformierung und Aufwertung seitens des Gesetzgebers vertan wurde…

  9. Sascha on Juni 25th, 2013 09:22

    Im Zuge eines „Fallbeispiels“, nennen wir es besser Simulation die mit Full-Scale-Simulatoren ala Meti oder SimMan3G abgehalten werden sollte, wird umfassend das Potential in bestimmten Situationen wie auch Skills geprüft.

    Gerade das aktuelle Herangehen an eine Situation (Patient Approach) ala DR-ABCDE, AVPU, SAMPLE, OPQRST, CPSS uva. sind daran gut zu prüfen.

    Wer hier noch mit BAK Schema arbeitet, PHTLS oder ITLS, AMLS nicht kennt wird sicherlich schwerlich diese Prüfung bestehen. Auch geht es um die aktuellen Therapierichtlinien der Fachgesellschaften, die einen Einfluss haben sollten.

    Wenn ich mir da die Masse an Kollegen anschauen, wird es schon manchmal schwer, ein sauberes DR-ABCDE zu sehen.

    Daher ist es unbedingt notwendig gerade diese „Grundkomponenten“ in Aktion zu prüfen und entsprechende Skills abzufordern.

  10. Reporter112 on August 4th, 2013 13:15

    Ob eine Anerkennung von Rettungsassistenten zum Notfallsanitäter nötig ist, regeln die Länder in ihren Rettungsgesetzen. Dort steht, wer auf welchem Fahrzeug eingesetzt werden darf. Es ist nicht zwingend, dass nur der künftige Notfallsanitäter Transportführer sein darf. Der „leichte Übergang“, die Nachprüfung für RettAsse, beruht doch genauso auf knappem Geld wie von Björn geschildert die Überleitung von RettSan zum RettAss 1989. Gerade heute werden RettAsse so schlecht bezahlt, dass einige von ihnen die Kosten für den Grundlehrgang noch nicht wieder verdient haben (return on invest). Für eine aufwendige Nachschulung fehlt ihnen das Geld. Die „Subunternehmer“, die für den Staat einen wesentlichen Teil des öffentlichen Rettungsdienstes durchführen, werden kein Geld in Leute investieren wollen, die nur einen Zeitvertrag für ein oder zwei Jahre haben und mit einer erweiterten Kompetenz dann die Konkurrenz stärken. Wer hier richtig punkten könnte wären die kommunalen Rettungswachen und die Feuerwehren, die mit unbefristet tätigem Personal arbeiten und dauerhaft von der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter profitieren könnten. Das kostet aber Geld, das die Kommunen in der Regel nicht haben und das die Krankenkassen nicht ausgeben wollen. Es bleibt alles wie es ist: Auch der Notfallsanitäter erledigt in vielen Fällen als Rettungssanitäter bezahlt die anspruchsvolle Arbeit in der präklinischen Notfallmedizin. Liebe Kollegen, ihr könnt das ändern, wenn ihr als Mitglieder eines Berufsverbandes für eure Belange eintretet. Sonst ist keiner daran interessiert, dass es euch oder den Patienten besser geht.

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