Notrufprobleme beim Handy-Blackout


Bonn (rd.de) – Vom Handy-Blackout am vergangenen Dienstag war nach Informationen von „Welt-Online“ auch die Notruffunktion betroffen. Am kommenden Sonntag sind wegen des T-Mobile-Angebots, kostenlose SMS verschicken zu können, unter Umständen für den Rettungsdienst SMS-Auslieferungsverzögerungen zu erwarten.

Eigentlich ist die Anwahl des Notrufes mit Mobiltelefon immer möglich. Doch beim T-Mobile-Blackout vom 21. April 2009 funktionierte selbst dies nicht mehr. Um einen Notruf auszulösen, berichtet die „Welt-Online“, hätte man die SIM-Karte aus dem Telefon herausnehmen müssen.

Bislang funktionieren unsere Mobiltelefone bei der Wahl des Notrufs auch ohne Nutzeridentifizierung. Nicht dass viele in Not geratene Personen im Ernstfall wirklich auf die Idee kämen, die SIM-Karte aus dem Handy zu nehmen, aber als transportable Notrufsäule funktioniert das Mobiltelefon bislang sogar ganz ohne Karte.

Den Trick mit der entnommenen SIM-Karte braucht man sich aber nicht mehr zu merken. Der Bundesrat hat bereits beschlossen, dass Notrufe vom Handy künftig nur noch mit eingelegter SIM-Karte abgesetzt werden können. Man folgt damit einer EU-Regelung aus dem Jahre 2003, die zum Ziel hat, dass die Netzbetreiber den Notrufabfragestellen auch Angaben zum Anruferstandort übermitteln können.

SMS-Alarm gut genug?

Der Software-Crash bei T-Mobile zeigt, dass eine komplexe technische Infrastruktur, wie die der Mobiltelefone, auch eine gewisse Zerbrechlichkeit beinhaltet, angreifbar und störbar ist. Der Vorfall bringt unweigerlich Fragen der Notfallalarmierung von Einsatzkräften neu aufs Tablett.

Großschadensereignisse gehen oft mit einer Überlastung der Mobilfunknetze einher. Unter diesem Aspekt muss hinterfragt werden, welche Einsatzkräfte man tatsächlich über SMS-Systeme alarmieren möchte. Schnell-Einsatz-Gruppen und weitere Katastrophenschutzeinheiten kommen meist erst dann zum Einsatz, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet ist – und damit genau in solchen Fällen, in denen das Mobilfunknetz durch Überlastung in die Knie gezwungen wird.

Wenn sich T-Mobile bei ihren Kunden mit einem kostenlosen SMS-Versand am kommenden Sonntag (26. April 2009) für die Panne entschuldigt, werden Millionen von Kurznachrichten die Handys wechseln. In Ballungsgebieten sollten sich ehrenamtliche Einsatzkräfte, die per SMS zum Einsatz gerufen werden, wenigstens auf Auslöseverzögerungen einrichten.

One Response to “Notrufprobleme beim Handy-Blackout”

  1. Manuel on April 26th, 2009 16:20

    Dasselbe Szenario wie beim Netzausfall von T-mobile ist auch beim zukünftigen BOS-Digitalfunk zu erwarten. Wie alle Handynetze basiert auch der BOS-Digitalfunk auf einer Bündelfunkbasis.

    Während beim Netzausfall beim Handy es zwar ärgerlich ist, während der Ausfallszeit nicht telefonisch erreichbar zu sein, bzw. selbst keine Anrufe tätigen zu können, sind zu erwartende Ausfälle beim BOS-Digitalfunk gelinde gesagt fatal für Einsatzkräfte und Bevölkerung. In diesen Fällen wären alle Benutzergruppen wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste etc… gleichermassen betroffen.

    Beim jetzigen Analogfunk können höchstens einzelne Kanäle/Frequenzen ausfallen, jedoch keine kompletten Bänder/Bereiche, weil alle Kanäle/Frequenzen i.d.R. völlig unabhängig voneinander arbeiten. Dies ist beim BOS-Digitalfunk nicht der Fall.

    Im übrigen merkt die Polizei z.B. nicht, wenn bei der Feuerwehr einzelne Kanäle ausfallen, und umgekehrt. Ausserdem existieren i.d.R. genügend Reserve-bzw. Ausweichkanäle für derartige Fälle.

    Im übrigen der Querverweis auf den Beitrag „Schwere Mängel beim BOS-Digitalfunk an div. Stellen dieser I-netseite.

    Politisch Verantwortliche sprachen und sprechen sinngemäss von einer „äusserst hohen Sicherheit“ dass es zu keinen flächendeckenden Netzausfällen bei Handynetzen und BOS-Digitalfunk kommen kann. Im Falle des deutschlandweiten T-mobile Ausfalls konnte man dies gelinde gesagt „zweifellos feststellen“.

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