Neuer Seenotkreuzer für Sylt


List (DGzRS) – Selten haben die Freunde und Förderer der Seenotretter so gespannt auf die Taufe eines neuen Seenotkreuzers geschaut wie dieses Mal: Denn erstmals durften sie über den Namen mitentscheiden. Der jüngste Neubau der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde am Samstag (14.11.2013) in List auf Sylt auf den Namen „Pidder Lüng“ getauft.

20 Meter lang, 1,3 Meter Tiefgang und 22 Knoten schnell – dies sind nur einige markante technische Daten des neuen Spezialschiffs. Zur Taufe im Hafen von List begrüßte die DGzRS zahlreiche Gäste und viele Schaulustige.

Fernanda de Sousa Dibaba – Ehefrau des ehrenamtlichen DGzRS-„Bootschafters“ Yared Dibaba – taufte den Seenotkreuzer auf den Namen „Pidder Lüng“. Das Arbeitsboot in der typischen Heckwanne wurde auf den Namen „Michel“.

Gut 1,4 Millionen Euro gaben ungezählte Förderer der DGzRS aus ganz Deutschland für den Neubau. Der Name erinnert an die gleichnamige Ballade von Detlef von Liliencron (1844 – 1909) über den Sylter Fischer Pidder Lüng. Das Arbeitsboot trägt den Namen des Hamburger Wahrzeichens, den Michel.

Die neueste Einheit der DGzRS wurde auf der Schiffs- und Bootswerft Fr. Fassmer in Berne an der Unterweser gebaut. Die „Pidder Lüng“ hat im Zuge der Modernisierung der Rettungsflotte den Seenotkreuzer „Minden“ (Baujahr 1985) abgelöst. Der Neubau hat in den vergangenen Monaten umfangreiche Erprobungen unter zeitweise schweren Wetter- und Seegangsbedingungen absolviert.

Das 22 Knoten (ca. 40 km/h) schnelle Schiff wird von einer drei Mann starken Besatzung gefahren. Mit einem Tiefgang von lediglich 1,30 Metern kann die „Pidder Lüng“ auch in Revieren eingesetzt werden, in denen größere Seenotkreuzer auf ihr Tochterboot angewiesen wären.

Weitere besondere Merkmale des in der bewährten Netzspantenbauweise konstruierten Schiffstyps  sind eine umfassende Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung an Bord, eine Feuerlöschpumpe mit einer Förderleistung von 2.300 Litern/min zur Bekämpfung von Bränden auf See und die Fähigkeit, sich im Falle des Durchkenterns innerhalb weniger Sekunden selbst wieder aufzurichten.

Auf ein Wohndeck, wie es auf anderen Seenotkreuzern eingerichtet ist, verzichtet die DGzRS bei dieser Klasse bewusst. Die Besatzung lebt nicht mehr an Bord, sondern im nahen Stationsgebäude. Für Umbau und Sanierung des Lister Stationsgebäudes hat die Mannschaft viel Eigenleistung erbracht.

Ungewöhnlich für Seenotkreuzer der DGzRS ist ferner der zum Einsatz kommende Typ eines offenen Arbeitsbootes in der Heckwanne. Aufgrund der kompakten Maße des Seenotkreuzers stehen nicht der Platz und die Tragfähigkeit für ein konventionelles Tochterboot zur Verfügung. Nicht zuletzt zu Gunsten des erreichbaren geringen Tiefgangs des Seenotkreuzers verzichtet die DGzRS hierauf. Dennoch steht der Besatzung mit der 30 Knoten (ca. 55 km/h) schnellen „Michel“ ein leistungsfähiges Einsatzmittel zur Verfügung.

(Foto: DGzRS)

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