Neue Grippe nicht unterschätzen


London/Evanston (rd.de) – Während die Publikumspresse sich von der drohenden Grippeausbreitung wieder abgewendet hat, sind Wissenschaftler unverändert besorgt. So haben britische Forscher ermittelt, dass die Neue Grippe deutlich infektiöser ist, als eine saisonale Influenza. In den USA wagen US-Mathematiker eine Ausbreitungsprognose mit Daten aus einem Internetspiel.

Es ist zutreffend, dass der Virus in den meisten Fällen eine Erkrankung mit einem milden Verlauf erzeugt und auf die medikamentöse Therapie gut anspricht, doch die Folgen eines großflächigen Ausbruchs der Neuen Grippe wären auch abseits von Todesopfern folgenreich.

Wissenschaftler des Londoner Imperial College haben die vorhandenen Daten über die Ausbreitung der Schweine-Influenza genauer untersucht. Das Ergebnis ist wenig erfreulich, denn auf jede infizierte Person kommen nach Berechnungen der Forscher des „Centre for Outbreak Analysis and Modelling“ beim MRC etwa 1,2 bis 1,6 Ansteckungen.

Die gewöhnliche saisonale Influenza schafft Durchseuchungsraten zwischen 10 und 15 Prozent. Der Virus der Schweine-Influenza ist hingegen deutlich infektiöser und könnte somit eine höhere Durchseuchung erreichen. Den Berechnungen zur Folge liegt das neue A (N1H1)-Virus aber unterhalb der für solche Fälle angenommenen Erkrankungsraten von 20 bis 30 Prozent. Die Zahlen bestätigen die grundlegende Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO und die Notwendigkeit die Pandemie-Warnstufe fünf weiter aufrecht zu erhalten.

Neuer Ansatz der Ausbreitungsvorhersage

Mit Berechnungen der Infektionsausbreitung beschäftigt sich auch ein Team von Mathematikern, rund um den deutschen Professor Dr. Dirk Brockmann an der Northwestern University in Illinois.

Die Wissenschaftler sammelten Daten über das Reiseverhalten der Menschen über ein Internetspiel mit dem Titel „Where is George?“. Bei dem Spiel wurden markierte Dollarscheine im Umlauf gebracht und wer einen markierten Schein bekam, meldete es per Internet samt Ortsangabe. Die gesammelten Daten geben in gewisser Weise wieder, wo Menschen miteinander in Kontakt kommen. Der Weg des Dollarscheins zeigt Bewegungsstrukturen auf, die eigentlich zu chaotisch sind, um sie voraus zu berechnen.

Die gewonnen Daten des Rechenmodells haben die Wissenschaftler jetzt auf die Neue Grippe übertragen und versuchen damit Infektionszahlen und Ausbreitungswege in den USA zu ermitteln. Die tagesaktuellen Ergebnisse solcher Berechnungen kann man auf der Webseite der Mathematiker einsehen.

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