Nalbuphin-Studie gerät ins Zwielicht


Bremen (rd.de) – Der in Fachkreisen viel beachtete Entwurf einer Studie zur Nutzung von Nalbuphin durch Rettungsassistenten ist ins Zwielicht geraten. Wie jetzt bekannt wurde, existiert die vom Studieninitiator ins Feld geführte wissenschaftliche Unterstützung durch das „Deutsche Institut für Katastrophenmedizin“ und der medizinische Fakultät der Uni Tübingen gar nicht.

Entsprechende Informationen des „Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin“ an Rettungsdienste in Baden Württemberg und die Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Notärzte (AGSWN) wurden heute durch Dr. Tobias Kees, ärztlicher Direktor des Tübinger Instituts für Katastrophenmedizin, bestätigt.

Demnach war der Studieninitiator Sascha Steingrobe zu keinem Zeitpunkt legitimiert, das Institut als Studienbegleiter zu nennen. Auch nach einer inhaltlichen Prüfung des Studieninhalts im Nachgang haben sich die Katastrophenmediziner gegen eine Beteiligung ausgesprochen. Zu den Gründen der Ablehnung sagte Dr. Kees nichts, betonte jedoch, dass das „Deutsche Institut für Katastrophenmedizin“ an einer harmonischen Zusammenarbeit mit allen Beteiligten des Rettungsdienstes interessiert sei. In der Zwischenzeit hat das Institut von Steingrobe verlangt, gegenüber Dritten eine Klarstellung des Sachverhalts herbeizuführen.

Studienautor und Rettungsassistent Steingrobe räumte auf Nachfrage ein, dass es weder von den Katastrophenmedizinern noch von der Uni Tübingen Unterstützung für seine Studie geben werde. Er nannte Kommunikationsprobleme als Grund für diesen Eklat. Professor Dr. Dr. Domres, Präsident des Instituts für Katastrophenmedizin, stehe unverändert zur Durchführung dieser Studie.

Inzwischen ist laut Steingrobe eine andere medizinische Fakultät in Deutschland gefunden worden, die das Vorhaben begleiten werde. Zu den Details möchte man sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch nicht äußern. Wegen der Irritationen wurde zudem die Zusammenarbeit mit dem geplanten Finanzier, einem Generikahersteller, auf Eis gelegt. „Der Vorfall ist bedauerlich“, räumte Steingrobe gegenüber rettungsdienst.de ein.

An dem Studienvorhaben will er aber weiter festhalten. Drei Rettungsdienstbereiche seien in die Studie eingebunden. Derzeit würden die Mitarbeiter eingehend geschult.

Der Fall wirft einen Schatten auf das Untersuchungsvorhaben, geeignete Analgetika für eine risikoarme Benutzung durch Rettungsassistenten zu finden. Der Eindruck einer unprofessionellen Herangehensweise trifft den Berufsstand der Rettungsassistenten mitten in einer Diskussion um ein neues Rettungsassistentengesetz, das den Einsatzkräften erweiterte Behandlungskompetenzen eröffnen soll.

 

Mehr zum Thema: Rettungsassistenten-Analgesie mit Nalbuphin

(Foto: AOK)

3 Responses to “Nalbuphin-Studie gerät ins Zwielicht”

  1. Olf on Februar 2nd, 2012 15:47

    Danke…… 🙁

  2. Steingrobe on Februar 5th, 2012 22:23

    Nun, es ist schon interessant, das in dem Artikel mein Name nicht mal richtig geschrieben wurde. Daher ist die Recherche auch fraglich gut.
    Fakt ist, das es ein Kommunikationsproblem gab, das aber nicht auf meiner Seite lag! Wenn die Herren sich intern im Hause nicht einig waren, kann meine Person nun nicht dafür den Kopf herhalten. Daher sollte sich das Deutsche Institut für Katastrophenmedizin genau überlegen, wo hier der Fehler zu suchen ist, anstatt anderen Personen durch intern verschuldete Kommunikationsbarrieren, den schwarzen Peter zu zuschieben.
    Die Studie kann und wird netterweise durch andere Partner unterstützt, wo wir nun nicht auf das Institut angewiesen sind.
    Letzendlich tut es mir für Herrn Prof. Dr. med. Dr hc Dormes leid, der so hilfsbereit und gütig war, uns zu untersützen und hier nun fälschlich ins Rapenlicht gerückt wurde. Ihm gilt weiterhin unserer Dank für sein entgegengebrachtes Vertrauen.

    Ein Einräumen auf Nachfrage hin, ist nicht anders zu bewerten, als das es vorher keine Informationen von uns nach Außen gab, um die doch zielgerichtete Kritik nicht weiter anzuheizen. Eine Verschleierung der Umstände ist nicht erfolgt.

    Dennoch wurden Studienunterlagen an dritte Personen ohne Rücksprache weitergereicht, so dass ein Informationsfluss der gerichtet war, nicht erfolgen konnte.

    Wo hier der Eindruck einer unprofessionellen Herangehensweise entstehen soll, bleibt wohl dem Autor dieses Textes überlassen. Dennoch werden einem bei solchen Vorhaben, durch jegliche Instanzen, eher Steine in den Weg gelegt, als das eine Unterstützung erfolgt. Hintergrund ist und bleibt die Verbesserung der patientenorientierten Versorgung von Notfallpatienten mit Schmerzen und die Verbesserung der Optionen, die einem Rettungsassistenten unter den immer weiter ansteigenden Anforderungen in Bezug auf die Schmerzreduktion, entgegengebracht werden. Dieses auf Basis von Daten und Fakten, anstatt auf Empfehlungen einzelner ohne Evidence Base Level (1-3) Hintergründe.

    Mit freundlichen Grüßen,

    S.Steingrobe

  3. Mario Gongolsky on Februar 6th, 2012 14:35

    Entschuldigung für die fehlerhafte Namensnennung.. Die Recherche ist aber wenig zweifelhaft: Ich stützte mich auf Sie und Herrn Dr. Kees. Es hilft aber nicht, für eigene Versäumnisse, den Fehler im System zu suchen. Wir hoffen, es gelingt verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen, damit am Ende eine beachtliche Studie dabei heraus kommt.

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