Nachterstedt: Ein Ort am Abgrund


Bernburg/Nachterstedt (slk/rd.de) – In den frühen Morgenstunden des 18. Juli 2009 kam es im Ortsbereich Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) zum Abbruch eines etwa 350 Meter breiten Landstreifens am Südufer des Concordiasees. Häuser und eine Aussichtsplattform wurden förmlich vom Erdboden verschluckt.

Der Erdrutsch zog ein zweistöckiges Einfamilienhaus sowie die Hälfte eines Mehrparteienhauses, einen Straßenabschnitt und eine Aussichtsplattform mit in die Tiefe.

Nach Angaben der Feuerwehr gestaltet sich die Suche nach den Vermissten schwierig, da die Gefahr weiterer Abstürze bestehe. Der Hang sei noch in Bewegung.

Ungefähr 150 Feuerwehrleute und Rettungskräfte waren am Samstag im Einsatz. Durch die eingesetzten Einsatzkräfte wurden vor allem die umliegenden Häuser evakuiert. 45 Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden, 22 von ihnen wurden in gemeindlich verwalteten Ferienwohnungen untergebracht. Die übrigen Personen fanden bei Verwandten Unterschlupf. Drei Bewohner der betroffenen Häuser gelten als vermisst. Eine vierte Person, die sich eventuell in einem der Häuser aufgehalten haben könnte, konnte am Samstag nicht erreicht werden.

Die angeforderte Rettungshundestaffel konnte nicht zum Einsatz kommen, da das Gelände weiterhin nicht betreten werden kann.

Am Sonntagmittag hat der Landrat für den Concordiasee und das räumlich begrenzte Schadensgebiet in Nachterstedt den Katastrophenfall festgestellt. Zur Heranführung weiterer Einsatzkräfte wurde die gesamte Ortslage Nachterstedt von 17:30 Uhr an bis in die Nacht für den Verkehr gesperrt. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Prof. Dr. Böhmer hat sich vor Ort über die Situation informiert.

Am Sonntagabend konnte das Gelände soweit abgesichert werden, dass die Anwohner wieder gefahrlos in ihre Häuser zurückkehren konnten.

In der Nacht hat die Fachgruppe Ortung des THW aus Berlin-Steglitz aus verschiedenen Perspektiven Messungen mit einer Thermografiekamera am See durchgeführt. Es konnten jedoch keine lebenden Personen geortet werden.

Heute, am Montag den 20.7.09, wird ein Pioniererkundungstrupp der Bundeswehr erwartet, der vom Wasser her Bergungsmöglichkeiten prüfen wird.

Zur Unglückursache gibt es noch keine zuverlässigen Hinweise. Das Gebiet diente vormals dem Braunkohletagebau. Der Concordiasee entstand durch die Flutung der Abbausenke. Seitdem liegt die Gemeinde Nachterstedt mit ihren rund 2.200 Einwohnern in einer Seeuferlage.

Kenner der lokalen Braunkohle-Förderung weisen darauf hin, dass in dem Gebiet der Braunkohleabbau ursprünglich einmal unter Tage startete. Der Einsturz solcher alten Abbaustollen komme als mögliche Ursache somit durchaus in Betracht.

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