Mehr Verständnis für islamische Patienten


(Foto: Odenwaldkreis)Erbach (pm) – Der Umgang mit Menschen islamischen Glaubens gehört für Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr mittlerweile zum Alltag. Dennoch herrscht bei vielen Einsatzkräften Unsicherheit.  In Erbach (Odenwaldkreis) widmete man sich deshalb  dem Thema „Umgang mit islamischen Angehörigen bei Krankeit, Unfall und Tod“ im Rahmen einer nicht alltäglichen Fortbildung. Mitarbeiter verschiedener Fachdienste nahmen die Gelegenheit wahr und besuchten die Veranstaltung.

Die Aufarbeitung eines schweren Verkehrsunfalls nahe Breuberg vor gut einem Jahr, bei dem zwei junge türkischstämmige Menschen ihr Leben verloren, gab den Anstoß zu dieser Veranstaltung. Damals waren neben Feuerwehr und Rettungsdienst unter anderem auch Schnell-Einsatz-Gruppen und Kriseninterventionsdienste im Einsatz.

Manche der damals eingesetzten Helfer kannten die kulturellen Besonderheiten der Opfer nicht und verstand daher auch die Trauerreaktionen der Angehörigen nicht. Im islamischen Glauben gibt es nach einem Todesfall vorgeschriebene Abläufe. Dazu gehört unter anderem, dass sich bereits kurze Zeit nach dem Ereignis zahlreiche trauernde Angehörige und Freunde versammeln. Das Aufeinandertreffen einer fremden Religionsform auf die eingeübten Abläufe der Gefahrenabwehr kann dabei schnell zu Problemen und Konflikten führen.

Dies kristallisierte sich bei den diversen Besprechungen im Anschluss an den tödlichen Unfall in Breuberg auch heraus. Bei den Einsatzkräften entwickelte sich daher der Wunsch, mehr über den Islam zu erfahren, um kulturelle Barrieren bei künftigen Einsätzen leichter zu überwinden.

Als Referenten konnten für die Fortbildung unter anderem Necati Benli (Islamwissenschaftler beim hessischen Landeskriminalamt), Dr. Bernhard Krakowka (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Odenwaldkreises), Fahri Erfiliz (Migrationsbeauftragter des Polizeipräsidiums Südhessen) sowie Annette Herrmann-Winter von der Notfallseelsorge und Krisenintervention Odenwaldkreis gewonnen werden.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Planspiel. Hierbei wurde der Verlauf eines Einsatzes simuliert. Alle beteiligten Kräfte erläuterten dabei ihre Aufgaben und Vorgehensweise. Als Fazit stellten die Beteiligten fest, dass die Zusammenkunft eine sehr gute Möglichkeit darstellte, die jeweiligen Strukturen und Bedürfnisse gegenseitig kennenzulernen. Außerdem konnten Kontakte geknüpft und Lösungswege gemeinsam erarbeitet werden.

Als nächstes Ziel wird angestrebt, Ansprechpartner unter den islamischen Mitbürgern zu benennen, die im Notfall von der Leitstelle alarmiert und den Einsatzkräften vor Ort beratend zu Seite stehen können – beispielsweise beim Überwinden sprachlicher Barrieren.

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?