Mehr Todesfälle durch Ertrinken


Würzburg (agbn) – Die Zahl der jährlichen Todesfälle durch Ertrinken steigt in Deutschland weiter. So waren im Jahr 2008 mehr Todesfälle (+ 9,8%) als im Jahr 2007 zu verzeichnen. Bayern nimmt dabei eine Spitzenposition mit 98 Todesfällen ein. Die Dunkelziffer der Ertrinkungsunfälle (sog. Beinaheertrinken) liegt vermutlich noch viel höher und trifft alle Altersgruppen. Deutschlandweit ist Ertrinken die zweithäufigste Unfallursache mit Todesfolge im Kindesalter. 90% der Todesfälle ereignet sich im Binnenland in Flüssen und Seen.

 

Aufgrund der Praxis weist die Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte  (agbn) darauf hin, dass viele Bürger die Gefahren beim Baden nicht einzuschätzen wissen – besonders kleine Kinder, Jugendliche und ältere Menschen. Gerade Kleinkinder können die Gefahren nicht erkennen und sich nicht aus der Unfallsituation befreien.

Gründe für die beunruhigende Entwicklung sind nach Ansicht des Vorsitzenden der agbn, Prof. Dr. med. Peter Sefrin (Würzburg), die zunehmende Zahl von Nichtschwimmern. 60% der Kinder und 25% der Erwachsenen können nicht schwimmen. Kinder unter 5-10 Jahre ertrinken häufig, weil sie nicht schwimmen können. Deshalb sind Ertrinkungsunfälle 2-3 Mal häufiger als in höheren Altersstufen.

Durch Schließung von Schwimmbädern und Ausfall des Schwimmunterrichtes in den Schulen steigt die Zahl der Nichtschwimmer. Weitere Ursachen sind unvernünftiges Verhalten, vor allem unter Alkoholgenuss und Selbstüberschätzung. 90% der verunfallten Kinder sind nicht beaufsichtigt, weshalb die Notärzte insbesondere an Eltern appellieren, Kinder unter 5 Jahren niemals in der Nähe von Wasser unbeaufsichtigt zu lassen. Gerade bei dieser Altersgruppe ereignen sich tragische Unfälle bei Stürzen in Biotope, Regentonnen, Swimmingpools oder beim Baden. Aufblasbare Spielteile und Schwimmreifen sind kein ausreichender Schutz.

Bei Jugendlichen sind es häufig nächtliche Schwimm- und Bootspartien mit Alkoholgenuss, die zu Todesfällen führen können.

Ertrinkungsunfälle sind der fünfhäufigste Unfall mit Todesfolge bei Menschen über 65 Jahre in der EU. Da ältere Menschen im Gegensatz zu jüngeren weniger widerstandsfähig sind, führen Ertrinkungsunfälle zu schwerwiegenden Komplikationen und damit auch zu höheren Gesundheitskosten.

Die Notärzte appellieren an die Betroffenen, die Schwimmregeln der Wasserrettungsorganisation (nicht überhitzt ins Wasser springen, nie mit vollem oder leerem Magen schwimmen, Alkohol meiden, nicht in unbekannte Gewässer springen) und Hinweise auf Gefahren (Schilder, Flaggen) ernst zu nehmen. An Eltern wenden sich die Notärzte mit dem Rat, Kinder nicht unbeaufsichtigt zu lassen und für Schwimmunterricht frühzeitig Sorge zu tragen.

Bei unsicheren Schwimmern sollten Schwimmhilfen getragen werden. Bei Bootsfahrten sollte das Bewusstsein für Rettungswesten gestärkt werden. Insbesondere Migranten sind über Verhaltensweisen im Wasser zu informieren. An kommunale Betreiber von Schwimmbädern richtet sich die Forderung für eine fachgerechte Überwachung Sorge zu tragen, erst recht bei Überfüllung von Bädern.

Aus der klinischen Erfahrung ist bekannt, dass die rechtzeitige Rettung bei Ertrinkungsopfer durch schnelle Unterkühlung bessere Überlebenschancen bestehen als bei anderen Ursachen für einen Kreislaufstillstand. Aus diesem Grunde „rentieren“ sich Wiederbelebungsmaßnahmen durch unmittelbare Notfallzeugen. Gerade Eltern sollten deshalb in Erste Hilfe ausgebildet sein, denn ein Ertrinkungstod sollte nach Ansicht der Notärzte nicht schicksalshaft akzeptiert werden.

Der Kampf gegen den Ertrinkungstod ist eine Gemeinschaftsaufgabe, an der alle, jeder Einzelne, die Schule, Organisation, Gemeinden und Behörden mitarbeiten müssen.

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