Max-Planck-Forscher entwickeln neuen Defibrillator


München (idw) – Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und der Universitätsmedizin in Göttingen entwickeln einen neuen Defibrillator, der mit deutlich geringeren Pulsenergien auskommt.

Etwa 100.000 Menschen in Deutschland sterben jährlich am plötzlichen Herztod. Ursache sind häufig Herzrhythmusstörungen wie das Kammerflimmern. Einen langfristigen Schutz bieten bisher nur implantierte Defibrillatoren. Doch die elektrischen Pulse, die diese einsetzen, sind schmerzhaft und können erhebliche Nebenwirkungen haben. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und der Universitätsmedizin in Göttingen entwickeln deshalb einen neuen Defibrillator, der mit deutlich geringeren Pulsenergien auskommt.

Unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) wollen Göttinger Wissenschaftler deshalb nun eine Alternative entwickeln. Grundidee ist, dass bereits eine deutlich schwächere Pulsfolge das Kammerflimmern beenden könnte, wenn sie an mehreren Stellen des Herzens ansetzen würde. Doch anstatt mehrere Elektroden zu implantieren, machen sich die Forscher natürliche Inhomogenitäten im Herzen zunutze. „Solche Stellen sind etwa Blutgefäße oder Fettgewebe. Hier kann ein schwaches elektrisches Feld das Herzgewebe lokal anregen“, erklärt Stefan Luther, Projektleiter am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und Honorarprofessor an der Universität Göttingen. Die Inhomogenitäten wirken somit wie eine Art natürliche Elektrode.

Ausbreitung von elektrischen Impulsen am Herzmuskel. Hochgeschwindigkeitsmessverfahren, die etwa 2000 Bilder pro Sekunde aufnehmen, helfen den Wissenschaftlern die Mechanismen der Defibrillation besser zu verstehen.

Ausbreitung von elektrischen Impulsen am Herzmuskel. Hochgeschwindigkeitsmessverfahren, die etwa 2000 Bilder pro Sekunde aufnehmen, helfen den Wissenschaftlern, die Mechanismen der Defibrillation besser zu verstehen.

„Sollte sich die Technologie durchsetzen, könnten implantierbare Defibrillatoren bei gleicher Sicherheit wesentlich leichter und kleiner gebaut werden“, erklärt der Kardiologe Markus Zabel, der die Abteilung „Klinische Elektrophysiologie“ am Herzzentrum der Universitätsmedizin in Göttingen leitet.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung zeichnete das Projekt gestern, am Donnerstag, den 23. Oktober, mit dem Innovationspreis Medizintechnik aus. Mit der Auszeichnung ist eine dreijährige finanzielle Unterstützung des Forschungsprojektes verbunden.

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