Masern sind auf dem Vormarsch


Marburg (DGK) – Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) warnt vor einer neuen Masern-Epidemie. In der Schweiz hätte sie kürzlich bereits ein Todesopfer gefordert. Es bestünde die Gefahr, dass sich die Masernwelle auch nach Deutschland ausdehne. Nur durch Impfungen lässt sich ein wirksamer Schutz erzielen. Doch Impfmüdigkeit macht es den Masern leicht.

 

Eine ansonsten kerngesunde zwölfjährige Französin aus dem Grenzgebiet Schweiz/Frankreich starb am 29. Januar 2009 in Genf an einer durch das Masernvirus ausgelösten Hirnentzündung. Eine solche Masern-Enzephalits ist die gefürchtetste Komplikation, die mit zunehmendem Lebensalter häufiger auftritt. 30 Prozent dieser so schwer Erkrankten sterben, jeder fünfte Patient trägt bleibende Schäden davon. Das Mädchen war nicht gegen Masern geimpft.

Masernviren machen an Staatsgrenzen nicht Halt, und so wurden schon im vergangenen Jahr nach Meldungen ans Robert Koch-Institut 384 Erkrankungen allein in Baden-Württemberg registriert. Und schon zu Jahresbeginn 2009 gibt es auch in Deutschland wieder Masernfälle, zum Beispiel in Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hamburg.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde rief Ende Januar 2009 nach fünf Masernerkrankungen innerhalb weniger Tage im Stadtteil Harburg die Bevölkerung in der gesamten Hansestadt auf, ihren Impfschutz überprüfen und sich bei Bedarf impfen zu lassen. Erkrankt waren ausschließlich junge, ungeimpfte Erwachsene zwischen 20 und 35 Jahren. „Die Impfung ist der einzige Schutz gegen Masern“, stellte die Gesundheitsbehörde klar.

Im Jahr 2008 wurden in Deutschland 915 Erkrankungen gemeldet – das sind fast doppelt so viele wie 2007 (529). Zum Vergleich: In den USA liegt die Zahl der Erkrankungen normalerweise bei etwa 50 pro Jahr. Daher schlugen die US-Behörden Alarm, als im ersten Halbjahr 2008 dort 131 Menschen an Masern erkrankten. Ein Großteil des Anstiegs führt die US-Behörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) auf den Import aus Europa zurück – insbesondere aus Ländern wie Deutschland, Schweiz, Großbritannien, Rumänien und Italien. Aus diesen fünf Ländern stammen etwa 85 Prozent aller europäischen Masernkranken.

Die Impfung gegen Masern, die in Kombination mit Mumps und Röteln (MMR), eventuell auch mit Windpocken zusammen (MMRV) geimpft wird, muss unbedingt zweimal gegeben werden. Denn etwa fünf Prozent der Geimpften bleiben mit nur einer Dosis ungeschützt, diese Lücken müssen durch die zweite Dosis geschlossen werden.

Je früher der Impfschutz vollständig ist, umso besser. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die erste Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten zu geben, die zweite bis spätestens zum zweiten Geburtstag. Die Impfungen können aber zu jedem beliebigen Zeitpunkt nachgeholt werden. Einzig zu beachten ist, dass zwischen den beiden MMR- bzw. MMRV-Impfungen mindestens vier Wochen liegen.

Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation, bis 2010 die Masern zu eliminieren, rückt mit jedem Masernpatienten in weitere Ferne, denn dazu müssen Durchimpfungsraten von 95 Prozent für beide Impfstoffgaben erreicht sein.

Die Schweiz kam zwischen 1991 und 2000 auf eine Quote von 82 Prozent. In Deutschland lag die Impfquote bei zweijährigen Kindern zwischen 1996 und 2003 jedoch konstant bei nur etwa 70 Prozent. Seitdem hat sich die Impfrate nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zwar verbessert, sei jedoch für eine Eliminierung der Masern noch längst nicht ausreichend.

Nach WHO-Angaben sterben weltweit täglich 540 Menschen an der Krankheit, die meisten von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.

Hinweise, wie der Rettungsdienst mit Patienten bei Verdacht auf Masern verfahren sollte, finden Sie hier.

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