Maritime Notfallmedizin unter 25 grünen Segeln


Düsseldorf/Wilhelmshaven (pr) – Unter den grünen Segeln des legendären Dreimasters „Alexander von Humboldt“ startet die DRK-Wasserwacht Nordrhein am heutigen Freitag ab Wilhelmshaven (Niedersachsen) zu einem Fortbildungs-Törn auf der Nordsee. In der Kooperationsveranstaltung mit dem Bildungszentrum des Westküstenklinikums Heide (Schleswig-Holstein) treffen sich Wasserretter und Notfallmediziner. Fachvorträge, Praxis und eine Übung mit Seenotkreuzern und einem Rettungshubschrauber stehen auf dem Programm.

Medizinisch gesehen ist die Wasserrettung eine besondere Herausforderung für Notärzte und Rettungsdienste. Das theoretische Wissen und insbesondere die persönliche Erfahrung im Umgang mit Wasserunfällen spielen bisher in der Notarztausbildung eine untergeordnete Rolle, sodass das für derartige Notfälle unbedingt notwendige, einsatzspezifische Wissen oft nur unzureichend vorhanden ist.

Die in der Regel ehrenamtlichen Wasserretter werden hingegen durch Aus- und Fortbildung zu spezifisch einsetzbaren Helfern ausgebildet, die entsprechend regionaler oder einsatzbedingter Gefahren die notwendigen fachlichen Einsatzkenntnisse besitzen und als geschulte Ersthelfer die Notärzte mit den entsprechenden Informationen unterstützen können.

Aus diesen Gründen sind die Bildung von Netzwerken zum Wissens- und Erfahrungsaustausch mit der gegenseitigen Unterstützungsmöglichkeit sowie gemeinsame Fortbildungen aller Wasserretter für eine hochwertige qualitative Versorgung von Verunfallten am und im Wasser von unschätzbarem Wert.

Die Fortbildungsveranstaltung auf der Alexander von Humboldt kommt der Forderung einer vernetzten Weiterbildung nach, indem es Wissenschaft und Praxis in der Wasserrettung mit Beiträgen von Experten aus Notfallmedizin, Wasserrettung und angrenzenden Fachgebieten vereint.

In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und der Bundesmarine wird ein Rettungsmanöver im Rahmen einer Mann-über-Bord-Situation realistisch geübt. Daneben finden im laufenden Segelbetrieb auf der „Alexander von Humboldt“ Workshops zu Themen wie kardiopulmonale Reanimation bei akzidenteller Hypothermie, intraossäre Zugänge als Alternative bei hypothermen Patienten, präklinische und innerklinische Behandlung einer Hypothermie, Therapie bei Seekrankheit und chirurgische Primärversorgung mit realitätsnahen Übungen am Schweinemodell unter erschwerten Bedingungen auf See unter der Leitung namhafter Referenten statt. 

Die seit über 20 Jahren als Segelschulschiff eingesetzte Bark „Alexander von Humboldt“ fährt unter 25 Segeln mit über 1000 Quadratmeter Segelfläche. Zur Fortbildung ist sie mit 70 Teilnehmern voll besetzt. Das stolze Schiff (Baujahr 1906) hat bald seine Altersgrenze erreicht: Spätestens 2013 wird es durch eine neue Dreimastbark der Deutschen Stiftung Sail Training ersetzt.

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