Malteser in NRW werden immer häufiger angegriffen


(Foto: Carsten Düpjohann, Malteser)Köln (ots) – Rettungskräfte werden bei ihren Einsätzen immer häufiger behindert: Beschimpfungen und Rangeleien erleben die Sanitäter fast täglich. Angriffe aggressiver oder betrunkener Menschen gefährden die oftmals lebensrettende Arbeit. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Ruhr-Universität Bochum, die die Malteser in Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben haben. An der Befragung beteiligten sich 265 Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes aus 21 Rettungswachen in Nordrhein-Westfalen. Die Studie dient den Maltesern zur Analyse der Arbeitsbedingungen ihrer Rettungskräfte. Ziel soll eine bessere Vorbereitung auf den Einsatz sein.

Die schwierige Arbeit in sozialen Brennpunkten, am Rande von Demonstrationen, Fußballspielen oder Ausschreitungen sowie das berufliche Miterleben häuslicher Gewalt werde zunehmend für die Rettungskräfte zu einer Gefahr, so die Autoren der Studie. Die Zahlen sind nicht repräsentativ, geben jedoch nach Ansicht der Malteser deutliche Hinweise auf das Problem. Behinderungen und Beleidigungen werden von 90 Prozent der Rettungskräfte als Alltagserfahrungen beschrieben. Tätliche Angriffe wären dagegen deutlich seltener. Immerhin geben 63 Prozent aller Antwortenden an, schon einmal tätlich angegriffen worden zu sein. Sie gehörten damit zu den Erfahrungen, die die meisten Rettungskräfte im Lauf ihrer Berufstätigkeit machen müssten.

Vom Angehörigen bedroht, vom Patienten angegriffen

Ferner zeigten sich deutliche regionale Unterschiede: Angriffe seien besonders ein Problem der Großstädte. Unabhängig von der eigenen Betroffenheit würde Gewalt gegen Rettungskräfte mit großer Mehrheit als wichtiges Problem angesehen. Der vorherrschende Eindruck sei, dass sowohl Behinderungen und Beleidigungen als auch tätliche Angriffe in den vergangenen drei Jahren zugenommen hätten. Tätliche Angriffe gingen vor allem vom Patienten selbst aus. Bedrohungen gingen dagegen in der Regel vom Umfeld des Patienten oder von anderen Beteiligten aus, Angriffe seien von dieser Personengruppe eher selten.

Auch wenn es bei der Bedrohung durch Beteiligte selten zu Angriffen käme, seien solche Erfahrungen nicht zu unterschätzen, so die Studie. Sie riefen intensive Angst und erlebte Hilflosigkeit unter den Rettungskräften hervor und könnten langfristige Belastungen zur Folge haben. Diese Situationen werden laut der Befragung fast ausschließlich aus dem Ballungsräumen berichtet.

Eskalation aus kulturellem Missverständnis

Als bedrohlich empfinden viele Rettungskräfte solche Einsätze, in denen das Umfeld der Patienten die Einsatzmaßnahmen nicht versteht. Mangelnde Sprachkenntnisse und unterschiedliche kulturelle Hintergründe können für Befremden und Missverständnisse sorgen. Das könne sich zu einem unberechenbaren Umfeld des Patienten entwickeln. Gründe können laut Studie sein, dass die Bedingungen eines Rettungseinsatzes in der Regel schnelles und intensives Eingreifen beim Patienten verlangen und wenig Raum für die Kommunikation mit Angehörigen oder Freunden ließen.

Gewalt- und Angsterfahrungen im Rettungsdienst bedeuteten psychologisch den Verlust von Handlungskontrolle. Demgemäß wurden von den Rettungskräften bevorzugt Maßnahmen gewünscht, die dazu dienten, die bedrohte Handlungskontrolle wiederherzustellen, beispielsweise durch Deeskalationstrainings. Die Deeskalationstrainings sollten laut Studie stärker die Kommunikation mit dem Umfeld des Patienten (Angehörige, Freunde etc.) in den Mittelpunkt stellen.

Die Malteser planen, Fortbildungen und Trainings auf die typischen Gefahrensituationen zuzuschneiden. Zudem will die Organisation prüfen, ob Sprachkurse, ein höherer Anteil von Rettungskräften mit Migrationshintergrund oder andere Maßnahmen geeignet sind, die Kommunikation mit dem Umfeld zu verbessern.

10 Responses to “Malteser in NRW werden immer häufiger angegriffen”

  1. Philipp on März 22nd, 2011 09:57

    „Zudem will die Organisation prüfen, ob Sprachkurse … oder andere Maßnahmen geeignet sind, die Kommunikation mit dem Umfeld zu verbessern.“

    Die Sprachkurse sollten eher für die Patienten abgehalten werden als für die Einsatzkräfte!

  2. SH on März 22nd, 2011 14:23

    @ Philipp: Stimmt. Leider darf man das in unserem Land nicht laut sagen, denn das ist ja „politisch inkorrekt“. Wie machen uns lieber aus lauter politischer Korrektheit zum Opfer. Ich würde mich für die in anderen Ländern etablierte Null-Toleranz-Politik aussprechen, d.h.: Wer Einsatzkräfte angreift oder beleidigt, wird nicht behandelt. Ohne wenn und aber.

  3. ASBRettSan on März 22nd, 2011 14:49

    Wenn deutsch nicht hilft dann muss englisch reichen. Aber ich werde bestimmt nicht anfangen mich an die Sprachsituation der Patienten anzupassen. Und wenn da einer aufmuckt, muss man mal zeigen wer das Sagen hat.

  4. Chris on März 22nd, 2011 16:12

    Ach naja so ein/zwei/drei…. Sprachkurse in Türkisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Polnisch, Russisch, usw. usw. ist doch was unheimlich Feines.
    Und der nächste Urlaub wird nach dem zuletzt belegten Sprachkurs geplant. 😛

  5. locco on März 23rd, 2011 12:08

    Allein nach mehreren Jahren Schulenglisch ist nur ein geringer Teil der Bundesbürger in der Lage fließend Englisch zu sprechen und zu verstehen. Abgesehen davon würde das auch nicht helfen, da die entsprechende Klientel nicht Englisch beherrschen wird.

    Bei Null-Toleranz sehe ich schon zahlreiche Klagewellen die von in Deutschland gut ausgebildeten ausländischen Rechtsanwälten, die sich nicht davor streuben die Rechte ihrer Mitbürger zu verteidigen und die Hios oder den Staat nach Strich und Faden verklagen.

  6. Bödefeld on März 25th, 2011 14:19

    Mein Gott was für eine sinnlose Fragestellung.
    Es ist in NRW nich anders als in anderen Bundesländern. Fragt uns in Berlin!!
    Überlaßt halt den RD Männern und nicht Gebetsbuchträgern!

  7. grumpf on März 27th, 2011 13:45

    Hmmmm ist aber doch komisch.
    Eine kleine HiOrg wird angeblich so oft in Person der MA angegriffen.
    Gerade in NRW ist doch wohl das DRK und die Feuerwehr am stärksten vertreten. Aber hört man die Jammern und Klagen. NEIN.
    Der MHD gibt lieber Geld für eine sinnlose Studie aus, anstatt sich um die Qualität seines Personals zu kümmern. Dort wo ein Patient nicht als lästiges Übel angesehen wird, geht es auch anders zu.
    Ich kann nicht beurteilen ob die MA des DRK oder der Feuerwehren über mehr Soft Skills verfügen. Aber der Schluß liegt nahe!!!

  8. Status3 on März 27th, 2011 23:50

    @grumpf: Ich kann Ihre Schlussfolgerung NICHT nachvollziehen. Einsatzkräfte des Rettungsdienstes – unabhängig von der Organisation – werden immer häufiger angegriffen. Das ist eine Tatsache. Die Meldung der Malteser ist insofern in keiner Weise eine Neuigkeit und liegt sicher nicht an fehlender Kompetenz des Einsatzpersonals der Malteser. Eine solche Aussage ist eine bodenlose Unverschämtheit!

  9. SteveO on August 9th, 2011 18:50

    Oh je, hier sind echt ein paar ganz tolle Retter vertreten. (Achtung:Ironie)
    @Grumpf: Solch eine Aussage laesst voellige Ahnungslosigkeit vermuten. Durch ihre Auesserung haben Sie sich selbst disqualifiziert, sprechen aber von Qualitaet.

    @Boedefeld: Ueberlasst den Rd echten Maennern…Und Sie sind so ein echter Mann??

    Na dann herzlichen Glueckwunsch zu solch tollem Rettungsdienstpersonal!

  10. Alfred Brandner on Mai 5th, 2012 21:21

    Das Problem wurde schon 2005 erkannt. In Situationen in denen „kluge Worte“ nicht mehr weiter helfen, bedarf es geeigneter Maßnahmen, die geeignet sind Gesundheit und Leben von Rettungsfachpersonal zu schützen.

    Beachte Sie hierzu meinen Beitrag „Notwehr im Einsatz“ auf Retter TV.

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