Luftrettung mit Qualität?


Christoph 28Saarbrücken (rd.de) – Dem medizinischen Qualitätsmanagement in der Luftrettung kommt eine besondere Bedeutung zu, so Dr. Thomas Schlechtriemen, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst (ÄLR) des Saarlands.

Laut Daten der ADAC-Luftrettung und des saarländischen Rettungsdienstes sei der Anteil der Trauma-Patienten in der Luftrettung mit fast 35 Prozent deutlich höher als im bodengebundenen Rettungsdienst (etwas mehr als 12 Prozent), schreibt Schlechtriemen in der Zeitschrift „Notfall + Rettungsmedizin“ (Springer-Verlag, www.notfallundrettungsmedizin.de). Auch die Zahl polytraumatisierter Patienten und pädiatrischer Patienten mit ausgeprägten Beeinträchtigungen der Vitalfunktionen sei im Luftrettungsdienst prozentual deutlich höher als bei den Rettungsmitteln am Boden.

Als Grundlage für ein Qualitätsmanagement müsse die Dokumentation relevanter Daten mit hoher Datenqualität dienen. So nutzen DRF, ADAC-Luftrettung sowie die Bundespolizei die Datenerfassungssysteme MEDAT (DRF, teilweise auch BP) oder LIKS (ADAC, teilweise auch BP). Mit Hilfe dieser Systeme werden Einsätze dezentral an den einzelnen Standorten am PC dokumentiert. Laut Schlechtriemen erreiche dadurch beispielsweise der ADAC eine Datenvollständigkeit von über 99 Prozent.

Als einen wichtigen Qualitätsfaktor nennt der saarländische Notfallmediziner die Aus- und Fortbildung des Personals. Aus den von Schlechtriemen veröffentlichten Zahlen der LIKS-Stationen (ADAC, Bundespolizei und Universitätsklinikum Groningen) zum Jahr 2007 geht hervor, dass etwa Christoph 61 (Leipzig) und Christoph 70 (Jena) bei Einsätzen zu 100 Prozent mit Fachärzten bzw. mit intensivmedizinisch fortgebildeten Fachärzten besetzt waren. An Bord von Christoph 28 (Fulda) flogen hingegen bei über 60 Prozent der Alarmierungen Ärzte in Weiterbildung. Laut Schlechtriemen strebe der ADAC eine Facharztquote von über 70 Prozent an, die auch an den meisten Luftrettungsstandorten eingehalten werde.

Ein Beispiel für die Daten zur Einhaltung der Qualitätsmanagement-Standards auf den LIKS-Stationen sind die Empfehlungen zum Polytrauma. Nach Auswertung der Primäreinsätze zeigte sich etwa, dass die Vorgaben für den venösen Zugang in 99,6 Prozent der Fälle erfüllt wurden. Andererseits konnten die Crews bei 60,8 Prozent der ausgewerteten Einsätze das Ziel, eine Prähospitalzeit von weniger als 60 Minuten zu erreichen, nicht erfüllen.

Um zukünftig Fehler zu vermeiden, sei es wichtig, mit einem „Incident-reporting-System“ die Möglichkeit zur anonymen Meldung von Beinahezwischenfällen oder aufgetretenen Fehlern zu schaffen, betont der saarländische Mediziner (vgl. Rettungs-Magazin, Ausgabe 5/2005). Ein solches System sei in der Luftfahrt schon üblich und werde auch in der Luftrettung zunehmend eingeführt.

Foto: Michael Rüffer

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