Lernen durch lehren


Stuttgart (Thieme) – Herzdruckmassage oder Mund-zu-Mund-Beatmung? Im Notfall kann nur jeder achte Laie korrekte Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen. Um diese Fähigkeiten schon frühzeitig im Leben einzuüben, unterrichteten 73 Medizinstudenten im Rahmen einer Studie lebenserhaltende Maßnahmen in Schulen. Damit lernten nicht nur 1400 Schüler die Wiederbelebung, auch die Studenten festigten ihre praktischen Fertigkeiten deutlich. Außerdem wurde ein Beitrag zur generationenübergreifenden gesellschaftlichen Vernetzung geleistet. Dies war der Inhalt eines Studienprojektes von Dr. med. Jan Breckwoldt, Klinik für Anästhesiologie am Campus Benjamin Franklin der Charité in Berlin, die von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) mit dem „Thieme-Teaching-Award“ ausgezeichnet wurde. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wurde von der Thieme Verlagsgruppe, Stuttgart, gestiftet und im Rahmen des Deutschen Anästhesiecongresses (DAC) im April 2008 in Nürnberg verliehen.

Medizinstudenten im sechsten klinischen Semester müssen ein Praktikum in Notfallmedizin absolvieren. Im Rahmen dieses Praktikums wurden an der Berliner Charité Studierende auf drei verschiedene Unterrichtsmodelle verteilt: 1. Schülern der Klassen 9 bis 11 Wiederbelebungs-Maßnahmen zu unterrichten, 2. einen Tag die Besatzung eines Rettungswagens zu begleiten oder 3. praktischen Unterricht in Notfallmedizin an der Universität zu erhalten. Am Ende des Praktikums wurden alle Studierenden theoretisch und praktisch geprüft. Die Studierenden im Unterrichtsprojekt zeigten dabei im Vergleich zu den Kontrollgruppen deutlich bessere praktische Fertigkeiten in Reanimation besonders bei der Alarmierung des Rettungsdienstes und Herzdruckmassage. Bei den theoretischen Leistungen gab es keine Unterschiede zwischen den drei Gruppen. „Allerdings hätten ein Drittel der Studierenden das Unterrichtsprojekt im Vorfeld nicht ausgewählt“, erklärt Dr. med. Jan Breckwoldt. Trotzdem gaben auch diese eine positive Bewertung ab und hätten sich einen zweiten Unterrichtstermin gewünscht. „Das beschriebene Modell ist damit als neuer Ansatz in der medizinischen Ausbildung gut geeignet, denn durch selbstständiges Unterrichten lernt man besser. Da ist auch eine Übertragung auf andere Studienfächer denkbar“, so Breckwoldt. Auch Schüler und Lehrer waren von dem Projekt begeistert.

Um den „Thieme-Teaching-Award“ können sich Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin mit Arbeiten auf dem Gebiet der Lehre, Fort- und Weiterbildung in Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin bewerben. Bei der Preisvergabe spielen die Originalität der Arbeit, ihr methodischer Ansatz und die Bedeutung und Nachhaltigkeit für die klinische Praxis eine Rolle.

Die 1953 gegründete Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) hat mehr als 10 000 Mitglieder. Die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft veranstaltet jährlich den Deutschen Anästhesiecongress und den Hauptstadtkongress für Anästhesiologie und Intensivmedizin.

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