Landrat will bewährte Strukturen im Rettungsdienst erhalten


Landrat Uwe SchmidtKassel (pm) – Gerade der ländliche Raum sei strukturell auf das ehrenamtliche Engagement in den Hilfsorganisationen angewiesen, glaubt Uwe Schmidt, Landrat des Kreises Kassel. Da das Drängen der EU auf Ausschreibungen im Rettungsdienst seiner Ansicht nach weder zu mehr Qualität noch zu tatsächlichen Kosteneinsparungen führt, fordert Schmidt ein Umdenken der Europäischen Kommission.

„Die bewährten Strukturen im Rettungsdienst und die gute Zusammenarbeit mit den in unserer Region präsenten Hilfsorganisationen müssen erhalten bleiben“, fordert Landrat Uwe Schmidt mit Blick auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das eine europaweite Ausschreibung der Rettungsdienstleistung vorschreibt.

„Ich habe kein Verständnis für die Position des Europäischen Gerichtshofs und der Kommission, auch bei den Rettungsdiensten den europaweiten Wettbewerb durchsetzen zu wollen und dabei die Qualität der Dienstleistung und gewachsene regionale Strukturen außer Acht zu lassen“, so Schmidt weiter. Wenn der Preis das einzige Kriterium sei, ist die Gefahr groß, dass die Qualität der Arbeit leidet. „Zu dieser Qualität gehört eben auch, dass gerade im ländlichen Raum die Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter und die Malteser im ehrenamtlichen Bereich stark verankert sind,“ erläutert der Landrat. Diese lokale Verankerung und das ehrenamtliche Engagement sei integraler Bestandteil des Dienstleistungsangebots der in der Region vorhandenen Hilfsorganisationen. Dies auszublenden, verschärfe die strukturellen Probleme der ländlichen Regionen, da rein privatwirtschaftliche orientierte Anbieter das Ehrenamt nicht im Visier haben.

Mit Blick auf die kommunale Finanzsituation kann der Kasseler Landrat keinen Vorteil in einer europaweiten Ausschreibung erkennen: „Zum einen kostet ein europaweites Ausschreibungsverfahren mehr und zum anderen sind die Kommunen überfordert, das ehrenamtliche Angebot der Hilfsorganisationen aufzufangen“, so Schmidt. Wer die Strukturprobleme des ländlichen Raums mit markliberalen Ideologien lösen wolle, habe entweder die Probleme in den Flächenregionen nicht verstanden oder nehme billigend in Kauf, dass privater Profit vor den Nutzen für die Gesellschaft gehe.

„Sinnvoller wäre daher eine grundsätzliche Vereinbarung darüber, dass bei allen Leistungen für den Erhalt der öffentlichen Daseinsvorsorge der europaweite Wettbewerb nur dann greift, wenn keine öffentlichen Zuschüsse fließen – nur dann kann man nämlich auch von einem freien Markt reden“, wünscht sich Schmidt und fordert mehr Flexibilität seitens der Europäischen Kommission.

6 Responses to “Landrat will bewährte Strukturen im Rettungsdienst erhalten”

  1. Sepp Daxberger on Juli 28th, 2011 21:20

    ich gratulieren den Kasslern zu so einem ……Landrat, der eine komplette Fehlbesetzung ist, denn ansonsten müsste er wissen, dass explezit dann europaweit ausgeschrieben werden muss, je höher die „öffentlichen Zuschüsse“ (Steuergelder) sind. Denn der Bürger hat das Recht für sein Geld ein wirtschaftlichen Anbieter zu bekommen. Vermutlich erhält der Landrat von einem aus dem Kleeblatt eine „Aufwandsentschädigung.
    Außerdem kennt er sich hinsichtlich den „gewachsenen Srukturen“ nicht aus – Das DRK hat seine gewachsenen Strukturen den Nazis und speziell dem Führer zu verdanken und lange bevor es MHD und JUH gab, waren im Rettungsdienst „steuerzahlende“ Privatanbieter zu Gange. Was ist wichtiger? – Ein funktionierender Rettungsdienst mit Profis – oder die Freizeitbeschäftigung für „Ehrenamtliche“ —- Fakt ist, die Aussagen des Landrats sind für die weitere Entwicklung des RD kontraproduktiv und stellen auch eine Diskriminierung der Privat-Unternehmen im RD-KTP dar. Ich würde dem Landrat empfehlen, eventuell die einschlägigen Gesetze zu studieren, bevor er den Mund aufmacht. Aber da steht er mit anderen Polit-Kollegen in einer Reihe, siehe Love-Parade Duisburg mit dem OB Sauerland. Deutschland hat die Politiker die das Volk verdient. Ein Hoch auf alle „Ehrenamtlichen, FSJ, Bundesfreiwiliige usw. – Ihr alle verhindert die Schaffung von Arbeitsplätzen im RD.

  2. Alexander Schreiber on Juli 29th, 2011 10:44

    Was ist wichtiger ist, ein funktionierender Rettungsdienst mit Profis oder Beschäftigungsmöglichkeiten von Ehrenamtlichen?

    Es ist lange her, aber man kann es nachlesen. Im Jahr 1980 im Zusammenhang mit der Diskussion um eine mehrjährige Berufsausbildung für Sanitäter meinte ein „adeliger“ Spitzenfunktionär des MHD dazu:
    Eine sinnvolle Beschäftigung für die Jugend sei wesentlich wichtiger als die optimale Versorgung von Kranken und Verletzten. …

    Es scheint sich in den Köpfen so mancher „Funktionäre in unserem Staat“ nicht viel geändert zu haben!

    RETTUNGSDIENST auf der einen Seite und SANITÄTSDIENST und KATASTROPHENSCHUTZ auf der anderen Seite sind zwei GANZ VERSCHIEDENE DINGE.
    Und Ehrenamtliche im Rettungsdienst, nur als ergänzende (dritte) Kraft !!!
    Dazu muss der RD nicht von Hilfsorganisationen durchgeführt werden. Dazu kann er auch kommunal oder von Privatfirmen durchgeführt werden. …

  3. Branko DRK KV LSZ on August 9th, 2011 10:16

    Will ich als Ehrenamtlicher mal versuchen, den zwei Berufsrettern, zu erklären was hier gemeint ist. Leider wurde versäumt das in dem Artikel besser darzustellen.
    Es geht um die ländliche Sruktur in Hessen. Dort wird vielerorts mit den sogenannten HvO´s ´gerettet´. Das sollte man wissen wenn man Rettungsdienst.de regelmässig verfolgt.
    Es geht im Artikel also nicht um den RD ansich.
    Um den HvO Dienst mit hauptamtlichen Kräften abzusichern währe finanzieller Selbsmord
    Alexander: RD und Kat/SD brauchen einander schon, aber bei Ehrenamtliche nur als dritte Kraft, stimme ich Dir in vollem Umfang zu.
    Herr Daxberger: Voll daneben- Kein Kommentar

  4. SM BRK Niederbayern on August 10th, 2011 19:47

    Vorweg ich bin Hauptberuflich und Ehrenamtlich 🙂 bezahlt werde ich in der Stadtrettung, danach fahre ich aufs Land“ dort bin ich Ehrenamtluch bei einer der vieken UG Rett’s. Ein privater Anbieter würde uns 8 leuten keine RTW hinstellen für unsre mit den Kollegen MHD 5 KM entfernten 125 Einsätzen 2 RTW vom Ehrenamt zahlt kein Privater! Bei uns sowie MHD wird auch unter der Woche mit Hobby’s gerettet ohne die ginge es nicht, was macht da Kollege Privat RA als RS anstellen mit Jahresverträgen und vll RDH oder weniger als Fahrer. Ein EA das im Kat Fall den Laden schmeisst findet nann mit Privaten nicht mehr! RD leistungen sind gekoppelt ans Ehrenamt bei uns 20%. Ihr leben in der Stadt ist sicher sicher aber am Land ist eins sicher das Ehrenamt leistet hier ganze arbeit und rettet wirtschaftlich leben, wer meint Private schaffen arbeitsplätze täuscht sich gewaltig…..

  5. Funthomas on August 11th, 2011 15:28

    Sehr gut der Mann, denn Privatunternehmen haben noch nirgends in Deutschland den Rettungsdienst und die Beschäftigungsbedinungen verbessert – im Gegenteil!!! Klar ist, dass das deren Lobbyisten niemals zugeben wollen, daher sind einige der hier erschienenen Kommentare auch nicht ernstzunehmen!

    Ohne Haup- und Ehrenamt geht in Rettungsdienst nichts und das ist gut so! Und wer immer glaubt die Hauptamtlichen seien grundsätzlich die besseren Retter, der irrt, in unserer Stadt schneiden die Ehrenamtlichen bei den Jahresfortbildungen im Schnitt immer besser ab. Was mich auch nicht dazu veranlasst, zu behaupten die Ehrenamtlichen seien die besseren Retter…. Also cool bleiben. Jeder der qualifiziert ist (persönlich und fachlich) kann derzeit einen Job im Rettungsdienst bekommen egal wo. Und wer besonderen Wert darauf legt kann ja bei den ach so tollen Privaten anfangen, viel Glück!

  6. chrissy on August 11th, 2011 16:13

    SM BRK Niederbayern

    ich versteh leider den Inhalt Ihres Postings nicht so richtig. Das einzige was ich entnehme ist das Sie keine Familie zu haben scheinen. Bei durchschnittlich 240h im Monat würde ich mir kein Bein mehr dafür ausreissen RTW fahren zu dürfen (ohne Entlohnung) und als Dank noch weniger Zeit für meine Tochter zu haben.

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