Kreuzfahrtschiff mit über 3000 Passagieren läuft auf Grund


Santo Stefano (rd.de) – Am Freitagabend lief das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Insel Giglio an der toskanischen Küste auf ein Felsenriff auf und neigte sich zur Seite. Obwohl das 290 Meter lange Schiff quasi direkt vor der Hafeneinfahrt von Giglio kenterte, mussten 3.200 Passagiere und über 1.000 Besatzungsmitglieder in Sicherheit gebracht werden.

Das Riff schlitze den Rumpf des Vorzeigeschiffs der Costa Crocieres auf fast 70 Metern auf. Der Ozeanreise nahm viel Wasser und bekam schnell Schlagseite. Während die Geretteten über chaotische Szenen an Bord gesprochen haben, auch weil wegen der starken Neigung nicht alle Rettungsboote zu Wasser gelassen werden konnten, schienen die Rettungsmaßnahmen an Land erstaunlich gut organisiert zu sein.

Die Insel Giglio selbst hat nur 1.450 Einwohner. Material und Ausrüstung zur Betreuung und Versorgung der Schiffbrüchigen musste über den wenngleich kurzen Seeweg von Santo Stefano auf die Insel gebracht werden. Die verfügbaren Fährkapazitäten zwischen Santo Stefano und Giglio wurden am Wochenende exklusiv für die Rettungsfahrzeuge reserviert. Die lokalen TV-Berichte zeigten in Rettungsdecken eingemummelte Kreuzfahrtpassagiere mit einem Becher Tee in der Hand. Von der Hilfsbereitschaft der Insulaner, die ohne zu zögern Schiffbrüchige privat bei sich aufnahmen, einmal ganz zu schweigen.

Später Notruf

Dabei liefen die Rettungsmaßnahmen schon mit Verspätung an. Der viel kritisierte Kapitän der Costa Concordia funkte kein SOS, sondern informierte die nahe Küstenwache in Livorno, nachdem die Evakuierungsmaßnahmen schon im Gange waren. In der ersten Welle waren es Fischerboote aus Giglio und Schnellbote der Küstenwache, die jenen Passagieren zu Hilfe eilten, die in Panik ins Wasser gesprungen sind. Auf den Bildern der Küstenwache und der ersten Lokalreporter ist zu sehen, mit welchen großen Personalaufgebot sich die Rettungskräfte im Hafen um die Schiffbrüchigen gekümmert haben und das ist eine beachtliche Leistung. Auf dem Foto hier ist zu erkennen, dass etliche Personentender der Costa Concordia noch an die Kaimauer gekommen sind.

In der Unglücksnacht wurden Unfallhilfsstellen für eine erste Triage der Passagiere eingesetzt. Man verlegte nach Angaben des italienischen Zivilschutzes allerdings die medizinische Versorgung nach Porto Santo Stefano, weil dort eine medizinische Infrastruktur vorhanden ist, um Schwerverletzte adäquat zu behandeln. Im Laufe des Samstagvormittag wurden neben Schiffen auch Hubschrauber zur Vermisstensuche eingesetzt. Zugleich wurden über 4.000 Menschen von der Insel Giglio zur Porto Santo Stefano transportiert.

Taucher finden Überlebende und Leichen

Zu den Freiwilligen der ersten Stunden gehörten rund 70 Einheiten verschiedener Organisationen des Katastrophenschutzes. Das Team in Porto Santo Stefano organisierte vor allem die Rückreisen, der zentrale Lageraum stellte den Kontakt zu allen betroffenen Botschaften und Konsulaten her. Viele der geretteten Passagiere hatten weder Ausweispapiere noch Geld, um nach Hause zu reisen.

Einsatztaucher durchsuchten im Schichtdienst das Wrack und fanden dabei ein koreanisches Ehepaar sowie ein Besatzungsmitglied. Alle drei Personen konnten gerettet werden. Danach finden die Taucher allerdings auch zwei Leichen. Spiegel-Online widmete den Tauchern gleich einen ganzen Artikel.

Unfallursache unklar

Fachleuten und Ermittlungsbehörden ist unverändert unklar, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Während sich der Kapitän auf ungenaue Karten beruft, glauben Fachleute, dass ein sehr nahes Anfahren an interessante Küstenlinien inzwischen zum guten Ton der Kreuzfahrer gehöre und unterstellen somit Fahrlässigkeit. Andererseits kann auch ein technischer Defekt noch nicht ausgeschlossen werden. Es gibt Hinweise darauf, dass der Stromausfall dem Auflaufen vorausging. In diesem Fall hätte die Steuerfähigkeit eingeschränkt gewesen sein können.

Mehr zur Costa Concordia auf rettungsdienst.de: Telemedizin an Bord

(Foto: Roberto Vongher, CC)

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