Kopfhörer: Unfall-Gefahr wird oft unterschätzt


HUK-CoburgBerlin (DGU) – Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) weist auf die Gefahr von Stöpseln im Ohr und Kopfhörern im Straßenverkehr hin. Immer häufiger werden Unfallopfer vom Rettungsdienst in Kliniken gebracht, nachdem sie andere Verkehrsteilnehmer nicht wahrgenommen hatten.

Drei Beispiele aus den vergangenen Wochen. In allen Fällen wies die Polizei darauf hin, dass die Unfallopfer Kopfhörer oder Ohrstöpsel trugen:

•    Ulm, 23. April 2014: Auf der Aalener Straße wird ein 25-jähriger Fußgänger von einem Pkw angefahren und schwer verletzt. Der Mann war unvermittelt auf die Fahrbahn gelaufen.

•    Köln, 24. April 2014: Im Stadtteil Lindenthal wird eine junge Frau mit ihrem Mountainbike von einer Straßenbahn erfasst. Sie wollte die Gleise überqueren und nahm die nahende Bahn nicht wahr. Die Frau stirbt noch an der Einsatzstelle aufgrund massiver Kopfverletzungen.

•    Stuttgart, 1. Mai 2014: Eine 22-jährige Fußgängerin erleidet schwere Verletzungen, als sie die Stadtbahngleise überquert und von einem Zug erfasst wird.

Unfallstatistisch wird nicht erfasst, wie viele Menschen aufgrund lauter Musik über Kopfhörer und Ohrstöpsel verunglücken. „Viele Radfahrer, Jogger und Fußgänger tragen jedoch heutzutage die Stöpsel von iPods und ihren Smartphones im Ohr, weil sie auch unterwegs auf Musik, Telefonate oder Hörspiele nicht verzichten wollen“, erläutert Professor Reinhard Hoffmann, Generalsekretär der DGU. „Leider müssen wir in den Unfallkliniken immer wieder Verletzte und Schwerverletzte versorgen, die wichtige Signale überhört haben und dann verunglückt sind“, so Professor Dr. Hoffmann, der als Ärztlicher Direktor und Unfallchirurg an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt am Main tätig ist.

Wichtige Warnsignale im Straßenverkehr sind Hupen, Klingeln, Fahrzeuggeräusche wie ein herannahender Zug an einem Bahnübergang oder Motorengeräusche von Autos und Motorrädern. „Hört ein Verkehrsteilnehmer diese akustischen Signale nicht, kann das zu unvorhersehbaren Handlungen wie beispielsweise dem plötzlichen Queren einer Straße führen und somit schnell zu einer gefahrenvollen Situation werden“, so Professor Dr. Hoffmann.

Die Unfallchirurgen der DGU raten deshalb, ob Autofahrer, Fahrradfahrer, Fußgänger oder Jogger, ganz auf Ohrstöpsel und Kopfhörer im Straßenverkehr zu verzichten.

„Sehen und Hören sind die wichtigsten Wahrnehmungssinne im Straßenverkehr. Durch das Musikhören können jedoch wichtige Warnsignale nicht wahrgenommen werden – ein unnötiges Unfallrisiko für die Verkehrsteilnehmer“, sagt Professor Dr. Hoffmann.

Ein Fahrzeugführer sei laut Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht beeinträchtigt würden, erinnert die DGU in einer Mitteilung. Kopfhörer seien auf dem Fahrrad verboten bzw. nur dann erlaubt, wenn die akustische Wahrnehmung nur ganz unwesentlich beeinträchtigt sei. Das Tragen von Ohrstöpseln sei in einem Ohr erlaubt, wenn man mit dem anderen Ohr alles gut wahrnehmen könne.

Für Fußgänger und Jogger gibt es eine solche direkte gesetzliche Einschränkung nicht. Auch sie müssen sich aber so verhalten, dass sie andere nicht gefährden oder behindern.

(15.05.2014; Symbolfoto: HUK-Coburg)

One Response to “Kopfhörer: Unfall-Gefahr wird oft unterschätzt”

  1. Sepp Daxberger on Mai 12th, 2014 21:21

    Wie sagte schon vor einiger Zeit Jemand, Deutschland verblödet, dabei ist es unwichtig, ob man mit Ohrstöpsel, Kopfhörer und Handy fernab jeglicher Wahrnehmung am Straßenverkehr teilnimmt oder mit einem Pappbecher mit Kaffee über die Straßen rennt, ohne das Umfeld wahrzunehmen.
    Leider nimmt die Dummheit der Jungen immer mehr zu, kann man täglich auf den Straßen sehen. Früher liefen die jungen Weiber mit der Zigarette in der Hand rum, heute haben sie halt Handy und Stöpsel.

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