„Kölner Infarkt-Modell“ könnte Schule machen


Köln (idw) – Bei medizinischen Notfällen sollte es schnell gehen. Da bleibt kaum Zeit für administrative Dinge. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat daher Technologien entwickelt, die dabei helfen sollen, alle Abläufe von der Notfallversorgung über die Operation bis hin zur Abrechnung leichter zu organisieren. Dem Rettungsdienst fällt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Als Patient muss man in der Regel darauf vertrauen, dass Rettungsfachkräfte, Notärzte und Klinikpersonal alles richtig machen. Beispielsweise sollten bei einem akuten Herzinfarkt Rettungsdienst, Klinik und Herzkatheter-Spezialisten reibungslos zusammenarbeiten. Dieses Ziel verfolgen der Rettungsdienst Köln sowie alle Kliniken der Stadt. Sie haben sich unter Leitung von Professor Hans W. Höpp (Herzzentrum Uni-Klinik Köln) zur Initiative „Kölner Infarkt-Modell“ zusammengeschlossen.
 
Eine Verbesserung, die aus der Initiative heraus entstanden ist: Das EKG des Patienten wird schon von der Einsatzstelle automatisch an die nächstliegende Klinik übermittelt. Im dortigen Interventionszentrum kann der diensthabende Herzspezialist das EKG beurteilen und weitere Maßnahmen veranlassen. Gleichzeitig erlaubt die frühzeitige Diagnose die umgehende Alarmierung des Herzkatheterteams. So steht alles bereit, wenn der Patient eintrifft. Dank der Software, die das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) seit 2011 unter dem Namen „ECG Navigation Systems“ (ENAS) für das Kölner Projekt entwickelt, funktioniere diese Reaktionskette in der Dom-Stadt reibungslos, teilte die Fraunhofer-Gesellschaft mit.

Kern ist die informationslogistische Infarktzentrale
 
„Das System arbeitet mit vorhandenen Hardwarekomponenten. Kern der Innovation ist die informationslogistische Infarktzentrale, die von uns vollständig neu entwickelt wurde“, erklärt Projektleiter Sven Meister vom Fraunhofer ISST. „Sie überträgt die Daten und sorgt dafür, dass sie intelligent verarbeitet und verteilt werden.“

So sei es beispielsweise wichtig, dass der Rettungswagen mit der nächstgelegenen Klinik Kontakt aufnimmt, damit die Zeit bis zur klinischen Versorgung so kurz wie möglich ist. Außerdem wählt das System anhand der Dienstpläne den richtigen Arzt als Ansprechpartner im Interventionszentrum aus und leitet die Informationen an ihn weiter. Dieser Arzt prüft, ob ein Platz in der Klinik frei ist, ob die Kapazitäten der Intensivstation nicht ausgelastet sind und leitet diese Information wiederum an das Rettungsteam im RTW weiter.
 
Technisch realisieren die Forscher das mit Hilfe einer zentralen Vermittlungsstelle als Knotenpunkt, an die per Fax die EKG-Daten gesendet werden. Dort werden sie dann so aufbereitet, dass der Arzt im Interventionszentrum – der mittlerweile per SMS auf seinem Smartphone benachrichtigt wurde – die Kurven und Daten auf dem Faxgerät der Station schnell erfassen und beurteilen kann. Seine Rückantwort geht erneut an die Vermittlungsstelle, die alles weitere veranlasst.

„Momentan sind wir in der Evaluierungsphase“, sagt Sven Meister, „danach soll das Pilotprojekt auf mehrere Kliniken ausgeweitet werden. Wenn es sich in Köln bewährt, könnte es auch in anderen Städten und Regionen zum Einsatz kommen.“

(Foto: Markus Brändli)

13 Responses to “„Kölner Infarkt-Modell“ könnte Schule machen”

  1. Henning on Februar 1st, 2013 11:57

    Nicht wirklich Neue.
    Mit der Richtigen Ausstattung kann jedes EKG das auch schon von Haus aus die Daten an eine Fax senden.
    Was ich mich frage ist warum man auf die „alte“ Technik Fax zurück gegriffen hat? Eine Internetplattform wäre doch viel einfacher , Kosten günstiger. Somit könnte jeder Mediziner egal wo er gerade ist sich kurz einloggen , sehen was wo wie los ist.

  2. Stefan on Februar 1st, 2013 14:55

    Ich wäre schon froh darüber wenn wir auf jedem RTW ein 12-Kanal EKG ohne Telemetrie zu Verfügung hätten. Bislang haben wir nur auf dem NEF ein 12 Kanal aber mit Telemetrie-Fax. Gerade in der ländlichen Raum kommt es dann zu unnötigen Verzögerungen wenn man bei einer NA Nachforderung dann nochmals die entsprechende „Hilfsfrist“ abwarten muss.

  3. Joerg Badminton via Facebook on Februar 1st, 2013 16:29

    schöne sache,bloss in berlin, wegen der sparmassnahmen nicht umsetzbar

  4. Dennis Giller on Februar 2nd, 2013 11:38

    Das handhabt man bei uns im LK schon seit gut 15 Jahren so.

  5. Matt on Februar 2nd, 2013 18:40

    Wow… da hat mal wieder jemand das Rad neu erfunden. Da kauf ich mir lieber http://fastecg.com/ für 3.00 CHF und erreiche nahezu das ähnliche Ergebnis. Und welche die nächste Klinik mit entsprechenden Kapazitäten ist, weiss in der Regel entweder die Besatzung oder die Leitstelle.

  6. Wolfgang on Februar 2nd, 2013 20:49

    Was soll jetzt daran neu sein?

    Das wurde in Ba-Wü schon vor fünf Jahren praktiziert, mit dem Effekt, dass der Kardiologe der Meinung war, ein Notarzt könne ohnehin kein EKG interpretieren. Nur, dem Standesdünkel eine obenauf gesetzt: Mittlerweile erkennen fite RA´s ein sick-sinus ebenso treffsicher, wie einen wandernden Schrittmacher – durch konsequente Schulung und EKG-Befundung mit Supervision…..

  7. Hanseretter on Februar 3rd, 2013 22:41

    Können Rettungsdienstler unter 30 Lebensjahren eigentlich noch ohne drahtlose Kommunikation arbeiten, geschweige denn leben?

  8. Gerd on Februar 4th, 2013 18:43

    Wahnsinn! Da kann ein EKG als Fax versendet werden. Das ist ja geradezu legen—-där.
    Gut das es -wie bei uns- schon digitale Übertragung vom Lifepak 12/15 in jede unserer drei Infarktzentren gibt. Seit mindestens 3 Jahren, ausfallsicher und kostengünstig.
    Selbst der C3 kann das wohl schon. Ohne Fax.

  9. Snake P on Februar 5th, 2013 07:24

    An alle, die es besser können und hier auch kommentieren. Hier wird auf dem Fax als Informationsträger herumgenörgelt,. dabei geht es in dem Artikel resp. Infarkt-Modell um einen kompletten Alauf, bei dem das Fax nur ein kleiner Baustein ist. Auch ist die EKG-Beurteilung in der Klinik nur ein Baustein des Ganzen. Dass andere Geräte dies oder das „besser“ können (ganz abgesehen von den topfiten Rettern), steht auf einem anderen Blatt Papier. Wie schon ein anderer Kommentator geschrieben hat: Ich weiß nicht, wie wir bisher ohne die Smartphones überlebt haben – wahrscheinlich mit korrekter Rechtschreibung und gutem Deutsch.

    Das „Modell“ als solches ist gut, da helfen keine Apps für 3 CHF oder Sick-Sinus-erkennende RAs oder gar die Leitstelle.

    q.e.d.

  10. tangotango on Februar 5th, 2013 16:35

    „Können Rettungsdienstler unter 30 Lebensjahren eigentlich noch ohne drahtlose Kommunikation arbeiten, geschweige denn leben?“

    Diese Frage wird weder den Kollegen, noch den Patienten oder den Möglichkeiten gerecht. Eine ähnliche geartete Frage wäre, ob die RD’ler unter 30 nicht ohne Roll-in Trage auskommen können.

    Antwort: Doch, würde gehen. Nur wäre das, angesichts der heutigen Möglichkeiten, für keinen auf Dauer wirklich gut. Im Falle der „drahtlosen Kommunikation“ verhält es sich genauso.
    Natürlich ist es gut, wenn ein RD’ler das EKG lesen und interpretieren kann. Auch gut ist es, wenn der NA dazu fähig ist.
    Noch besser ist es, wenn ein Kardiologe/Spezialist das in die Hände bekommt und die richtigen Maßnahmen auf klinischer Seite veranlasst. Wenn der gesamte Ablauf, auch auf der Seite RD, dadurch reibungsloser wird, z.B. Klinikzuweisung, kann daran nichts falsch oder überflüssig sein.

  11. Thorben on Februar 6th, 2013 00:43

    In Alberta (Kanada) senden wir schon seit einigen Jahren unser STEMI EKG zur Kardiologie, damit dort der diensthabenden Kardiologe schonmal draufschauen und alles weitere veranlassen kann. Der Uebertragungsweg geschieht dabei via LP12 oder LP15 mit dem Tablet und der Physio Control Anwendersoftware „Lifenet“.

  12. Hanseretter on Februar 6th, 2013 13:09

    Zu tangotango

    Dass es diese Möglichkeiten gibt, kritisiere ich gar nicht, aber ich erlebe in der Praxis zu oft, dass Kollegen sich viel zu sehr auf die Technik verlassen. Angefangen beim Navi über was ich nicht im elektronischen Notfallprotokoll anklicken kann, trage ich auch nicht ein, bis zur automatischen Diagnosestellung und Telemetrie beim EKG.
    Früher nervten die jungen Kollegen, weil sie alles wussten, heute, weil sie nix mehr wissen, aber Geräte bedienen können.

  13. tangotango on Februar 6th, 2013 16:56

    Ah so meinst du das. Ja, _da_ stimme ich dir zu!

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