Klinikdirektor an der Rettungsschere


Mainz (ASB) – Es soll sie wieder geben: die Mainzer Trauma-Tage. Darin waren sich die Teilnehmer dieser Fortbildung einig, die der ASB-Kreisverband Mainz-Bingen am vergangenen Wochenende in Mainz veranstaltete. Die erste Veranstaltung dieser Art lässt optimistisch in die Zukunft blicken.
Die Zusammenarbeit zwischen Notfallmedizin, Feuerwehren und Rettungsdienst am Einsatzort zu optimieren, war das Ziel der interdisziplinär ausgerichteten Veranstaltung. Gemeinsames schnelles und fachgerechtes Handeln, orientiert an den modernen Anforderungen der Notfallrettung, stand im Mittelpunkt des vielfältigen praktischen Einsatztrainings.

An verschiedenen Stationen hatten die Teilnehmer am Sonntag geübt, eingeklemmte Unfallopfer aus Pkws und Lastwagen zu retten. Dabei wechselte an jeder Übungsstation das Szenario – mal stand der Unfallwagen noch auf seinen Rädern, mal lag er auf der Seite oder dem Dach.

Auch Prof. Dr. med. Christian Werner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Schmerztherapie, Intensiv- und Notfallmedizin der Universitätsmedizin Mainz und Schirmherr der 1. Mainzer Trauma-Tage, griff am Sonntag zur Rettungsschere. Die sinkende Zahl der Verkehrstoten sei kein Grund sich zurückzulehnen, mahnte er. „Es gibt immer noch genug verheerende, berührende Unfälle.“

Neben schweren Verkehrsunfällen sind außerdem Stürze aus großer Höhe die Hauptursachen des Polytraumas, der lebensbedrohlichen Mehrfachverletzung. Nach Schätzungen von Experten gibt es in Deutschland bis zu 38.000 Fälle pro Jahr. Je schneller eine umfassende medizinische Versorgung beginnen kann, desto höher ist die Überlebenschance der Unfallopfer. Deshalb zählt jede Sekunde.

Die Herausforderung liegt dabei in der Schnittstelle zwischen technischer und medizinischer Rettung, also in der Kommunikation der einzelnen Fachkräfte, die nicht täglich zusammenarbeiten.

Während die neuesten medizinischen Aspekte der Traumaversorgung ebenso wie moderne technische Unfallhilfe am Samstag im theoretischen Teil der Fortbildung umfassend vermittelt wurden, demonstrierten die Ausbilder am Sonntag neben den realitätsnahen Übungen an Unfallfahrzeugen zusätzlich an Neuwagen der Firmen Mercedes und Toyota die Besonderheiten modernster Fahrzeugtechnologie.

Auch die psychologischen Aspekte der Versorgung eingeklemmter, schwerstverletzter Patienten wurden während der Mainzer Trauma-Tage nicht vergessen. So musste sich im Rahmen des praktischen Einsatztrainings jeder Teilnehmer der Fortbildung mindestens einmal in die Rolle des „Unfallopfers“ begeben, damit er dessen Ängste in der Notfallsituation wenigstens ansatzweise nachempfinden kann.

Außerdem präsentierten sich beim ASB Mainz-Bingen am Sonntag mit Höhenrettungs- und Schnelleinsatzgruppe nicht nur eigene Kräfte, sondern auch befreundete Hilfsorganisationen und Feuerwehren. Am auffälligsten war dabei der Wagen der Feuerwehr Boehringer Ingelheim mit dem auf mehr als 50 Meter Höhe ausfahrbaren Teleskopmast. Aber auch die Fahrzeuge und Einsatzgeräte des Technischen Hilfswerks, Ortsverband Mainz, und der Berufsfeuerwehr stießen auf reges Zuschauerinteresse. Hinzu kam eine umfangreiche und vielfältige Industrieausstellung.

Als „einen Riesenschritt in die richtige Richtung“ werteten Vertreter von Politik, Notfallmedizin, Rettungsdienst und Feuerwehr die 1. Mainzer Trauma-Tage. „Gemeinsames Verständnis ist unwahrscheinlich wichtig, um Unfallopfern schnell und zuverlässig helfen zu können“, so Björn Patzke, Stellvertretender Amtsleiter der Berufsfeuerwehr Mainz.

Hermann-Josef Gundlach vom rheinland-pfälzischen Ministerium des Innern sieht denn auch in den Mainzer Trauma-Tagen eine gelungene Ergänzung der steten Bemühungen des Landes um eine gute Ausbildung und Vernetzung seiner Rettungskräfte.

„Wenn wir es nicht gut machen, stehen wir uns im Weg. Wenn wir es richtig machen, dann ergänzen wir uns“, bilanzierte Roland Trocha, Stellvertretender Vorsitzender des ASB-Kreisverbandes Mainz-Bingen.

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