Keine Alternative zur Haustürwerbung


Bonn (rd.de) – Die aktive Mitgliederwerbung an der Haustür, so versichern die Hilfsorganisationen einhellig, sei für die Organisationen unabdingbar notwendig. Doch vergeht kein Jahr, ohne negative Schlagzeilen. Den Imageschaden baden die aktiven Mitarbeiter aus.

Mitglieder für den Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e. V. (ASB) werden mit Drücker-Methoden geworben, berichtete die Wirtschafts- und Verbrauchersendung „Markt“ kürzlich im NDR-Fernsehen. Im Mittelpunkt stand die menschenunwürdige Behandlung von Mitarbeitern der Drücker-Kolonne. Die regelmäßigen Aufregungen über abstoßende Geschäftspraktiken der beauftragten Werbefirmen scheinen unvermeidbar zu sein. Die Folgen bekommen die aktiven Helfer teilweise drastisch zu spüren, zum Beispiel, wenn echte Mitarbeiter in Rettungsjacken auf offener Straße beschimpft werden, weil ein Werber der armen Mutter drohte, dass ihr niemand helfe, wenn Sie nicht Mitglied wäre.

Das sind sie also, die gepriesenen Methoden der gut ausgebildeten Kommunikationsprofis, die sympathisch und emphatisch daherkommen und den neu geworbenen Fördermitgliedern das gute Gefühl vermitteln, heute mal etwas wirklich sinnvolles getan zu haben. In Wahrheit rettet sich manch ein Haustürwerber verängstigt, holpernd und stolpernd durch auswendig gelernte Aufsager, während sich erfahrene Werber großspurig als Rettungsprofis zu erkennen geben.

Die Frauen und Männer vor der Haustür, die sich als Rettungssanitäterin oder Rettungssanitäter ausgeben sind arm dran und brauchen das Geld, genauso wie die beworbenen Organisationen: Der ASB muss zur Finanzierung seiner gemeinnützigen Aufgaben zur Hilfe am Menschen jährlich mindestens 180.000 neue Mitglieder werben. Umzug, Tod und Austritt müssen über neue Mitglieder wieder ausgeglichen werden, sonst stehen Dienste auf der Kippe, begründet der Arbeiter-Samariter-Bund die Notwendigkeit der Haustürwerbung.

Klinkenputzen rechnet sich

Insgesamt schätzt man die Finanzierungslücke der Wohlfahrtsverbände auf 10 – 15 Prozent des Gesamtbudgets. Die Risiken wegen eines Imageverlustes werden hierbei in Kauf genommen, denn Studien der Praxis des Sozialmarketings zeigen, dass bei Haustürwerbung viele Mitglieder gewonnen werden – und das zahlt sich aus.

Im Handbuch „Grundlagen und Methoden des Fundraisings“ der Main Fundraising Akademie lässt sich nachlesen, dass die Haustürgeschäfte einträglich sind. Jedes geworbene Mitglied zahlt im Schnitt 70 Euro pro Jahr und bleibt dem Verband im Schnitt sechs Jahre erhalten. Macht summa summarum 420 Euro. Die vom ASB Bundesverband veröffentlichten Zahlen liegen mit 51 Euro pro Jahr und einer Mitgliedsdauer von sieben Jahren (352 Euro) leicht darunter. Die Gesamtkosten der Werbung belaufen sich auf durchschnittlich 36 Euro und betragen damit rund 10 Prozent des Beitragsaufkommens. Durch Berichte über die Arbeitsbedingungen der geschundenen Haustürwerber weiß man leider auch, weshalb sich Haustürwerbung so problemlos rechnet.

Die aktiven und ehrenamtlichen Einsatzbereitschaften wollen die Hilfsorganisationen mit der eher unangenehmen Aufgabe der Mitgliedergewinnung an der Haustür nicht verschleißen. Zwar wäre das authentische Auftreten ein Gewinn, doch Haustürwerbung gilt als Tätigkeit mit hohem Frust-Potenzial. Somit ist anzunehmen, dass die nächsten Negativschlagzeilen durch unseriös auftretende Haustürwerber nicht lange auf sich warten lässt. Für die aktiven Kräfte heißt es dann mal wieder Ohren zu und durch, weil der Zweck die Mittel heiligt.

(07.05.2010)

One Response to “Keine Alternative zur Haustürwerbung”

  1. Jörn on September 4th, 2012 22:22

    Ein besonders krasses Beispiel ereignete sich dieser Tage in einem Einkaufszentrum in Duisburg:

    vgl. http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/noch-einen-angenehmen-unfalltod-id7057827.html vom 04.09.2012

    Nach Angaben der Sprecherin der betroffenen Stiftung handelt es sich dabei aber nur um einen, wenn auch bedauerlichen „Einzelfall“.

    Abendliche Grüße aus dem Südwesten

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