JUH setzt auf Ross und Reiter


Harburg (rd.de) – Die Sanitätsreiterstaffel der Johanniter in Hamburg-Harburg kommt problemlos an Unfallstellen, die für ein Auto nur schwer zu erreichen sind. Die Ausbildung der berittenen Sanitäterinnen und Sanitäter stellt hohe Anforderungen.

Seit 2001 leisten die berittenen Johanniter in Harburg (Niedersachsen) und Umgebung bei Bedarf Erste Hilfe. Gründerin Birgit zum Felde, passionierte Reiterin, hatte damals ihr Hobby mit dem Sanitätsdienst verbinden wollen. So entstand die Idee zur Reiterstaffel.

Zur Zeit befindet sich die Staffel nach einer Umstrukturierung im Neuaufbau. Martina Leffrang (48), Arzthelferin und aktive Rettungsassistentin, sowie Mandy Meyer (23) leiten die Harburger Staffel seit Sommer 2009. Inzwischen zählt die Gruppe fünf aktive Reiter mit sechs Pferden und derzeit zehn Interessenten. Weitere Mitglieder werden gesucht, um eine leistungsstarke Reiterstaffel zu bilden.

Martina Leffrang reitet einen 17-jährigen Hannoveraner Wallach namens „Powergame“, Mandy Meyers Pferd „Amigo“ ist ein 7-jähriger Reitponywallach. Die Staffelmitglieder arbeiten ehrenamtlich, und die Pferde gehören nicht etwa den Johannitern, sondern den Reitern der Staffel selbst.

„Wir hatten an diesem Wochende ein Staffeltreffen, und dort war eine vierjährige Stute“, erzählt Matina Leffrang sichtlich angetan. „Das Alter von vier bis fünf Jahren ist ideal. Diese Tiere sind noch jung und neugierig. Sie lassen sich besonders gut trainieren.“ Die junge Stute tolerierte laute Musik aus dem Auto jedenfalls ohne mit der Wimper zu zucken.

Anspruchsvolle Ausbildung

Während es sich bei den Reiterinnen und Reitern der Sanitätsstaffel um ausgebildete Rettungsassistenten und Rettungssanitäter handelt, durchlaufen alle Mitglieder der Reiterstaffel eine Zusatzausbildung nach bundesweit einheitlichen Ausbildungsrichtlinien, die dem Schutz des Tieres, des Reiters und der Menschen im Umfeld dient.

„Der Reiter muss sein Pferd beherrschen; er muss wissen, wie sein Tier reagiert und wie er damit umgehen soll“, erläutert Leffrang. Der Reitstil ist hingegen kein Kriterium. Es gibt Western-, Distanz-, Freizeitreiter, aber auch Turnierreiter in der Staffel.

Auch die Pferde müssen ein intensives Trainingsprogramm durchlaufen. Im Einsatz geht es oft laut und hektisch zu.  Pferde, die von Natur aus Fluchttiere sind, müssen auch im Tumult Ruhe bewahren und dürfen nicht panisch weglaufen oder gar ausschlagen und somit Menschen gefährden – eine Herausforderung für die Ausbildung.

Die Sanitätsreiter gehen deshalb beim Training unter anderem nach der „Pat Parelli Methodik“ vor, welche gewaltfrei auf einem natürlichen Verständnis der Pferde basiert. Das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter muss stimmen, dann lernen die Pferde allmählich, sich auf das Training einzulassen und gelassen auf lärmende Autos, schreiende Kinder, Feuer oder die Sirene und das Blaulicht eines Rettungswagens zu reagieren. Erst dann ist es möglich, mit einem Pferd Festumzüge und musizierende Spielmannszüge zu begleiten.

Rettung auf vier Beinen

Die Reiterstaffel ist medizinisch gut ausgerüstet. In den Satteltaschen transportieren die Johanniter alles, was sie im Einsatzfall benötigen: Von Pflaster und Verbandmaterial über Infusionen bis hin zum Beatmungsbeutel ist alles verstaut. Sogar ein Defibrillator ist griffbereit. Außerdem wird bei jedem Einsatz immer ein Funkgerät und ein Handy mitgeführt.

In Menschenmengen sind die Reiter oft schneller als der Rettungswagen zur Stelle. In den Sommermonaten leisten sie auf Reit-, Fahr-, Lauf- oder Wander-Veranstaltungen Sanitätsdienste. Hoch zu Ross begleiten sie zum Beispiel Jagdgesellschaften und großflächige Turniere. Auch in der Lüneburger Heide patrouillieren Pferd und Reiter. Dort helfen die Johanniter Wanderern und Ausflüglern bei Verletzungen.

Rettung im Watt

Im Sommer 2009 war Martina Leffrang als Johanniter-Sanitätsreiterin im Watt bei Cuxhaven im Einsatz, um Touristen Erste Hilfe leisten zu können. Leffrang und ihr Pferd „Powergame“ begleiteten eine Woche lang die Reiter der Polizei auf ihrer Streife. Bei den Wattwanderern und Hobby-Reitern zwischen Neuwerk, Sahlenburg, Duhnen und Döse kam das Projekt gut an.

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