Johanniter verleihen Hans-Dietrich-Genscher-Preis


v.l.n.r.: Hans-Peter von Kirchbach, David Mockrowski, Markus Werle und Hans-Dietrich Genscher (Foto: JUH) Hannover (JUH) – Die diesjährigen Träger des Hans-Dietrich-Genscher-Preises und des Johanniter-Juniorenpreises wurden am 19. Mai im Alten Rathaus zu Hannover bekannt gegeben. Die Auszeichnungen gingen nach Bremen und Ennepetal.

Die Wahl für den Preisträger des Hans-Dietrich-Genscher-Preises 2011 fiel auf Markus Werle, einen 39-jährigen Krankenkassenbetriebswirt aus Bremen. Markus Werle bewahrte im Januar dieses Jahres 28 Menschen durch beherztes Eingreifen vor einem Unglück.

Die Fußball-Leistungsmannschaft U11 von Werder Bremen befand sich auf der Rückreise von einem Turnier in Neu-Ulm bereits in Höhe Soltau auf der A7, als die Frontscheibe des Reisebusses in Kopfhöhe des Fahrers plötzlich von einer schweren Eisenfeder durchschlagen wurde. Der Busfahrer erlitt schwere Gesichtsverletzungen und brach über seinem Lenkrad zusammen. Er war bei Bewusstsein, aber völlig orientierungslos und konnte durch die Glassplitter in den Augen auch nicht mehr sehen. Durch den Knall und das Verreißen des Lenkrades schreckten alle 28 Businsassen auf, blieben jedoch unverletzt. Der Bus driftete nach links Richtung Mittelspur. Markus Werle, der direkt hinter dem Busfahrer saß, übernahm den führerlosen Bus, indem er das Lenkrad, neben dem Fahrer stehend, in gebeugter Haltung übernahm und den Bus nach einigen Metern sicher auf dem Seitenstreifen zum Stehen brachte.

„Die Auszeichnung stellt Menschen in den Mittelpunkt, die durch tatkräftigen Einsatz dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft eine menschliche und warme ist. Der Preisträger hat nicht lange überlegt sondern beherzt und engagiert gehandelt, das ist beispielhaft und verdient höchste Anerkennung“, so Hans-Dietrich Genscher beim Festakt.

Der Johanniter-Juniorenpreis 2011 ging an David Mockrowski (14) aus Ennepetal. Der zum Zeitpunkt des Geschehens 13-Jährige nahm im Oktober 2010 an einem Fußballspiel der „Alte Herren“-Mannschaft in Wuppertal-Barmen teil, sein Vater war an diesem Tag als Spieler vor Ort. Während des Spiels brach einer der Mitspieler plötzlich auf dem Spielfeld zusammen. Zunächst dachten alle an einen Scherz, da der betreffende Spieler stets ein lustiger Mensch gewesen ist, dem solche Späße zuzutrauen wären. Schnell wurde jedoch klar, dass es sich um eine ernste Situation handelte. Davids Vater rief seinen Sohn herbei, der bei der Johanniter-Jugend aktiv ist und schon früh die Grundlagen in Erster Hilfe vermittelt bekam. David stellte bei dem 67-jährigen Spieler einen Herz-Kreislauf-Stillstand fest und begann mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Lediglich ein weiterer Spieler unterstützte ihn bei der Beatmung. Als der Rettungsdienst eintraf und die weiteren Maßnahmen übernahm konnte bereits wieder ein Sinusrhythmus im EKG festgestellt werden. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er leider wenige Wochen nach dem Ereignis verstarb.

Die Übergabe der Auszeichnungen übernahm auch in diesem Jahr wieder Hans-Dietrich Genscher persönlich. Zur Jury gehörten neben Prof. Dr. Horst Wilms, Bundesarzt der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) und dem JUH-Präsidenten Hans-Peter von Kirchbach der Niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann, Hannovers Bürgermeister Bernd Strauch, Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V., und Hannovers Fußball-WM-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die auch die Laudatio zum Johanniter-Juniorenpreis hielt.

Der Hans-Dietrich-Genscher-Preis, der heute bereits zum neunten Mal verliehen wurde, richtet sich an Erwachsene, die sich in der Notfallrettung, der Rettungsmedizin oder als Lebensretter besonders verdient gemacht haben. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert. Mit dem Johanniter-Juniorenpreis werden Leistungen von Nachwuchsrettern bis zu einem Alter von 18 Jahren mit Sachpreisen ausgezeichnet.

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