Japan: Deutsche Teams im Erdbeben-Einsatz


Lage des Atomkraftwerks Fukushima. Grafik: GeofonTokio (rd.de) – Nach dem verheerenden Erdbeben, das Japan am Freitagmorgen heimsuchte und einen Tsunami auslöste, ist die internationale Hilfe angelaufen. Auch aus Deutschland sind Teams vor Ort, um den Menschen im Katastrophengebiet zu helfen. Ein großes Problem stellte derzeit offenbar die unklare Lage im Atomkraftwerk Fukushima dar.

Wie das Technische Hilfswerk (THW) berichtete, landete am Sonntag in Tokio ein so genanntes SEEBA-Team (SEEBA = Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland). Insgesamt befinden sich nun 44 THW-Einsatzkräfte in der japanischen Hauptstadt. Ein sechsköpfiges Vorausteam ist bereits seit Samstag vor Ort und steht in engem Kontakt mit der deutschen Botschaft sowie den japanischen Behörden, um mögliche Einsatzorte für die Rettungskräfte zu identifizieren und die Botschaft zu unterstützen.

Das THW-Team wird von einem ABC-Spezialisten der Analytischen Task Force (ATF) begleitet. Vor dem Hintergrund der prekären Lage in mehreren japanischen Atomkraftwerken steht die Sicherheit der Einsatzkräfte an erster Stelle. „Das THW wird nicht in Gebieten tätig, in denen Gefahr durch radioaktive Strahlung zu befürchten ist“, sagte THW-Präsident Albrecht Broemme bereits vor dem Abflug.

Der THW-Experte für ABC-Lagen wird als Fachberater an der deutschen Botschaft eingesetzt und ergänzt das vierköpfige Team, das bereits gestern mit zwei SEEBA-Führungskräften in Tokyo eingetroffen ist. Aufgabe des Teams ist es, die deutsche Botschaft bei der Koordinierung der Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung zu unterstützen.

Hilfsorganisationen sind in Bereitschaft

Das DRK teilte mit, dass das Deutsche Rote Kreuz bereit stünde, die japanische Schwestergesellschaft bei Bedarf zu unterstützen. Man habe bereits Hilfe angeboten.

Die deutschen Malteser stehen über Malteser International in engem Kontakt zu verschiedenen Partnern in Japan, um auf Hilfsanfragen reagieren zu können. Zudem habe Malteser International 25.000 Euro aus seinem Katastrophenhilfe-Fonds zur Verfügung gestellte, hieß es.

Der ASB ließ wissen, dass für den Fall konkreter Hilfsanforderungen oder Nachbeben mit weiteren Tsunamientwicklungen ASB-Schnell-Einsatz-Teams sowohl für Japan als auch andere Staaten der Pazifikregion bereitstünden. Derzeit sei allerdings kein Einsatz in Japan geplant.

Grafische Darstellung des Erdbebens vom Freitagmorgen. Quelle: Uni KölnISAR Germany: Erkundungsteam kehr heim

Währenddessen kehrte das am Freitag entsandte Erkundungsteam der Hilfsorganisation ISAR Germany nach Deutschland zurück. „Auch zwei Tage nach dem Erdbeben gibt es noch kein internationales Hilfeersuchen der japanischen Regierung“, begründet ISAR-Präsidentin Daniela Lesmeister die Rückkehr der Helfer.

Lediglich aus den USA, Neuseeland, Australien, Korea und aus Staaten, mit denen bilaterale Vereinbarungen getroffen wurden, seien Rettungsteams angefordert worden. Außerdem setzt Japan tausende Soldaten in der Katastrophenregion ein. Nach Erkenntnissen des ISAR-Erkundungsteams hat sich Japan offenbar dafür entschieden, mit Hilfsteams aus der Region und mit eigenen Kräften die Katastrophe zu bewältigen.

Aufgabe des Erkundungsteams war es, die Lage in Japan zu beurteilen und in enger Abstimmung mit den japanischen Behörden einen möglichen Einsatz weiterer Spezialisten vorzubereiten. Dabei ging es um eine Einheit zur Suche, Rettung und medizinischen Versorgung von verschütteten Menschen. Im Gegensatz zum Erkundungsteam, kann eine solche Spezialeinheit aber nur auf ausdrücklichen Wunsch der jeweiligen Regierung in ein Katastrophengebiet reisen.

„I.S.A.R. ist eine durch die Vereinten Nationen für Search-and-Rescue-Einsätze zertifizierte Organisation. Dies bedeutet, dass sich strikt an die internationalen Regeln im Katastrophenfall gehalten werden muss. Dazu zählt auch, dass die Vorgaben der japanischen Regierung bindend sind“, erklärt Dr. Lesmeister. „Ohne Hilfeersuchen ist es deshalb auch nicht möglich, eine Search-and-Rescue-Einheit nach Japan zu entsenden.“

Unabhängig davon, spitzt sich die Lage im Atomkraftwerk Fukushima weiter zu. Die japanische Regierung schließt inzwischen eine Kernschmelze nicht aus. In der japanischen Provinz Miyagi haben Atomexperten Medienberichten zufolge eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal gemessen.

In den nächsten Stunden und Tagen wird deshalb die Abwehr atomarer Gefahren für die Bevölkerung im Mittelpunkt der Rettungsarbeiten stehen. Dies ist Aufgabe anderer Spezialeinheiten, für die alle zur Verfügung stehenden Ressourcen, zum Beispiel für den Transport der Teams, freigehalten werden sollten.

Hintergründe zu dem Erdbeben in Japan finden Sie unter anderem hier:

Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Geo-Forschungszentrum Potsdam
Erdbebenstation Bensberg (Uni Köln)

2 Responses to “Japan: Deutsche Teams im Erdbeben-Einsatz”

  1. Der Geschenkieen Mann on März 14th, 2011 12:28

    So was schlimmes habe ich noch nie gesehen. Aber ich denke nicht das es sofort das Ende der Welt bedeutet.. In anderen Ländern gab schon auch so etwas ähnliches wie zum beispiel in Theiland… Aber die menschen tuhrn mir dort richtig leid… Viele haben den Dach über den KOpf verlohren und ihre Familien. Hoffentlich wird bald alles besser und wir müssen natürlich nicht vergessen, dass wir auch die Menschen in Japan unterstützen können.

  2. Flo on März 15th, 2011 14:15

    Die SEEBA des THW hat ihren Einsatz wegen der extrem geringen Erfolgsaussichten und der sich verschärfenden Sicherheitslage inzwischen abgebrochen und wird in den kommenden Tagen in Deutschland zurückerwartet. Das Beraterteam wird aber weiterhin in der Deutschen Botschaft verbleiben.

    http://www.thw.de/SharedDocs/Meldungen/DE/Pressemitteilungen/international/2011/03/meldung_006_pm_einsatz_beendet.html

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