Internationales Rotkreuzkommittee protestiert gegen Missbrauch des Rotkreuzzeichens


Rotkreuzmuseum Genf, Julius KusumaGenf (rd.de) – Das Internationale Kommittee des Roten Kreuzes protestiert gegen die Nutzung des Rotkreuzemblems bei der gewaltsamen Befreiung von Ingrid Betancourt.

In Genf drückte das Internationale Kommittee des Roten Kreuzes gestern (6.8.2008) seine tiefe Besorgnis aus, dass zur Befreiung der 15 Geiseln aus der Gefangenschaft der FARC-Rebellen in Kolumbien das Emblem des Roten Kreuzes missbräuchlich genutzt wurde.

Filmaufnahmen der Befreiungsaktion vom 2. Juli 2008, die erst in dieser Woche im kolumbianischen Fernsehen zu sehen waren, zeigten, dass ein Mitglied der Einsatztruppe mit einer Rotkreuzjacke bekleidet war, noch bevor der Einsatz startete. Das Rote Kreuz sieht darin einen bewußten Missbrauch des Rotkreuzzeichens und damit einem Verstoß gegen die Genfer Konvention.

„Wenn sich die Echtheit der Aufnahmen bestätigt, belegen diese Bilder eine unberechtigte Nutzung des Rotkreuzzeichens, den wir zu beklagen haben“, sagte der stellvertretende Direktor des Rotkreuzkommitees Dominik Stillhart.

Diese drei Zeichen genießen internationalen SchutzDas Zeigen des Rotkreuz-Symbols, des Roten Halbmonds und der Roten Kristallraute unterliegt den international gültigen Regeln der Genfer Konvention und den dazugehörigen Zusatzprotokollen. Die Nutzung dieser Zeichen, ist Personen oder Institutionen die nicht dem internationalen Menschen- und Völkerrecht unterliegen untersagt. Das Rotkreuzkommittee fordert die kolumbianischen Behörden zur Klarstellung des Sachverhaltes auf.

Alvar UribeEine missbräuchliche Nutzung des Rotkreuzzeichens gefährdet die Arbeit der humanitären Helfer weltweit. Problematisch ist die Nutzung in diesem Zusammenhang besonders, weil es meist Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes sind, die in der Vergangenheit Gefangene zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Rebellengruppe austauschten.

Bereits zwei Wochen nach der Befreiungsaktion, für die in Paris aufgewachsene ehemalige kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Betancourt, gab es in der US-Presse Gerüchte über die Verwendung von Rotkreuz-Emblemen bei der Militäraktion. Der kolumbianische Staatspräsident Alvaro Uribe entschuldigte sich beim Rotren Kreuz dafür, machte aber geltend, ein Soldat hätte im Einsatz unter Lebensgefahr ein Rotkreuzzeichen aus seiner Jacke gezogen. Die Aussage einer nicht abgestimmten Einzelaktion ist aufgrund der gezeigten Fernsehbilder nun nicht mehr glaubhaft.

Uribe hat unverzüglich eine erneute Untersuchung des Vorfalls angeordnet, hieß es heute aus Bogota.

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Fotonachweise:
Oben: Embleme am Eingangsberich des Rotkreuz-Museums in Genf. Quelle: Julius Kusuma, GNU
Mitte: Diese drei Symbole genießen internationalen Schutz und gewähren hierdurch humanitären Helfern Sicherheit.
Unten: Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe. Quelle: Ana Nascimento/ABr. 16/09/2003 cc

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