Höhlenretter trainierten grenzüberschreitend


Sulzau/Freilassung (BRK/ml) – Bei einer grenzüberschreitenden Alarmübung haben die Einsatzkräfte des Salzburger Höhlenrettungsdienstes und der Höhlenrettung Südbayern unter realistischen Bedingungen ihr Zusammenspiel trainiert.

Angenommen wurde, dass am Vorabend zwei junge Menschen in die Scheukofenhöhle bei Sulzau im Bezirk Pongau eingestiegen waren und seitdem als vermisst gelten.

Nachdem die Eltern eine fiktive Vermisstenanzeige erstattet haben, werden am frühen Samstagmorgen die Einsatzleitung sowie der Vortrupp des Österreichischen Höhlenrettungsdienstes, Landesverband Salzburg alarmiert. Zeitgleich erfolgt der Voralarm für die Höhlenrettung Südbayern mit den Einsatzgruppen München und Rosenheim sowie für die Vorausgruppe Höhlenrettung der Bergwacht Chiemgau in Freilassing.

Gegen 9 Uhr am Morgen wird ein Verletzter mit einem offenen Unterschenkelbruch von den Salzburger Einsatzkräften einige hundert Meter tief in der Höhle gefunden und sofort erstversorgt. Für die anschließende aufwändige Rettung fordert der Einsatzleiter nun alle weiteren Helfer direkt zur Höhle an. Nach einem kurzen Lagegespräch steigen drei Mann der Freilassinger Vorausgruppe zur Unterstützung des Salzburger Voraustrupps in die Höhle ein. Parallel zur medizinischen Erstversorgung in Zusammenarbeit mit einem Notarzt müssen die Höhlenretter Sicherungen für Retter und Patienten einrichten.

Zur einwandfreien Kommunikation während der zeitintensiven Rettung legen die Beteiligten eine Telefonleitung durch die zum Teil engen Schächte; Funkstrahlen werden durch das massive Gestein zu stark abgeschirmt. Über das so genannte Höhlentelefon halten die Einsatzkräfte Kontakt zur Außenwelt und können fortlaufend Informationen zum Zustand des Patienten und zu eventuellen Schwierigkeiten beim Abtransport übermitteln.

Aufgrund vieler enger und steiler Passagen kommen die Retter mit dem Verletzten nur mühevoll und langsam voran; der gesamte Rückweg muss mit Sicherungen verbaut werden, darunter aufwändige Seilbahnen über tiefe Abgründe. Während ihres kräftezehrenden Einsatzes werden sie von außen mit Nahrungsmitteln und Getränken versorgt.

Erst gegen 13 Uhr kann mit dem eigentlichen Abtransport des Patienten in einer speziellen Höhlentrage begonnen werden, der um 18 Uhr am Ausgang wieder das Tageslicht erblickt. „Wir mussten schwierigste Hindernisse wie Engstellen, Wasserstellen und Wände bewältigen, die teilweise nur im Zentimetertakt überwunden werden konnten“, berichtet Tobias Kronawitter von der Bergwacht Freilassing. Das realistische Einsatztraining hat uns allen unmittelbar verdeutlicht, wie viel Personal und Material zur Rettung nur eines Verletzten tatsächlich notwendig ist, wenn der Vermisste so tief in der Höhle liegt und entsprechend weit abtransportiert werden muss.“

Der zweite Vermisste wird trotz intensiver Suche nicht mehr gefunden, so die Annahme. Auch das ist Realität im Höhlenrettungsdienst.

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