Hilfsorganisationen gewinnen Tiroler Ausschreibung


Innsbruck (rd.de) – Die politisch höchst umstrittene Ausschreibung der Rettungsdienste in Tirol ist beendet. Die Bietergemeinschaft der Hilfsorganisationen erhält den Zuschlag. Die privaten Bieter MKT und Falck unterlagen.

Der Plan, den Rettungsdienst des Bundeslandes Tirol zu zentralisieren und den neuen Dienstleister hierfür in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren zu suchen, war kühn und politisch für den zuständigen Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg ein hohes Risiko.

Die Hilfsorganisationen – allen voran das tonangebende Österreichische Rote Kreuz – sahen die Qualität der Notfallrettung massiv in Gefahr, wenn es dem Land nur darum ginge, den billigsten Anbieter zu ermitteln. Die Ausschreibung sei zudem geradezu ein Affront gegen das Ehrenamt.

Auch die politische Opposition witterte einen Kahlschlag bei den Hilfsorganisationen zugunsten der privaten Anbieter MKT und Falck, wobei insbesondere der Falck-Konzern in einer klaren Favoritenrolle gesehen wurde. Bis zur letzten Sekunde wurde das Vergabeverfahren unter Beschuss genommen. Das Rote Kreuz Tirol kritisierte vor allen Dingen, dass Tirol in der Ausschreibung Leistung und Preishorizont vorgab. „Aber die gewünschten Leistungen und den gewünschten Preis vorzugeben, ist keine Ausschreibung, sondern ein Diktat“, wetterte der Grüne Landtagsabgeordnete Gebi Mair.

Doch nicht alle Beobachter folgten der Kritik des Roten Kreuz. Der Präsident des Tiroler Gemeindeverbandes und Bürgermeister von Sölden, Ernst Schöpf, sah die Ausschreibung positiv. Nicht nur wegen der möglichen Einsparung, sondern auch weil die flächendeckende Versorgung ein wichtiges Kriterium war. „Keiner soll länger als 15 Minuten auf einen Rettungswagen warten müssen.“

Zudem ist über die drohende Ausschreibung etwas erreicht worden, was bislang als völlig undenkbar galt: Das übermächtige Rote Kreuz schloss sich mit den kleineren Hilfsorganisationen Samariterbund, Johanniter und Malteser zu einer Bietergemeinschaft zusammen. Das Konzept konnte bei der Ausschreibung punkten und nun stehen die Hilfsorganisationen als Sieger der Ausschreibung da. In den nächsten 10 Jahren dürfen sie den Rettungsdienst für die 707.000 Einwohner Tirols für sich beanspruchen.

Billiger ist die Rettung mit jährlichen Kosten von 27,4 Millionen Euro für die öffentliche Hand nicht geworden, also sollten zumindest ab 2011 Qualität und Effizienz steigen, bilanziert die Tiroler Tageszeitung, die ebenfalls das Aufsprengen der verkrusteten Strukturen innerhalb der Hilfsorganisationen als den größten Gewinn der Ausschreibung betrachtet.

Nach Informationen des Nachrichtenportals tt.com prüft der unterlegene dänische Rettungskonzern Falck rechtliche Schritte gegen die Vergabeentscheidung. Deren letztes Angebot lag bei 43 Millionen Euro. Die geforderte weitere Reduzierung um 20 % sei nicht mit den Qualitätsanforderungen in Einklang zu bringen gewesen.

(30.06.2010)

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