Hilfsorganisationen bald ohne Helfer?


Berlin (pm) – Feuerwehr, THW, DRK, Johanniter, Malteser, ASB – die Liste der Organisationen, die die Bevölkerung schützen und im Ernstfall Hilfe leisten, ließe sich beliebig fortsetzen. Sie alle haben eine gemeinsame Sorge: Freiwillige und Ehrenamtler bilden das Rückgrat – und die werden immer weniger.

„Einmal, weil wir in einer alternden Gesellschaft leben und ältere Menschen die zeitliche und physische Belastung eines Ehrenamtes nicht mehr auf sich nehmen wollen und können. Dann aber auch, weil mit Wegfall der Wehrpflicht die ‚Umgehungsstraße‘ bei THW und Feuerwehr nicht genutzt wird. Und schließlich auch noch, weil viele Menschen für Ausbildung, Studium und Beruf mobil sein wollen und müssen – das Ehrenamt aber etwas ist, dass man zu Hause eingeht. Kein zu Hause – kein Ehrenamt,“ zählt Christian Endreß, einer der Organisatoren der Tagung „Ehrenamt im Bevölkerungsschutz“, die Gründe auf.

Die Veränderungsprozesse und neuen Herausforderungen sollen am 10. und 11. September 2012 in Berlin im Rahmen des Symposiums „Ehrenamt im Bevölkerungsschutz“ zum Thema werden. Die Tagung organisiert der Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Sicherheitsforschung und Sicherheitsmanagement der Universität Witten/Herdecke in Kooperation mit dem Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes. Beteiligt sind die im Bevölkerungsschutz tätigen Organisationen sowie Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Das Symposium ist Teil des vom Bundesforschungsministerium geförderten Forschungsprojektes „Prioritätenbildung bei Rettungsmaßnahmen“ (PRI-KATS).

Für die Universität Witten/Herdecke wird der Politikwissenschaftler Christian Endreß eine von der UW/H in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage zur gegenwärtigen Situation des Ehrenamts im Katastrophenschutz vorstellen und Schwerpunkte auf folgende Fragestellungen legen: Wie können wir mit den „jungen Alten“ nach Rentenbeginn umgehen und sie für Engagement im Ehrenamt bewegen? Wie gelingt es, Abiturienten auch während ihres Studiums außerhalb ihres Heimatverbands weiterhin ehrenamtlich einzubinden?

In weiteren Beiträgen werden, neben den relevanten Schwerpunkten „Ehrenamt und Gesellschaft“, „Ehrenamt und Demografie“ sowie „Formate des Helfens/Helfergewinnung“ auch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und laufende (Forschungs-)Projekte vorgestellt und diskutiert. Einen besonderen Akzent setzt Adrian Bedoy, Publizist, Werbefotograf und Lehrbeauftragter der UW/H, mit der Vorstellung der Kampagne „Deutschland On“. Diese soll zur Helfergewinnung und zur Attraktivitätssteigerung von ehrenamtlichem Engagement beitragen.

Das Forschungsprojekt PRI-KATS beschäftigt sich mit den Themen Koordination, Steuerung und Normenbildung im deutschen Katastrophenschutzsystem unter den Bedingungen von Großschadensereignissen. Ziel der Veranstaltung ist es, die Herausforderungen der Zukunft zu erkennen, zu analysieren und aufzugreifen. Dabei hilft es, in einen interdisziplinären Austausch zu treten und gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren.

(Foto: Markus Brändli)

19 Responses to “Hilfsorganisationen bald ohne Helfer?”

  1. Wolfgang Stiegler via Facebook on August 13th, 2012 17:55

    Es ist traurig, das das Ehrenamt immer weniger wird, leider stehen aber auch nicht mehr alle Arbeitgeber hinter ihren Mitarbeiten wenn es ums ehrenamt geht. Leider gibt es aber auch Organisationen oder Teile davon, die keinen gesteigerten Wert aufs Ehrenamt legen und es aber auch bezahlte Werber gibt die lediglich Mitglieder für Jahresbeiträge werben ohne selbst irgend etwas von dem eigentlichen Organisationsleben zu wissen.

  2. Michael on August 13th, 2012 20:08

    Es kommt noch darauf an in welcher Organisation man sich befindet. Bei der Feuerwehr ist vieles einfacher. Alle Regelungen die zum Vorteil des Ehrenamtes getroffen werden beziehen sich nur auf die Feuerwehr, die anderen Organisationen gucken in die Röhre. Was können die Hilfsorganisationen bieten? Wochenlange Aus- und Weiterbildung weil mit Pflasterkleben ist es ja schon lange nicht mehr getan, heute bestimmen AED, Pulsoxi, Blutzucker das geschehen. Stundenlange Dienste wobei man teilweise die Gewalt abbekommt. Im Falle eines Einsatzes kommt der Rettungsdienst der natürlich von einem Privaten kommt da er in der Europaweiten Ausschreibung günstiger war. Er braucht ja auch kein Material für den Katastrophenschutz bereitzustellen. Den Hilfsorganisationen fehlt doch jetzt schon das Geld neue Mitglieder einzukleiden und ihre Technik auf den aktuellen Stand zu halten.

  3. Philipp Amelang via Facebook on August 13th, 2012 22:01

    An erster Stelle sollte der Vertrauensverlust in die Organisationen angeführt werden… Aber das würde ja keiner in der Öffentlichkeit zugeben … Siehe auch bundesweiter Rückgang von Fördermitgliedern aufgrund zweifelhafter Vorgehensweise der Organisationen … In jedem Dorf um Spenden betteln (lassen) und Tausende Euro für komische Ferienjobber ausgeben die die Bevölkerung zu Spenden und Mitgleidschaften nötigen … “Inkassomethoden zur Gewinnung von Fördermitteln aus der Bevölkerung” … Herzlichen Glückwunsch …

  4. Kevin-Christian Strunk via Facebook on August 14th, 2012 06:08

    Es ist ganz in Ordnung, wenn Leute nicht fähig sind Menschlichkeit und Einsatzleitung zu verbinden.

  5. Johnny on August 14th, 2012 09:57

    Echt, eine Unmöglichkeit! Man wird doch bitte von der Mehrzahl der junge, teilweise Transferleistungen-beziehenden, Gesellschaft erwarten dürfen, dass sie kostenlos für eine HiOrg arbeiten geht, damit diese HiOrg sich den nächsten großen Tempel hinstellen kann!

  6. der Münchner on August 14th, 2012 11:15

    @Michael

    die Einnahmen des Rettungsdienstes dürfen nicht in den Katastrophenschutz fließen, bzw. diesen finanzieren. So gesehen hat die Teilnahme am K-Schutz keine Auswirkungen auf die Rettungsdienstausschreibung. Außer die Hiorgs finanzieren hier widerrechtlich quer!

  7. doggi on August 14th, 2012 11:22

    @ Johnny: Du meinst dein Posting nicht wirklich ernst, oder ?

  8. Sepp Daxberger on August 14th, 2012 11:44

    Liebe Kommentatoren
    Ich möchte mal daraufhinweisen, dass man die Feuerwehren eigentlich nicht mit dem DRK oder MHD, welche in der Regel als eV. firmieren, vergleichen kann.
    Die Feuerwehr ist eine gemeindliche Pflichteinrichtung, die aus Steuergeldern finanziert wird und sich auch über eine Gebührensatzung refinanziert, soweit möglich.
    Bei einem Feuerwehreinsatz werden Gebühren für die Fahrzeuge, die Hilsmittel und das Personal erhoben.
    Der/die “freiwillige Feuerwehr” Mann/Frau kann sich seine für ihn/sie abgerechnete Gebührenpauschale jederzeit auszahlen lassen, bzw. der Arbeitgeber kann dass Geld als Verdienstausfall kassieren.
    Dies ist schon ein ergeblicher Unterschied zu DRK und Co.

  9. Hanseretter on August 14th, 2012 13:37

    Es ist mittlerweile so, dass vom Hauptamt Sonderdienste, die mal ehrenamtlich abgesichert wurden, besetzt werden und allgemein Personal fehlt, so dass immer wieder Schichten auf KTW und RTW nicht besetzt werden.

    Und im KatS müsste mal eine Flurbereinigung durchgeführt werden.
    Ein Kollege und Freund von mir ist hauptamtlich bei einer großen Betriebsfeuerwehr, nebenamtlich an einer Landrettungswache tätig, ehrenamtlich in “seiner” FF und dazu in einer HiOrg, die auch noch eine SEG Rettungsdienst beinhaltet. Also taucht er mind. in 4 Statistiken auf als Helfer.

  10. doggi on August 14th, 2012 16:18

    Hanseretter genau das ist das Problem….ich kenne Einsatzeinheiten, die auf dem Papier mit 125 % besetzt sind, dafür liegt dann aber das Durchschnittsalter bei > 60 . Macht aber nichts, weil ja alle Personalvorgaben erfüllt sind, fließen auch weiter die Landes/Bundeszuschüsse. Die ein oder Andere Kommune hat diesen “Trick” aber nach 15 Jahren schon durchschaut und läßt regelmäßig Einheiten alarmieren und (wen wunderts) auch aberkennen. Dazu würde ich vorbehaltlos den gefällt mir Button drücken :-)

  11. Heinrich on August 15th, 2012 09:17

    Ich bin viele Jahre im Ehrenamt einer großen HiOrg tätig. Meine sehr persönliche Einschätzung ist diejenige das die Gründe Komplex sind. Zum einen spielt die berufliche Situation eine Rolle. Zum anderen hausgemachte Probleme. Ehrenamtliche Sanitäts-Bereitschaften werden immer öfters nur aus der Kosten-Nutzen Perspektive betrachtet. Sie sollen gewinnbringend operieren. Dienste sind oft für ältere Helfer ungeeignet, weil zu lang oder zu anstrengend. Es gibt eine Gratifikationskrise, weil Helfer oft weder in der Organisation noch in der Gesellschaft Anerkennung finden. Die Ansprüche an die Helfer werden immer höher geschraubt, was zeitintensive Schulungen zur Folge hat.

  12. Hubert Scheffer on August 15th, 2012 16:13

    Es ist ein vielschichtiges Problem, der Arbeitsplatz, berufliche Karriere, Motivation zum Ehreamt. Da sind die Hilfsorganisationen aufgefordert etwas zu tun in dem Sie das Ehrenamt stärken. Aber wie , erstmal die hausgemachten Probleme lösen den ein ehrenamtlicher ist nicht das fünfte Rad am Wagen. Es wäre wünschenswert wenn wenn sie das schaffen und es dadurch wieder mehr zulauf zum Ehrenamt gibt.
    Mit freundlichen Grüßen Hubert Scheffer

  13. Thomas on August 15th, 2012 20:38

    Das Ehrenamt bei der Feuerwehr kann man vielen Chefs noch verkaufen, das bei den HiOrgs wird zunehmend schwerer.
    Läßt der Chef im Ort einen nicht zu den Feuerwehreinsätzen gehen, kann man immer noch versprechen, daß man an dem Tage, an dem sich etwas für die Feuerwehr im eigenen Laden ereignet, sich bestimmt an diese Anweisung hält.
    Während die Einsätze einer Fuerwehr einen gewissen Kreis um die Wache seltenst überschreiten, gehen HiOrg-Einsätze oft in die Ferne und dauern oft auch länger.
    Viele Chefs haben auch ein gewisses Problem mit geplanten Katastrophen für die man mehrere Tag durch die Republik reisen muß.

  14. locco on August 20th, 2012 18:23

    Letztes WE wurden aufgrund der hohen Temperaturen von der DLRG-Einsatzleitung spontan die Einsatzzeit bis 20:00 Uhr verlängert. Heißt: Helfer von 9 bis 20 Uhr in der Hitze und im Einsatz. Einige hätten außerdem noch zur Arbeit gemusst und waren teils gezwungen später auf arbeit zu erscheinen. Ich finde das sehr fragwürdig und durch die EU angeregte Diskussion um Einsatzzeit = Arbeitszeit durchaus sinnvoll. Warum muss ich als Ehrenamtler bitte 11 Stunden in der Hitze schmoren, weil Badegäste noch am Strand sind. Die sind auch von Montag bis Freitag dort und da passt auch keiner auf.

    Des Weiteren sind die Bedingungen für einen aktiven Dienst als Familienvater mit 40Std-Job bei den zahlreichen Bedingungen durchaus unattraktiv. Man möchte schließlich auch noch Zeit mit der Familie verbringen. Bei den aktuellen Bedingungen möchte ich keinen Wachdienst mehr machen.

  15. Kranker Pfleger on August 21st, 2012 13:00

    @ locco

    Du willst eine gesetzliche Regelung, die die Entscheidungsfreiheit aller Ehrenamtlichen beschränkt weil einige erwachsene Helfer nicht nein sagen können wenn sie zu einem Dienst verdonnert werden, der mit ihren Arbeitszeiten kollidiert?

    Von einem Ehrenamtlichen kann man durchaus erwarten, daß er sein Hobby so ausübt, daß seine beufliche Tätigkeit nicht darunter leidet.

    Die angedachte Arbeitszeitrichtlinie ist blanker Unfung. Warum sollte man am Wochenende oder auch abends x Stunden feiern und ggf. saufen oder auch irgendeine kräftezehrende Extremsportart ausüben dürfen, jedoch mit selbem Zeitumfang nicht auch z.B. im Sanitätsdienst oder Sportverein tätig sein?

    Wenn eine örtliche DLRG Gruppe ggf. vertragliche Verpflichtungen eingeht, die sie nur zum beruflichen Schaden ihrer Mitglieder erfüllen kann so ist dies kein Fall für eine Arbeitszeitrichtlinie. Hier müssen interne Mechanismen greifen, die die Helfer vor solch unverantwortlichen Führeungskräften schützt, falls das Fallbeispiel so zutreffend ist und nicht Helfer mit beruflichen Verpflichtungen selbstverständlich entschuldigt waren.

  16. Notfunk on August 22nd, 2012 18:32

    die Diskussion um die abnehmende Zahl ehrenamtlicher ist doch nicht neu. Es spielen verschiedene Gründe eine Rolle u.a. die Demographie, das Problem Ausbildung und Beruf, Familie und dann als einer der wichtigen Gründe die Anerkennung in der Gesellschaft. Wer traut sich einmal der Freizeitgesellschaft klar zu machen, das sie nur feiern (Public Viewing, Open Air Konzert usw.) kann weil andere ihre Freizeit zu ihrer aller Sicherheit einsetzen. Sicher gibt es auch in den Organisationen Probleme bei der Kommunikation des Ehrenamtes aber in erster Linie sehen wir das Problem in der Forderungsmentalität ohne darüber nachzudenken, das vieles von Ehrenamtler/inne/n geleistet wird. Es müsste mal dokumentiert werden welchen “finanziellen” Nutzen diese Tätigkeiten erbringen und dann dagegen die Gebührenerhöhungen, die notwendig wären um den gleichen Schutz durch Hauptamtler zu stellen

    an alle ruhige Dienstzeiten

  17. nordfriese on August 22nd, 2012 20:09

    Ich stand selber vor 1,5 Jahren vor der Entscheidung. Beruflicher Aufstieg in eine Führungsposition oder Ehrenamt. Die neue Arbeitsstelle lies sich aber aus zeitlichen Gründen und häufiger Rufbereitschaft nicht mit dem Ehrenamt vereinbaren. Also habe ich schweren Herzens das Ehenamt aufgegeben. Aber es ist von der Politik und der Wirtschaft so gewollt. Flexzibilität um jeden Preis. Es muss dazu noch gesagt werden, das mein Arbeitgeber noch zu wenigen gehört, die das Ehrenamt n. möglk. unterstützen.

  18. Olaf on November 22nd, 2012 13:52

    Finde es gut das es mit dem ehrenamt weniger wird, immerhin blockieren Ehrenamtler dadurch Stellen, alles andere ist gelogen. Finds gut

  19. Axel Eichler on November 23rd, 2012 18:52

    @Olaf:
    Anscheinend arbeitest du beim Landrettungsdienst oder in einer Berufsfeuerwehr. Anders ist dein unqualifizierter Kommentar nicht zu verstehen.
    Lass du dich doch bitte zum Wasserretter ausbilden, bring Kollegen dazu sich zu Rettungstauchern, Bootsführern, Bergrettern, Höhlenrettern etc. ausbilden zu lassen. Dann reden wir weiter.
    Ohne Ehrenamt funktioniert vielleicht der Landrettungsdienst, aber da hört’s dann auch auf. Und dann gibt’s bei MANV keine Unterstützung von Ehrenamtlichen, weil die gibt’s ja nach deiner Logik gar nicht mehr.

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