Herztod: DIVI fordert mehr Aufklärung


Leipzig (DIVI) – Rund 70.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen tödlichen Herzstillstand, obwohl Wiederbelebungsmaßnahmen durch den Rettungsdienst durchgeführt werden. Bis zu 10.000 von ihnen müssten nicht sterben, wenn sie rechtzeitig Hilfe bekämen. „Wir können es nur vermuten: Die meisten Menschen haben wohl zu große Angst davor, eine Reanimation durchzuführen, weil sie glauben, es nicht zu können oder es falsch zu machen“, sagt Professor Bernd Böttiger, Referent beim DIVI-Kongress 2013 in Leipzig.

Nach Naturkatastrophen zeigen sich die Deutschen von ihrer hilfsbereiten Seite. Doch wenn jemand einen Kreislaufstillstand erleidet, sind nur 15 bis 18 Prozent bereit, Erste Hilfe zu leisten. In den Niederlanden oder Skandinavien liegt die Ersthelferrate bei über 60 Prozent.

„Die Menschen helfen vor allem deswegen nicht, weil sie nicht genau wissen, was sie tun sollen“, erklärt Professor Böttiger. „Sie wollen die Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen oder glauben, eine Mund-zu-Mund-Beatmung machen zu müssen. Dabei ist das Beatmen gar nicht unbedingt nötig, denn allein mit einer einfachen Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff im Blut zirkulieren und so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen.“

Vorbild Dänemark

Der dänischen Regierung ist es durch eine Reihe von Maßnahmen gelungen, die Zahl der kardiovaskulären Reanimationen durch Laien deutlich zu erhöhen. Seit 2005 finden in Dänemark Erste-Hilfe-Kurse schon in Grundschulen statt. Führerscheinbewerber müssen ihre Ersthelferbefähigung nachweisen. Außerdem wurden 150.000 Broschüren verteilt, in denen um die Teilnahme an Reanimationskursen geworben wurde.

Eine Öffentlichkeitsarbeit, die Wirkung zeigte: Die Zahl der Patienten, die vor dem Eintreffen eines Rettungswagens durch einen Laien reanimiert wurden, hat sich seither in Dänemark verdoppelt. Mit der Initiative „Ein Leben retten – 100 Pro Reanimation“ der Stiftung Deutsche Anästhesiologie soll jetzt auch in Deutschland die Zahl der Menschen, die beherzt eingreifen, wenn es nötig ist, erhöht werden.

(22.11.2013; Foto: Markus Brändli)

3 Responses to “Herztod: DIVI fordert mehr Aufklärung”

  1. Jenny Ke via Facebook on November 22nd, 2013 09:25

    Was man als Kind lernt, verlernt man nicht mehr so schnell. Und was spricht dagegen die ersten Verbände schon im KiGa-Alter zu üben? Weil die Kleinen nicht zahlen?

  2. Jörn on November 22nd, 2013 17:38

    Mal kritisch in die Runde gefragt:

    Was spricht eigentlich dagegen, dass Laienhelfer – nach Feststellen der „Leblosigkeit“ – einfach nur auf den Brustkorb drücken – anstatt gar nichts zu tun oder nur den Notruf abzusetzen?

    Meines Erachtens gar nichts! 10.000 potenzielle „Überleber“ dürften es den nicht-professionellen Ersthelfern danken…

    Und das sage ich als Erste-Hilfe-Ausbilder, der seit über 20 Jahren in der Breiten- und Fachausbildung tätig ist!

    Bitte versteht diesen Beitrag als Diskussionsgrundlage!

    Freitägliche Grüße aus dem Südwesten

  3. Tim P. on November 22nd, 2013 23:04

    Gibt es zu den Thoraxkompressionsgeräten schon eine Statistik, wie Effektiv diese im Vergleich zur Herkömmlichen Methode sind ?

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