Herz-Kreislauf-Krankheiten noch immer Todesursache Nr. 1


München (ESC) – In diesen Tagen findet in München der Europäische Kardiologenkongress (ESC) statt. Mehr als 30.000 Kongress-Teilnehmer aus 150 Ländern kommen hierfür in der bayerischen Landeshauptstadt zusammen.

„Der ESC-Kongress bietet eine beeindruckende Leistungsschau der modernen Herz-Medizin, es werden 4200 neue Studien präsentiert, und es wird 450 wissenschaftliche Sitzungen geben“, so Prof. Dr. Michael Böhm (Universitätsklinikum des Saarlandes), Vorsitzender des wissenschaftlichen Programm-Komitees des ESC-Kongresses. Es sei davon auszugehen, „dass die eine oder andere auf dem Kongress vorgestellte Erkenntnis uns dem ESC-Motto einmal mehr etwas näher bringt, die Belastung durch Herz-Kreislauf-Krankheiten in Europa zu verringern“.

Die Erkenntnisse in der modernen Kardiologie haben innerhalb der letzten 30 Jahre zu einer Reduktion der Sterblichkeit um 70 Prozent geführt. Zwischen 2000 und 2010 ist in Deutschland die Mortalität bei akutem Herzinfarkt und ischämischen Herzkrankheiten (Krankheiten als Folge schlechter Durchblutung) um etwa 20 Prozent gesunken. Die Belastung durch Herz-Kreislauf-Krankheiten ist trotz aller beeindruckenden kardiologischen Fortschritte enorm:

Nach den Angaben der WHO sind Herz-Kreislauf-Krankheiten weltweit für 17 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Jedes Jahr sind Herz-Kreislauf-Krankheiten für mehr als 4,3 Millionen Todesfälle in Europa und für mehr als zwei Millionen in den EU-Ländern verantwortlich. Nahezu die Hälfte aller Todesfälle in Europa geht damit auf Herz-Kreislauf-Krankheiten zurück, in Deutschland sind das mehr als 350.000 pro Jahr.

Herz-Kreislauf-Krankheiten sind in allen europäischen Ländern die häufigste Todesursache bei Frauen und die häufigste Todesursache bei Männern in allen Ländern mit der Ausnahme von Frankreich, Spanien und den Niederlanden. Die durch Herz-Kreislauf-Krankheiten bedingte Mortalität ist in Mittel- und Osteuropa höher als in Nord-, Süd- und Westeuropa.

Bluthochdruck verursacht nach WHO-Schätzungen jedes Jahr weltweit 7,5 Millionen Todesfälle, Rauchen sechs Millionen, Übergewicht und Fettleibigkeit 2,8 Millionen, erhöhtes Cholesterin 2,6 Millionen und Diabetes 1,3 Millionen Todesfälle. Ein hoher Anteil vorzeitiger Herz-Kreislauf-Todesfälle ist auf das Rauchen zurückzuführen: Bei Männern zwischen 35 und 69 Jahren verursacht Rauchen 32 Prozent der Herz-Kreislauf-Todesfälle, bei Frauen 6 Prozent.

Immer mehr Patienten überleben den Herzinfarkt, müssen aber als Folge ischämischer Schäden an ihrem Herzen oder eines langjährigen Bluthochdrucks mit einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) leben, die sich zu einer Pandemie des 21. Jahrhunderts entwickelt hat. Schätzungen der WHO zufolge verursachen Herz-Kreislauf-Krankheiten der EU-Wirtschaft Gesamtkosten von jährlich 192 Milliarden Euro.

(27.08.2012)

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?