H1N1-Virus nimmt Fahrt auf


Berlin/London (rd.de) – Die Idee der Isolation von Patienten, die sich mit dem H1N1-Virus infiziert haben, ist langsam passé. Die Zahl der Infektionen steigt hierfür zu rasch. In Großbritannien läuft die Diagnosestellung mittlerweile schon über ein Callcenter. Medizinisches Personal soll notfalls an Hotspots verlegt werden.

In den USA werden nur noch Schätzungen über infizierte Patienten abgegeben. Von einer Millionen Erkrankter wird ausgegangen.

Auch in Deutschland ist das Virus inzwischen auf dem Vormarsch. Wurden Anfang Juli gerade einmal 470 Erkrankungsfälle gemeldet, waren es Ende vergangener Woche bereits 2844. Allein von Mittwoch auf Donnerstag vergangener Woche wurden nach Informationen des Mittedeutschen Rundfunks 600 neue Fälle registriert. Besonders Urlaubsheimkehrer scheinen die Ausbreitung zu begünstigen.

100.000 Neuninfektionen pro Woche

In Großbritannien registrierte man in der vergangenen Woche 100.000 Neuinfektionen.

Am 23. Juli ging nun ein Callcenter in Betrieb: Bei Grippesymptomen soll man in England nicht mehr die Arztpraxen stürmen, sondern eine Hotline anrufen. 1.500 Callcenter-Mitarbeiter ohne besondere medizinische Ausbildung führen eine Befragung nach standardisiertem Schema durch. Das Ergebnis entscheidet schließlich über die erforderlichen Behandlungsschritte.

Die Callcenter-Inbetriebnahme wurde von einer großen nationalen Werbekampagne in Zeitungen, Radio und Fernsehen flankiert und schürte in Großbritannien offenbar die Grippe-Angst. Die nationale Informationsseite zur Schweine-Grippe wurde am gleichen Tag von 9,3 Millionen Anfragen pro Stunde überrannt und brach unter der Anfragelast zusammen.

Wenn medizinisches Personal knapp wird…

In denen von hohen Infektionszahlen betroffenen Gebieten könnte schließlich auch die medizinische Versorgung gefährdet sein. Der National Health Service geht in seinen Berechnungen von einer 15-prozentigen Erkrankungsrate des medizinischen Personals aus. Vorsorglich, so sagte Ian Dalton, Verantwortlicher für die Bekämpfung der Schweinegrippe des National Health Service in einem Interview, werden Ärzte, Krankenschwestern und Rettungswagen-Besatzungen nunmehr darauf vorbereitet, sich bereitzuhalten, um in schlimmer betroffenen Gebieten auszuhelfen.

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